Drei Fragen an Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn
Interview

Drei Fragen an Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn

Interessante Fragen an Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn Leiter des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) in Hamburg und des Instituts für Maritime Logistik der Technischen Universität Hamburg-Harburg

AEB: Ein Vorteil von Frachtsegelschiffen ist es, dass diese mit weniger Personal auskommen. Sie haben mit dem Forschungsprojekt Maritime Unmanned Navigation through Intelligence in Networks (MUNIN) ein Konzept für den autonomen Schiffsbetrieb entwickelt. Welche Vorteile versprechen Sie sich davon für die Schifffahrt? 

Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn: Im Projekt MUNIN wollen wir mithilfe von innovativen Systemen der Navigation und Maschinenüberwachung die Menschen an Bord unterstützen, um damit Seetransporte effizienter und sicherer zu machen. Die unbemannte Schifffahrt ist bislang eine Vision. Bei MUNIN geht es daher vor allem darum, jetzt schon Technologien dafür zu erarbeiten. Wir haben beispielsweise eine Software entwickelt, die Ausweichempfehlungen gibt, damit Kollisionen vermieden werden oder bei schlechtem Wetter ein günstiger Kurs gewählt werden kann. In die Zukunft gedacht soll ein Schiff mit diesen Technologien autonom navigieren können.

AEB: Auch der Ecoliner ist ein bislang noch visionäres Projekt. Was halten Sie von der Idee, die Vorteile der Segelschifffahrt für Seegütertransporte zu nutzen? 

Jahn: Es gibt ja einige Segelkonzepte, die untersucht werden – etwa das Zugdrachensystem, das hier in Harburg entwickelt wurde, oder die E-Ship 1, ein Frachtschiff, das neben einem Dieselantrieb zusätzlich über einen Antrieb mit Flettner-Rotoren verfügt und das seit ein paar Jahren für den Windkraftanlagen-Hersteller Enercon fährt. Zudem segeln die Tres Hombres, ein ehemaliger Kriegsfischkutter, oder die Undine von Kapitän Haß. Für mich sind das Nischenlösungen, die wie die Undine auf der Linie Hamburg-Sylt funktionieren. Sie werden den Markt aber kurzfristig nicht beherrschen können. Mein Favorit ist das Projekt Vindskip des norwegischen Ingenieurs Terje Lade, an dem wir mitarbeiten. Lade hat einen Autofrachter entwickelt, bei dem der Schiffsrumpf als Segel fungiert. Diese innovative Lösung ist sehr robust und Be- und Entladevorgänge werden nicht durch Segel behindert. Er kann auf vielen Kursen einen Zusatzantrieb aus der Windkraft entwickeln. Vindskip soll 2019 vom Stapel laufen. Wir steuern das Wetterrouting-Modul bei, eine Software, die einen Kurs empfiehlt, bei dem der Wind optimal ausgeschöpft wird.

AEB: Was wird sich aus Ihrer Sicht eher umsetzen lassen: das unbemannte Schiff oder der Frachtsegler? 

Jahn: Frachtsegler gibt es wie gesagt schon einige – auch wenn sie traditionelle Motorschiffe kurzfristig wohl eher nicht ersetzen werden. Auch Vindskip soll in ein paar Jahren seinen Betrieb aufnehmen, sofern die Investoren an Bord bleiben. Bis sich die unbemannte Schifffahrt durchsetzt, werden sicher noch zehn und mehr Jahre vergehen.