Handelskonflikt

Strafzölle: Trump und EU machen Ernst

Zweimal hatte US-Präsident Trump die Strafzölle von Stahl- und Aluminiumimporten aus den EU-Staaten verschoben. Seit dem 1. Juni werden jetzt 25 % auf Stahl- und 10 % auf Aluminiumimporte fällig. Die Gegenmaßnahmen der EU sollen zum 1. Juli in Kraft treten.

Björn Helmke 06.06.2018

Der Handelskonflikt zwischen der EU und den USA ist in seine heiße Phase getreten: Mit zwei Proklamationen hat der US-Präsident seine Ankündigung von Zusatzzöllen auf Stahl und Aluminium umgesetzt. Nach Fristablauf der Ausnahmeregelung für Europa, Kanada und Mexiko werden diese nun seit dem 1. Juni 2018 umgesetzt. Die EU-Kommission reagierte umgehend und hat umfangreiche Warenlisten für Gegenmaßnahmen vorbereitet, die bereits zum 1. Juli in Kraft treten soll. Außerdem will die EU eine Klage bei der WTO einreichen.

Die Maßnahmen der USA treffen folgende Warengruppen

  • Stahlprodukte werden mit 25 % Zusatzzoll belegt und gelten für folgende Waren: 720610 bis 721650, 721699 bis 730110, 730210, 730240 bis 730290 und 730410 bis 730690.
  • Aluminiumprodukte werden mit 10 % Zusatzzoll belegt. Dieser gilt für folgende Warengruppen: Rohaluminium 7601; Aluminiumstangen 7604; Aluminiumdraht 7605; Aluminiumplatten, -bleche, -bänder und -folien 7606 und 7607, Aluminiumrohre 7608 und 7609 und Aluminiumgussteile und Schmiedestücke 761699 (5160) und 761699 (5170)

Gegenreaktion der EU trifft Konsumprodukte

Eine Gegenreaktion lässt nicht auf sich warten. Die EU-Kommission hatte bereits am 16. Mai eine Produktliste für mögliche Ausgleichszölle bei der WTO eingereicht. In der Durchführungsverordnung werden handelspolitische Maßnahmen definiert. Betroffen sind US-amerikanische Produkte wie Whiskey, Erdnussbutter, Motorräder, Jeans oder Tabakprodukte, aber auch amerikanische Stahlerzeugnisse. Geplant ist zunächst eine Erhebung von 25 %. Die Warennummern sind im Anhang I der Durchführungsverordnung 2018/724 gelistet.

Drohung mit Strafzöllen auf Automotive-Importe

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Spirale aus Maßnahmen und Gegenmaßnahmen rasch weiterdreht. Donald Trump hat sein Handelsministerium angewiesen zu prüfen, ob Strafzölle auch für Automobilimporte im „Interesse der nationalen Sicherheit“ seien.

Die Strafzölle würden die deutsche Automobilindustrie extrem hart treffen. Sie exportierte im Jahr 2017 Fahrzeuge, Komponenten und Teile im Wert von 28,6 Mrd. EUR in die USA. Das entspricht einem Anteil von 12,2 % an den gesamten deutschen Automobilexporten (234 Mrd. EUR), wie aus dem Export-/Importseismographen Deutschland hervorgeht, den das Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg/Schweinfurt zusammen mit dem Softwarehaus AEB herausgibt. Demgegenüber stehen Fahrzeug-, Komponenten- und Teileimporte aus den USA in Höhe von 6,4 Mrd. EUR. Das entspricht gerade mal 5,6 % der gesamten deutschen Automotive-Einfuhren.

Auch die deutsche Logistikwirtschaft würde indirekt hart getroffen. Die Automotive-Branche ist einer der wichtigsten Kunden für den Güterverkehr über den Nordatlantik. Fahrzeuge und Teile mit einem Gewicht von 1,55 Mio t. werden von Deutschland in die USA (Stand: 2017) transportiert. In umgekehrter Richtung sind es 460.000 t.

Übergreifen auf andere große Industriebranchen droht

„Trump zielt mit der Drohung von Strafzöllen auf Automobilimporte auf die empfindlichste Stelle der deutschen Exportwirtschaft. Damit riskiert er eine Eskalation des Handelskonfliktes zwischen der EU und den USA. Denn auch wenn Deutschland innerhalb der EU besonders stark betroffen sein wird – die Strafzölle von 25 % auf Automobilimporte werden ein Übergreifen des Konfliktes auf andere große Industriebranchen aller Länder der EU bewirken. Damit ist dies nicht nur ein deutsches Problem“, warnt Prof Christian Kille vom IAL.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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