Mehrwertsteuer

Schweiz ändert Mehrwertsteuergesetz

Die Schweiz will Vorteile ausländischer Versandhändler abbauen und hat deshalb das Mehrwertsteuergesetz geändert. Für deutsche Versandhändler bedeutet das unter Umständen eine mehrwertsteuerliche Registrierung in der Schweiz.

Ruth Setzler 01.02.2019

Bisher war die Schweiz für ausländische Versandhändler ein Mehrwertsteuerparadies – jedenfalls was geringwertige Sendungen betrifft. Bis Ende 2018 wurden auf Wareneinfuhren aus erhebungswirtschaftlichen Gründen keine Mehrwertsteuer auf der Einfuhr (Einfuhrsteuer) erhoben, wenn der Steuerbetrag 5 CHF oder weniger betrug (sogenannte Kleinsendungen). Zudem unterlag die Warenlieferung auch nicht der Mehrwertsteuer im Inland (Inlandsteuer). Der Käufer der Ware konnte somit Kleinsendungen aus dem Ausland ohne Mehrwertsteuerbelastung beziehen, wogegen die gleiche Sendung beim Bezug bei einem inländischen, im MWSt-Register eingetragenen Versand- oder Detailhändler der Inlandsteuer unterlag. Diese Ungleichbehandlung hat der Schweizer Gesetzgeber mit einer Änderung des Mehrwertsteuergesetzes beendet

Mehrwertsteuerregistrierung bei Jahresumsatz von mehr als 100.000 CHF aus Kleinsendungen

Nach neuer Rechtslage ab dem 1. Januar 2019 gelten die Lieferungen eines ausländischen Unternehmens bei einem Jahresumsatz von mindesten 100.000 CHF aus Kleinsendungen als Inlandlieferungen. Das Unternehmen muss sich dann in das Mehrwertsteuerregister eintragen lassen. Wer 2018 diesen Wert überschritten hat, wird obligatorisch steuerpflichtig und muss ins Mehrwertsteuerregister. Auch eine freiwillige Steuerpflicht gemäß „Unterstellungserklärung Ausland“ ist möglich – und erleichtert die Planbarkeit der Versandgeschäfte in der Schweiz.

Weiterhin keine Einfuhrsteuer auf Kleinsendungen

Weiterhin gilt mit dieser Versandhandelsregelung, dass auf Kleinsendungen keine Einfuhrsteuer erhoben wird. Wenn bei der Einfuhr der Ware nicht ersichtlich ist, dass der Versender aufgrund der Versandhandelsregelung (oder auch aufgrund einer „Unterstellungserklärung Ausland“) im Mehrwertsteuerregister eingetragen ist, kann das dazu führen, dass dem Käufer der Ware durch den Zollanmelder die Einfuhrsteuer belastet wird. Diesem Risiko muss vor allem im Postverkehr begegnet werden, weil der Versender und die Schweizer Post als Zollanmelder keine ausdrückliche vertragliche Beziehung miteinander haben. Aber auch in anderen Verkehrsarten (z. B. Kurierverkehr) ist dieser Problematik Aufmerksamkeit zu schenken.

Tipps und Infos

Beim Versandhandel mit der Schweiz gewinnt deshalb die Kennzeichnung der Sendungen, vor allem im Postverkehr, an Bedeutung. Damit ersichtlich ist, ob die Einfuhrsteuer dem Versandhändler oder dem Empfänger in Rechnung gestellt werden muss, ist das Paket eindeutig zu kennzeichnen. Der Name und die Mehrwertsteuernummer des Versandhändlers sind zwingend auf der Adress-Etikette aufzuführen. Außerdem ist auf dem Paket eine mehrwertsteuerkonforme Rechnung oder eine Proformarechnung (Art. 26 MWStG) mit dem Ausweis der Inlandsteuer anzubringen.

Klare Verzollungsinstruktionen, vor allem im Kurierverkehr, sind künftig unerlässlich. Das Kurier-/Speditionsunternehmen muss mit Erteilung eines Versandauftrages auch die Information erhalten, ob bzw. dass die Versandhandelsregelung zur Anwendung kommt. Im Zweifel muss er sie vor Grenzübertritt einholen, um gesetzeskonform zu handeln. Eine Vereinfachung besteht im Zusammenfassen mehrerer Sendungen für diverse Empfänger auf einer einzigen Zollanmeldung.
Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat eine detaillierte Information zur Versandhandelsregelung herausgegeben.

Unternehmen, die nicht nur Kleinsendungen professionell in die Schweiz importieren wollen können auf die Software-LösungImport Filing: e-dec von AEB zurückgreifen.


Ruth Setzler
Über die Autorin
Ruth Setzler
Ruth Setzler beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit Wissensmanagement, Kommunikation und Weiterbildung in der AEB. Sie entwickelt Perspektiven durch Seminare. Als Germanistin textet sie leidenschaftlich gerne und will Worte finden, die weiterbringen.

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