Konjunktur

Logistikweise sehen deutliche Abkühlung der Branchenlage

Zuerst tagten die Logistikweisen in Bad Sobernheim, dann überreichten sie ihren Jahresbericht 2019 an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger. Über gute Nachrichten konnte sich Bilger dabei allerdings nicht freuen.

Björn Helmke 10.04.2019

Das Konjunkturklima in der Logistikbranche kühlt in diesem Jahr deutlich ab. Diese Nachricht überbrachten Prof. Dr. Christian Kille und AEB Geschäftsführender Direktor Markus Meißner im Auftrag der Logistikweisen an Steffen Bilger. Bilger ist als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Schirmherr des Expertenkreises, der sich Trends und Prognosen rund um die Logistik verschrieben hat.

Trotz vieler Herausforderungen 1,7 % Wachstum

Immerhin: Die Logistikweisen blieben bei ihrer im Herbst gemachten Wachstumsprognose von 1,7 % – trotz Brexit, Handelskonflikten und der Eintrübung der Konjunktur in Deutschland und den meisten EU-Staaten.
Der Brexit ist laut Kille und Meißner das prägende Thema in der Diskussion zur aktuellen Entwicklung der Logistik. Auch der Expertenkreis der Logistikweisen hat in seiner Frühjahrssitzung darüber diskutiert, welche Auswirkungen zu erwarten sind. Überraschenderweise kamen die Experten zu dem Schluss, dass der Brexit einen eher geringen Einfluss auf die Entwicklung der Logistik haben wird. Dafür haben die Unternehmen sich ausreichend früh darauf vorbereitet. Einige Unternehmen haben ihre Supply Chains angepasst oder werden dies noch tun.

Brexit: Teilweise profitieren die Logistikdienstleister sogar

Diese Veränderungen würden auch im Falle einer Einigung zwischen EU und Großbritannien Bestand haben und nicht zurückgenommen. Auch wenn ein ungeordneter Brexit gravierende Auswirkungen bringen würde, so die Meinung der Logistikweisen, werden die Zusatzaufwände in der Logistik die möglichen Volumeneinbrüche kompensieren. Wir dürfen davon ausgehen, dass die schlimmsten Beeinträchtigungen durch pragmatische Grenzabfertigungen abgefedert werden.
Insgesamt sei jedoch eine deutliche Abkühlung in der Logistik zu spüren. Nicht nur der Frühindikator Luftfracht-, sondern auch die Seefrachtmengen sinken stetig. China als ein wichtiger Handelspartner zeigt eine verhaltene bzw. sogar rückläufige Nachfrage. 

Hohe Lagerbestände in Industrie und Handel

Schon seit Sommer 2018 zeigt sich die Gesamtlage nach Ansicht der Experten schwierig, was sich in den hohen Lagerbeständen bei Industrie und Handel widerspiegelt. Nicht nur die Nachfrage in der Schlüsselbranche Automobil nimmt ab, sondern auch die nach Konsumgütern, einer wichtigen Stütze der Konjunktur. Dies bestätigen auch die Logistikunternehmen, die sinkende Transportmengen verzeichnen. Auch der Sendungsstruktureffekt in Richtung kleineren Sendungen zeigt sich nur noch punktuell. Einzig im E-Commerce verzeichneten die Logistikweisen ein deutliches Wachstum, was jedoch mit unter 10 % Anteil nur ein kleines Segment im Wirtschaftsbereich Logistik darstellt.

Kosten rücken stärker in den Fokus

Die Konsequenz ist, dass trotz steigendem Stellenwert der Logistik als Wettbewerbsfaktor, die Kosten wieder in den Fokus rücken. Es wird erwartet, dass sich die Lage bei Transport- und Lagerkapazitäten im Laufe des Jahres entspannen wird. Dies, so Kille, habe jedoch weder mit einem wachsenden Angebot noch mit den Möglichkeiten der Digitalisierung zu tun, sondern mit der Entwicklung seitens der Nachfrage. 

Eine Herausforderung bleibt das Personal bzw. die Fachkräfte, was auch zu höheren Kosten in diesem Bereich führen wird. Diese bleibt nicht nur im operativen, sondern auch in anderen Bereichen wie der IT prägend. Eine Konsequenz dabei ist auch, dass relevante Projekte aufgrund der Personalsituation nicht umgesetzt werden können, was eine Hypothek für die Zukunft bedeutet.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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