Freihandel

Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam unterzeichnet

Die Vereinbarung zwischen der EU und Vietnam sieht den Abbau von 99 % aller Zölle vor. Dabei gelten allerdings Abbaufristen von bis zu zehn Jahren. Das Abkommen liegt nun der vietnamesischen Nationalversammlung, dem Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament zur Ratifizierung vor und soll bereits Anfang 2020 in Kraft treten.

Björn Helmke 14.08.2019

Nach dreijährigen Verhandlungen haben sich Vietnam und die Europäische Union auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Der in Hanoi von Vertretern beider Seiten unterzeichnete Vertrag sieht den Abbau von 99 % der Zölle zwischen der EU und Vietnam innerhalb von 10 Jahren vor. Das EU-Parlament, der EU-Ministerrat und das vietnamesische Parlament in Hanoi müssen noch zustimmen. Experten erwarten, dass das Freihandelsabkommen Anfang 2020 in Kraft tritt. Länger wird es dauern, bis das ebenfalls abgeschlossene Investitionsschutzabkommen gültig wird. Es bedarf der Zustimmung aller EU-Staaten.

DIHK erwartet Anstieg des deutsch-vietnamesischen Handels

Im vergangenen Jahr exportierte Vietnam Waren und Dienstleistungen im Wert von über 35 Milliarden EUR in die EU. Gängigste Güter waren Kleidung, Mobiltelefone und Ersatzteile. Umgekehrt betrug der Wert der Importe aus der EU über zehn Milliarden EUR. Deutschland allein importierte für etwa zehn Milliarden EUR und exportierte für gut vier Milliarden EUR nach Vietnam. Der DIHK geht davon aus, dass das deutsch-vietnamesische Handelsvolumen innerhalb kurzer Zeit auf 20 Milliarden EUR steigen wird.

Origin & Preferences – Nutzen Sie das Potenzial des Freihandels

Origin & Preferences von AEB verwaltet die notwendigen Nachweise, hilft Ihre eigengefertigten Produkte zu kalkulieren und den Präferenzstatus von Handelswaren rechtssicher zu bewerten.

Fast alle Maschinenbauerzeugnisse werden sofort zollfrei

Vietnam verpflichtet sich im Abkommen, für 65 % der EU-Erzeugnisse den Einfuhrzoll sofort abzuschaffen. Im Laufe von zehn Jahre folgen, bis auf wenige Ausnahmen, alle weiteren Erzeugnisse (siehe auch Zeitplan Vietnam Appendix 2-A-2). Nach Recherchen der IHK Region Stuttgart können beispielsweise nahezu alle Maschinenbauerzeugnisse direkt nach Abschluss des Abkommens zollfrei nach Vietnam eingeführt werden. Die wenigen Ausnahmen folgen nach fünf Jahren. Bei den Pharmazeutika werden rund 50 % zollfrei ab Inkrafttreten des Freihandelsabkommen, der Rest folgt spätestens nach sieben Jahren. Im Bereich Kraftfahrzeuge und -teile kommt die vollständige Zollfreiheit nach zehn Jahren. 

Die EU schafft den Zoll für 84 % der vietnamesischen Ursprungswaren mit Inkrafttreten des Abkommens ab. Innerhalb von sieben Jahren werden die übrigen Zölle abgebaut sein (siehe auch Zeitplan EU Appendix 2-A-1). Für wenige landwirtschaftliche Produkte bleiben Kontingente bestehen.

Ursprungsregeln ähneln denen des APS

Eine zollfreie Einfuhr gilt nur für Erzeugnisse mit Ursprung in einer der beiden Wirtschaftsräume. Die Ursprungsregeln des Freihandelsabkommens ähneln nach Einschätzung der IHK Region Stuttgart den Regeln des Allgemeinen Präferenzsystems (APS) der EU gegenüber Entwicklungsländern und dem Handelsabkommen mit Singapur. Die Ursprungsregeln sind im Ursprungsprotokoll (Annex II, ab S. 63) festgelegt. Meist wird ein Positionswechsel auf 4-steller-Ebene für Vormaterialien ohne Ursprung oder alternativ je nach Ware eine Wertschöpfungsregel zwischen 40 und 70 % verlangt.

ASEAN-Kumulierung vorgesehen

Das Freihandelsabkommen sieht bilaterale Kumulierungsmöglichkeiten zwischen der EU und Vietnam vor. Es enthält auch die Möglichkeiten der ASEAN-Kumulierung. Das bedeutet: Es können Vorprodukte aus anderen ASEAN-Staaten Ursprungseigenschaften bekommen, sofern diese Staaten ebenfalls ein Abkommen mit der EU haben. Das trifft bisher nur auf Singapur zu.

Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 kommt zum Zug

Bis zu einem Warenwert von 6.000 EUR kann die Ursprungserklärung auf beiden Seiten von jedem Exporteur ausgestellt werden. Ab einem Warenwert von 6000 EUR ist die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 anwendbar. Ein Ermächtigten Ausführer darf diese Dokumente ebenfalls ausstellen. 

Weitere Informationen finden sich auf der Website der EU.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

Ähnliche Artikel

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen