Zollverfahren

Digitalisierung des Carnet ATA in den Startlöchern

Die Internationale Handelskammer (ICC) kündigt an, dass erste Pilotländer ab 2020 mit der digitalen Version eines Carnet ATA arbeiten werden. Das sind die geplanten Abläufe.

Kerstin Ullrich 14.08.2019

Das Papierverfahren des Carnet ATA für die vorübergehende Ausfuhr von Berufsausrüstung, Messegütern und Warenmustern wird voraussichtlich 2020 durch ein digitalisiertes Verfahren schrittweise abgelöst. Das hat die die Internationale Handelskammer (ICC) angekündigt. Erste Tests des entwickelten Mercury-II-Systems im Zeitraum vom Oktober 2018 bis März 2019 verliefen erfolgreich. 

Eines der Pilotländer ist für die Digitalisierung des Carnet ATA ist Österreich. In einem Bericht hat die Handelskammer Österreich auf die anstehende Digitalisierung hingewiesen. Weitere Länder werden folgen. 

Papierverfahren bleibt beim Carnet ATA zunächst führend

Bis das Carnet ATA Verfahren vollständig digitalisiert ist, bleibt allerdings das Papierverfahren weiterhin führend. Schließlich muss die zentrale Datenbank Mercury II nicht nur im Ausstellungsland funktionieren, sondern auch der Empfänger im Zielland braucht Zugriff darauf. Außerdem muss die Kooperation mit den jeweils zuständigen Zollverwaltungen gewährleistet werden.

Die World Customs Organisation (WCO) stellt die Abwicklung vor:

  1. Ein Unternehmen erhält über die Anwendung „ATA Carnet“ vom ICC einen Zugang und bestellt ein Carnet ATA.
  2. Ausgefüllt lädt der Inhaber das Carnet ATA  in eine sichere Umgebung und kann es ggf. seinem Vertreter mitteilen. Das Carnet wird verschlüsselt und über gesicherte Kommunikationskanäle ausgetauscht.
  3. Beim Überschreiten einer Grenze entsperrt der Inhaber oder sein Vertreter das Dokument und weist einem Zollbeamten den QR-Code vor.
  4. Dieser wird gescannt und der Zöllner prüft die allgemeine Liste der vom Carnet ATA erfassten Waren. Anschließend meldet er nach Prüfung der Waren, ob diese im Rahmen eines Verfahrens der vorübergehenden Einfuhr, Durchfuhr oder vorübergehenden Ausfuhr in das Land verbracht oder aus dem Land verbracht wurden.
  5. Diese Transaktion wird aufgezeichnet und der Inhaber oder der Vertreter erhält über sein Smartphone eine Bestätigungsnachricht.
  6. Der Zoll kann auch Forderungen über das System direkt ausstellen und diese bei den nationalen Garantieverbänden verwalten.

Ein Tutorial der ICC auf YouTube beschreibt den Verfahrensablauf.

Auch in Deutschland stehen erste Projekte zur Digitalisierung des Carnet ATA in einzelnen Bundesländern in den Startlöchern. In Baden-Württemberg haben die IHKen bereits beschlossen, das Antragsverfahren zu digitalisieren. Ab Herbst 2019 soll es dazu erste Pilotierungen geben. Die Ergebnisse fließen in eine bundeseinheitliche Lösung ein. Sobald hier nähere Informationen vorliegen, wird dies von den IHKen mitgeteilt.

Kerstin Ullrich
Über die Autorin
Kerstin Ullrich
Als es in Sachen ATLAS 2009 in die heiße Phase ging, ist sie zur AEB gekommen. Verantwortlich als Redakteurin der AEB Community für praxisrelevante Neuerungen und Kundenfragen rund um Zoll und Außenwirtschaft.

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