ESD/ISD

Brexit-Depression setzt sich fort

Die deutschen Exporte nach Großbritannien sind im 3. Quartal 2017 wertmäßig deutlich zurückgegangen. Das USA-Geschäft entwickelt sich hingegen äußerst positiv – den Drohungen von Präsident Trump zum Trotz.

Björn Helmke 08.02.2018

Das Tief des deutsch-britischen Handels hat auch im 3. Quartal 2017 angehalten. Die deutschen Unternehmen führten mit 20,7 Mrd. Euro 3,6 % weniger Waren nach Großbritannien aus als im Vorjahresquartal – betroffen sind auch deutsche Schlüsselindustrien wie Automotive, Chemie und Maschinenbau. Das geht aus dem heute veröffentlichten Export- und Importseismograf Deutschland (ESD/ISD) hervor, den das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, das auf Außenwirtschaft sowie Logistik spezialisierte Softwarehaus AEB sowie die Agentur Hocke + Partner gemeinsam herausgeben. Der Effekt auf die Transportmengen zwischen Deutschland und Großbritannien ist hingegen weniger dramatisch. Bezogen auf das Gewicht wuchsen die Warenströme in Richtung UK sogar um 1,6 % auf 4,7 Mio. t.

Britische Konjunktur- und Währungsschwäche belasten das Umfeld für deutsche Exporteure 

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Christian Kille vom IAL und dem AEB-Außenwirtschaftsexperten Dr. Ulrich Lison hat die Negativentwicklung zwei Gründe. Erstens die schwache britische Konjunktur, die seit der Ankündigung des Brexits unter der Unsicherheit von Unternehmen und Verbrauchern leidet. Zweitens das schwache britische Pfund und die relativ hohe Inflation in Großbritannien, die laut dem Herbstgutachten der EU-Kommission mit 2,7 % im Jahr 2017 deutlich über dem Wert der Eurozone (1,5 %) lag.

„Das relativ schwache britische Pfund macht für deutsche Unternehmen und Verbraucher den Kauf britischer Waren attraktiver“, nennt Kille eine weitere Auswirkung. Dies lässt sich auch im ESD/ISD ablesen. Deutschland importierte im 3. Quartal 2017 britische Waren im Wert von 9,2 Mrd. Euro – 5,3 % mehr als im Vorjahresquartal.

Insgesamt 6,6% mehr deutsche Exporte im dritten Quartal

Insgesamt war der schwächelnde Export nach Großbritannien jedoch einer von wenigen Bremsklötzen der deutschen Außenhandelslokomotive. Gemessen am Wert stiegen die deutschen Exporte gegenüber dem Vorjahrsquartal um 6,6 % auf 317 Mrd. Euro, wobei die Exportmenge mit 100,9 Mio. t stagnierte.

 Ganz im Gegensatz zum Brexit hat die Ankündigung einer America-First-Politik durch US-Präsident Donald Trump der deutschen Exportwirtschaft nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: die deutschen Exportmengen in die USA wuchsen um 18 % auf 2,5 Mio. t. Allerdings bleibt abzuwarten, wie der Außenhandel reagiert, wenn Trump seine Drohung wahrmacht und Maßnahmen zur Verteuerung von Importen ergreift.

Indirekt profitieren Deutschland und die EU übrigens von der Wirtschaftspolitik Trumps. So gelang es der EU, im Dezember ein Freihandelsabkommen mit Japan unter Dach und Fach zu bringen. Beide Seiten werteten dieses auch als Zeichen gegen den weltweit aufkommenden Protektionismus. In früheren Jahren hatte sich Japan auf die Transpazifische Partnerschaft (TPP) fokussiert, aus der die USA unter Trump trotz Unterzeichnung ausscherte.

Exportwachstum in Richtung Japan könnte Einbrüche im US-Geschäft nicht ausgleichen

Das Abkommen zwischen der EU und Japan wird frühestens 2019 in Kraft treten und die EU-Unternehmen voraussichtlich um rund eine Milliarde Euro an Zöllen entlasten. In der EU dürften die Hersteller von Arzneimitteln, Medizinprodukten, Kraftfahrzeugen, Beförderungsmitteln sowie Agrar- und Lebensmittelbranche besonders profitieren. „Ein Blick in den ESD/ISD zeigt, dass die deutsche Exportwirtschaft von dem Abkommen mit Japan keine Wunderdinge erwarten sollte. Der Wert der deutschen Exporte nach Japan lag im 3. Quartal 2017 bei 5,2 Mrd. Euro. Das sind nicht einmal 20 % des Wertes der Ausfuhren und die USA. Intensivere wirtschaftliche Verflechtungen mit Japan können weder einen Einbruch der US-Exporte noch des Handels mit Großbritannien kompensieren“, sagt Dr. Ulrich Lison.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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