Pressemitteilung

Der Erdrutsch vor dem Brexit

  • Analyse zeigt: Tonnage zwischen Deutschland und Großbritannien bricht im zweistelligen Prozentbereich ein
  • Deutsche Schlüsselindustrien wie Chemie und Fahrzeugbau stark betroffen
  • Derzeitiger Transportboom zwischen der Rest-EU und Großbritannien dient dem Lageraufbau

Stuttgart, 30. April 2019 – Viele Politiker und Wirtschaftsfachleute haben vor einem Einbruch des Handels zwischen Deutschland und Großbritannien für den Fall eines EU-Austritts gewarnt. Wovor kaum gewarnt wurde war, dass der Einbruch schon vor dem Brexit kommen könnte. Doch genau das ist eingetreten. Das zeigt der Import- und Export-Seismograph (ESD/ISD), den das auf Außenwirtschaft und Logistik spezialisierte Softwarehaus AEB gemeinsam mit dem Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt herausgibt.

Die Zahlen sind dramatisch: Im Jahr 2018 sanken die deutschen Exporte nach Großbritannien um 11,4 % auf 16,5 Mio. t. Die Importe sanken sogar um 15,4 % auf 14,7 Mio. t. „Ein wesentlicher Treiber der hohen Rückgänge im Import waren Einbrüche bei Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas“, erläutert Prof. Christian Kille vom IAL. „Doch auch die Schlüsselindustrien mit hoher Wertschöpfung weisen einen deutlichen Rückgang auf. Großbritannien spürt schon jetzt die Folgen der Brexit-Entscheidung, ohne dass der Brexit umgesetzt wurde.“ Sowohl in der Chemie- als auch in der Pharmabranche weisen die Im- und Exporte hohe Verluste auf – ohne dass bisher die Zollschranken gefallen sind. Auch in der bisher eng miteinander verflochtenen Fahrzeug- und Zuliefererbranche sind in beide Richtungen Verluste im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Die deutschen Importe aus Großbritannien sanken in der Automotivebranche um 12,1 % auf 430.000 t, die Exporte um 11,4 % auf 1,73 Mio. t.

Großbritannien vom Wachstum in der EU abgekoppelt

„Unternehmen können es sich nicht leisten, auf den Ausgang des Brexit-Pokers zu warten. Sie haben ihre Entscheidungen bereits getroffen und gehandelt“, erklärt AEB-Zollexperte Dr. Ulrich Lison den „Brexit vor dem Brexit“. In anderen Branchen steht der große Knall wohl noch bevor. „Insbesondere in der preissensiblen Lebensmittelbranche werden Zölle zu merklichen Veränderungen führen“, warnt Lison. Der derzeitige Transportboom zwischen der EU und der britischen Insel, wie ihn das Transportmarktbarometer der Frachtenbörse Timocom meldet, dient vor allem dem Aufbau von Lagerbeständen als Vorsichtsmaßnahme für den Fall eines harten Brexits, sind sich Kille und Lison einig.
Die Dramatik des Einbruchs im Großbritannien-Handel wird erst im vollen Umfang deutlich, wenn man ihm die Entwicklung des Handels mit allen EU-Staaten (also inklusive Großbritanniens) gegenüberstellt. Im Jahr 2018 stiegen die deutschen Exporte in alle EU-Staaten um 2,1 % auf 322 Mio. t. und die Importe um 3,1 % auf 349 Mio. t. Großbritannien hat sich von dieser soliden Entwicklung erst einmal abgekoppelt. Noch deutlicher wird dies bei einer Langfristbetrachtung der Außenhandelswerte von 2015 bis 2018. Die deutschen Ausfuhren in die anderen EU-Staaten stiegen in dieser Zeit um 12 % und die Einfuhren sogar um 15 %. Die Ausfuhren nach Großbritannien sanken im gleichen Zeitraum um 8 % und die Einfuhren um 4 %.

Tipp an die Redaktionen: Weiteres exklusives Zahlenmaterial – auch zu anderen Handelspartnern und Branchen – finden Sie in den beigefügten Grafiken.

Pressekontakt:

  • Prof. Dr. Christian Kille
    Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Institut für Angewandte Logistik IAL
    Tel. + 49 (0)151 1123 1233
    christian.kille@fhws.de

Über den ESD/ISD

Der Export- und Importseismograf Deutschland (ESD/ISD) erscheint zweimal im Jahr und beleuchtet die Außenhandelsströme von und nach Deutschland. Er wird gemeinsam von dem Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaft Würzburg-Schweinfurt, dem Softwareunternehmen AEB und den Kommunikationsberatern Hocke + Partner herausgegeben. Fachlicher Kopf des Projektes ist Prof. Dr. Christian Kille. Der ESD/ISD erschien erstmals im Oktober 2010. Die Auswertungen beruhen u. a. auf Daten des Statistischen Bundesamtes.

Über AEB

(www.aeb.com)

Seit mehr als 39 Jahren unterstützt die AEB SE mit ihrer Software die Logistik- und Außenwirtschaftsprozesse von Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Mehr als 5.000 Kunden aus über 35 Ländern nutzen die Lösungen beispielsweise für das Transport- und Lagermanagement, die Import- und Exportabwicklung sowie das Präferenzmanagement. Sie profitieren von höherer Effizienz, Rechtssicherheit und Transparenz – auch international. Möglich machen dies beispielsweise automatisierte Zoll- und Embargoprüfungen, die verbesserte Zusammenarbeit mit Partnern in der Lieferkette sowie automatisierte Versandprozesse. Das AEB-Portfolio reicht von schnell einsetzbaren Online-Lösungen bis hin zur umfassenden Logistiksoftware.

AEB hat ihren Hauptsitz sowie eigene Rechenzentren in Stuttgart und deutsche Standorte in Hamburg, Düsseldorf, München, Soest, Mainz und Lübeck. International vertreten ist AEB in Großbritannien (Leamington Spa), Singapur, in der Schweiz (Zürich), Schweden (Malmö), in den Niederlanden (Rotterdam), in Tschechien (Prag), Frankreich (Paris) und in den USA.

Über das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaften
Würzburg-Schweinfurt

Das IAL ist als Forschungsinstitut eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und wurde am 01.10.2006 gegründet. Das Institut hat wie die FHWS Standorte in Würzburg und Schweinfurt. Das IAL bündelt interdisziplinär alle Forschungsaktivitäten der Hochschule Würzburg-Schweinfurt im Bereich Logistik.

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