Sanktionslistenprüfung

„Wir können mittelbare Bereitstellungsverbote aufdecken“

Wie können sich Unternehmen optimal gegen Compliance-Risiken absichern? AEB-Produktmanagerin Nicole Mantei spricht im Interview über die Tücken mittelbarer Bereitstellungsverbote undneue weltweite Content-Angebote durch die Zusammenarbeit mit Dow Jones.

Mike Towle 10.07.2019

Warum suchte AEB überhaupt nach einem Content-Partner für ihre Compliance-Plattform?

Wir stellten bei AEB bislang eine Reihe von Sanktionslisten zur Verfügung, die hauptsächlich die Anforderungen der EU und der USA abdecken sowie einige internationale Listen, beispielsweise der UNO oder der Weltbank. Wir wollten jedoch in der Lage sein, Inhalte für alle Länder zur Verfügung zu stellen, um z. B. auch Unternehmen mit Werken in China oder Brasilien zu bedienen. Der Hauptfokus und die Stärke von AEB ist Software und nicht Content. Deshalb haben wir uns entschieden, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der über umfangreichen und zuverlässigen Content verfügt und eine globale Abdeckung bietet. Diesen Partner haben wir mit Dow Jones Risk & Compliance gefunden.

Warum wollte AEB mit Dow Jones zusammenarbeiten?

Wir sind überzeugt, dass die beste Software in Kombination mit dem besten Content die beste Lösung zur Sicherstellung der Compliance bietet. Dow Jones ist DER vertrauenswürdige Anbieter von Compliance-&-Risk-Content und verfügt über langjährige Erfahrung als eine der weltweit führenden Nachrichtenorganisationen. Und wir bei AEB haben weltweit mehr als 1.500 Kunden, die sich derzeit auf unsere Compliance-Screening-Lösung verlassen.

Wie arbeiten AEB und Dow Jones zusammen?

AEB ist Content Integration Partner. Dow Jones stellt täglich aktualisierte Content-Pakete auf seinen Servern zur Verfügung. Die AEB-Software lädt diese Inhalte jede Nacht automatisch herunter und stellt dabei sicher, dass die Datenprüfungen für unsere Partner, Kunden und Auftraggeber immer auf dem neuesten Stand sind. Wir sind überzeugt davon, dass unsere Partnerschaft mit Dow Jones dies sicherstellt

Viele Unternehmen prüfen gegen die typischen Sanktionslisten der USA und der EU, die von der BIS und der EU empfohlen werden. Wozu brauchen sie zusätzlich den Dow-Jones-Content?

Die Prüfung gegen Sanktionslisten ist gut, aber es gibt eine Lücke. Üblicherweise legen Sanktionsbestimmungen und Regulierungsbehörden fest, dass auch Organisationen, die sich „im Besitz oder unter der Kontrolle“ von Personen und Unternehmen auf Sanktionslisten befinden, sanktioniert werden. Das sind die berühmten mittelbaren Bereitstellungsverbote.

Wie sind mittelbare Bereitstellungsverbote rechtlich definiert?

Die europäischen und US-amerikanischen Richtlinien sind in Bezug auf mittelbare Bereitstellungsverbote sehr spezifisch: die EU sanktioniert auch Organisationen im Mehrheitseigentum einer sanktionierten Partei, die USA sanktionieren, wenn 50 % oder mehr Eigentum einer oder mehrerer sanktionierter Parteien sind. Um sich über die Eigentumsstrukturen zu informieren und festzustellen, ob einer der Eigentümer auf einer Sanktionsliste steht, führen viele Unternehmen eine manuelle Recherche im Handelsregister durch.  

Wie können AEB und Dow Jones da weiterhelfen?

Dieser manuelle und häufig fehleranfällige Arbeitsaufwand kann durch den Einsatz von SOR (Sanctions Ownership Research) von Dow Jones vermieden werden. Die SOR-Daten von Dow Jones Risk & Compliance umfassen Unternehmen, die sich im Besitz oder unter der Kontrolle von natürlichen oder juristischen Personen, Ländern oder Regionen befinden und vom U.S. Department of the Treasury's Office of Foreign Assets Control (OFAC) und/oder der Europäischen Union sanktioniert werden. Die Wahrscheinlichkeit, Geschäftspartner zu identifizieren, die mit einem mittelbaren Bereitstellungsverbot sanktioniert worden sind, wird durch den Einsatz dieser Liste von Dow Jones deutlich höher.

Deckt Dow Jones nur Sanktionslisten für die USA und die EU ab?

Viele Unternehmen haben Büros und Werke auf der ganzen Welt. Zusammen mit Dow Jones kann AEB alle erforderlichen Listen in allen Ländern abdecken, in denen Unternehmen Tochtergesellschaften haben oder aus denen sie exportieren. Dadurch können sie die einschlägigen Gesetze aller relevanten Länder einhalten. (Klicken Sie hier für eine Online-Demo.)

Was kommt als nächstes? Hat sich das Thema Compliance seit dem 11. September 2001 und der wachsenden Bedrohung durch den globalen Terrorismus weiterentwickelt?

Unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September stieg die Anzahl der Sanktionslisten sprunghaft an und die Implementierung von Software zur Automatisierung von Namensprüfungen wurde unvermeidbar. Wir verfügen jetzt über eine Risk-Assessment-Software der nächsten Generation, die die klassischen Sanktionslisten beinhaltet, aber weit darüber hinausgeht. 

Modernes Compliance & Risk Management berücksichtigt auch Themen wie Geldwäsche, Bestechung und Korruption. Es gibt auch Risiken in der Supply Chain, die nicht unbedingt durch Sanktionsbestimmungen verboten sind, aber das Geschäft und die Reputation eines Unternehmens negativ beeinflussen würden. So ist es heute beispielsweise eine bewährte Vorgehensweise, bereits in der Phase des ersten Kundenkontakts auf Warnsignale, sogenannte „Red Flags“ zu reagieren.

Die Systeme müssen sicherstellen, dass kritische Daten über einen neuen Kunden in die Exportkontrolle einfließen. Unternehmen müssen auch eine Due-Diligence-Prüfung für neue Geschäftspartner durchführen – sowohl für Kunden als auch Lieferanten oder Partner.

An dieser Stelle kommt Dow Jones ins Spiel. Die bereitgestellten Risikodatenpakete helfen Unternehmen, mögliche Risiken aufzudecken, indem sie umfassende Datenbanken zu politisch exponierten Personen (PEPs), staatlichen Unternehmen und Negativberichterstattung zusammenstellen. Mit einer einzigen Lösung werden so die Anforderungen der Trade Compliance wie Sanktionslisten und der Business Compliance abgedeckt.

Welche Best Practices gibt es, um sichere Prozesse zu erreichen? Viele Unternehmen führen zahlreiche manuelle Compliance-Checks oder monatliche Dateiprüfungen durch. Wie kann diese Prüfung automatisiert und idealerweise in Echtzeit durchgeführt werden?

Sichere Prozesse können durch die Automatisierung und Integration von Screening-Lösungen in CRM- und ERP-Systeme der Unternehmen erreicht werden. Jeder manuelle Schritt, der eine Schulung von Mitarbeitern, Organisationsrichtlinien usw. erfordert, kostet wertvolle Zeit und funktioniert nur, wenn kontinuierliche Kontrollen und Audits durchgeführt werden. 

Mit AEB Compliance Screening können Unternehmen sowohl gegen Sanktionslisten als auch gegen Dow-Jones-Content direkt aus ihrem CRM und ERP heraus prüfen. Dies kann durch eine Schnittstellenprogrammierung erreicht werden, die AEB bereits als Standard-Software-Plug-in z. B. für Salesforce® und SAP® (ECC 6.0 sowie S/4HANA®) umgesetzt hat. 

So können Unternehmen ohne Programmieraufwand Prüfungen direkt in SAP® oder Salesforce® durchführen und Treffer bearbeiten. AEB Compliance Screening ist eine der wenigen Softwarelösungen, die eine Prüfung gegen Dow Jones direkt aus Salesforce® als Plug-and-Play-Lösung ermöglicht.

Wie kann sich ein zuverlässiges Compliance-Programm auf das Unternehmensergebnis auswirken?

Ich bekomme oft Anfragen von Unternehmen, die Geschäfte in Russland oder China machen. Deren Mitarbeiter müssen in mühsamer Fleißarbeit Recherchen über potenzielle Kunden oder Geschäftspartner anstellen, um herauszufinden, ob diese im Besitz oder unter der Kontrolle einer sanktionierten Partei sind. 

Diese schwierige manuelle Aufgabe kann leicht sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Kosten dafür werden durch den Einsatz einer Plattform wie unserer eingespart. Unsere Partner wie Dow Jones stellen den Unternehmen die benötigten Informationen zur Verfügung, ohne die Gefahr, dass Dinge übersehen werden und Fehlern geschehen. 

Was ist mit der Sicherheit? Können Unternehmen Dow-Jones-Inhalte nutzen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Daten das Unternehmensnetzwerk verlassen?

Wenn sie den Dow-Jones-Content mit AEB-Software prüfen, ist die Antwort ein klares Ja. Es gibt zwei Möglichkeiten: Wenn Unternehmen die Screening-Software on-premise installieren und verwenden möchten, bleiben ihre Daten innerhalb ihrer Firewall. 

Die AEB-Software lädt lediglich die Daten täglich von Dow Jones direkt und automatisch herunter. Wenn Unternehmen stattdessen die Screening-Software im zertifizierten und sicheren AEB-Rechenzentrum in Deutschland verwenden, funktioniert es genauso. Wir senden deren Daten nicht zur Überprüfung an Dow Jones, sondern laden die Inhalte von Dow Jones in unser Rechenzentrum herunter und gewährleisten so die Sicherheit der Daten.

Zur Person:

Nicole Mantei studierte Mathematik an der Universität Stuttgart. Sie kam 2004 als Entwicklerin für die Software-Basis zu AEB und arbeitete anschließend im Bereich Trade-Compliance-Software. Ab 2006 leitete sie ein Produktteam mit den Schwerpunkten Außenwirtschaft und SAP-Entwicklung, bevor sie 2009 ihre aktuelle Rolle als Produktmanagerin für Trade-Compliance-Management-Lösungen übernahm.

Mike Towle
Über den Autor
Mike Towle
Mike Towle ist seit mehr als drei Jahrzehnten in der Content-Erstellung tätig. Als ehemaliger Reporter hat er bei vielen internationalen Medien gearbeitet – in Digital, Print und Video. Er ist bestrebt, den besten Weg zu finden, jede Geschichte so zu erzählen und zu veröffentlichen, dass sie das perfekte Publikum findet.

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