Interview

„Fairness in den Supply Chains sollte gesetzlich verankert werden.“

Gründer Jonathan Funke wirbt für mehr Fairness in der globalen Supply Chain. Im Interview erklärt er, wie er mit Engagement, Technologie und einer guten Idee nichts Geringeres erreichen will, als die Welt zu verbessern.

Franziska Widmaier 11.09.2018

AEB: Was bedeutet Fairness in der Lieferkette für dich?

Jonathan Funke: Eine faire Lieferkette bedeutet für mich, dass sich alle Parteien auf Augenhöhe begegnen. Also sowohl das produzierende Unternehmen, als auch die Menschen, die ein Produkt erschaffen und auch die Konsumenten. Es geht darum, dass Unternehmen nicht versuchen ihren Kunden etwas vorzugaukeln, sondern, dass Kunden wirklich die Menschen hinter einem Produkt kennenlernen.

Wie fair oder unfair sind Lieferketten heute im Vergleich zu vor fünf Jahren?

Ich glaube, die meisten Lieferketten sind immer noch so unfair wie vor fünf Jahren. Aber das Bewusstsein hat sich verändert – sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Unternehmen. Immer mehr Konsumenten entscheiden sich beim Einkauf bewusst für fair hergestellte Produkte. Allerdings fehlt es Unternehmen häufig noch an einfachen Mitteln, um mehr Fairness in die Supply Chains zu bringen. Unsere Mission für tip me ist es, hier eine einfache Lösung zu bieten, damit Fairness keine Nische bleibt.

Brauchen wir neue Regeln oder Gesetze, um mehr Fairness in die Supply Chains zu bringen?

Generell ist das Bewusstsein für das Thema bei allen Unternehmen vorhanden, aber ich sehe im Moment drei unterschiedliche Arten, wie Unternehmen damit umgehen: Einige wollen aus eigener Überzeugung mehr Fairness, andere machen es für Marketing-Zwecke und wieder andere, versuchen sich um das Thema zu drücken. Ich glaube, wir  müssen in den nächsten fünf Jahren zeigen, was möglich ist. Nämlich, dass Fairness in den Supply Chains wirklich umgesetzt werden kann. Denn heute stehen uns mit der  Blockchain-Technologie und einer nie dagewesenen Handydichte in Afrika, Lateinamerika und Asien völlig neue Möglichkeiten offen. In dem Moment, in dem wir es geschafft haben, dadurch mehr Fairness herzustellen, sollte das auch in irgendeiner Form gesetzlich  verankert werden. Denn wenn die Möglichkeit da ist, ist auch die Verpflichtung da.

Du beschäftigst dich ja auch stark mit dem Trendthema Blockchain. Wie kann diese Technologie die Lieferketten der Zukunft verändern? 

Was wir aktuell schon sehen, ist, dass Blockchains dazu beitragen, Dinge beweisbar zu machen. Das heißt, Konsumenten müssen nicht mehr darauf vertrauen, dass Produkte fair und konfliktfrei hergestellt oder nachhaltig angebaut werden, sondern sie können es  einfach nachschauen. Sie bekommen dadurch auch die Sicherheit, dass ihr Geld dort ankommt, wo es hingehört. Das ist schon ein sehr großer Fortschritt, der dabei helfen wird, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es wird nachvollziehbar, wer wirkliche Nachhaltigkeit lebt und wer nicht. Hier Transparenz zu schaffen, das sehe ich auch als Teil unserer Mission mit tip me.

Über die Autorin
Franziska Widmaier
Franziska Widmaier ist Redakteurin und im Bereich Corporate Communications tätig. Als #twitterperle betreut sie außerdem die Social-Media-Kanäle bei AEB. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit 2013 bei AEB und schreibt am liebsten über die neuesten Trends in Logistik und IT.

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