Analyse

USA-Zölle: Trumps stiller Sieg im Handelskonflikt mit Deutschland

US-Präsident Donald Trump ist seinem wirtschaftspolitischen Ziel, das Handelsbilanzdefizit gegenüber Deutschland abzubauen, auch ohne Strafzölle (USA-Zölle) ein gutes Stück nähergekommen.

Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die US-Exporte nach Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,3 % auf 35 Mrd. Euro. In der Gegenrichtung erreichte Deutschland nur ein Exportplus von 4,3 % bei einem Exportwert von 58 Mrd. Euro. 

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei der Mengenbilanz. Die USA exportierte Güter mit einem Gewicht von 10,7 Mio. t nach Deutschland. Das sind 12 % mehr als im 1. Halbjahr 2018. Die deutschen Exporte in die USA gingen demgegenüber mengenmäßig um 1,3 % auf 4,8 Mio. t zurück. Das ergibt sich aus dem Export- und Importseismographen Deutschland (ESD/ISD), den das auf Außenwirtschaft und Logistik spezialisierte Softwarehaus AEB gemeinsam mit dem Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt herausgibt. Der ESD/ISD basiert auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Auch ohne massive neue USA-Zölle: Trumps Wählerklientel profitiert vom Exportboom im Agrarbereich

Die Einzelbetrachtung nach Gütergruppen zeigt, dass nicht zuletzt die Wählerklientel Trumps – beispielsweise Farmer und Energiebranche – von dem Exportboom nach Deutschland kräftig profitiert hat – auch ohne die Einführung massiver neuer USA-Zölle. Mengenmäßig betrachtet stiegen die US-Ausfuhren von Landwirtschaftsgütern in die Bundesrepublik im ersten Halbjahr um 50 %, von Lebensmitteln sogar um 84,8 %. Erdöl und Erdgas legten um 64 % zu. 

„Die Entwicklung der Exporte könnte ein Grund dafür sein, dass Präsident Trump im Handelskonflikt mit Deutschland mit wenigen Ausnahmen auf Drohungen statt auf Restriktionen gesetzt hat, während beispielsweise der US-Handelskonflikt mit China eskaliert ist“, sagt Prof. Christian Kille vom IAL.

Bildergalerie: Die Analyse im Detail


Weitgehende Zurückhaltung im Handelskonflikt in Sachen USA-Zölle begünstigt Positiventwicklung

„Bis vor kurzen hatte die USA gegen Deutschland und die anderen EU-Staaten lediglich Schutzzölle auf Stahl und Aluminium verhängt. Die EU reagierte darauf mit eher vorsichtigen Strafzöllen beispielsweise auf US-Motorräder, Jeans und Spirituosen. Diese zurückhaltenden Maßnahmen hatte keinen erkennbaren Einfluss auf die Entwicklung der US-Exporte“, sagt AEB-Außenwirtschaftsexperte Dr. Ulrich Lison. Wie die erst im Oktober wegen Staatshilfen für Airbus verhängten USA-Zölle gegen die EU auf den Handel auswirken, lässt sich frühestens in einem halben Jahr sagen.

Exporte in deutschen Schlüsselindustrien hängen durch

Insgesamt ist die deutsche Exportwirtschaft im ersten Halbjahr 2019 aus dem Tritt gekommen. Gemessen am Wert stiegen die Exporte im Vorjahresvergleich nur noch um 0,5 % auf 666 Mrd. Euro. Gemessen an der Menge ist ein Plus von 1,1 % und eine Exporttonnage von 216. Mio. Euro zu verzeichnen. Nennenswertes Mengenwachstum gab es nur in die anderen EU-Staaten, mit China (dem wichtigsten Handelspartner außerhalb der EU) sowie Indien. 

Besonders heftige Einbrüche gab es im Export in die Türkei (-14,0 %) sowie nach Russland (-4,9 %). Sorgen bereiten vor allen die wichtigsten deutschen Industriebranchen: Die Exportmengen der Chemie- und Pharmabranche sind um 3,4 % gesunken, der Rückgang der Automobilbranche lag bei 8,7 % und der im Maschinenbau bei 3,8 %.

Was ist der Export- / Importseismograph Deutschland?

Der Export- und Importseismograf Deutschland (ESD/ISD) erscheint zweimal im Jahr und beleuchtet die Außenhandelsströme von und nach Deutschland. Er wird gemeinsam von dem Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaft Würzburg-Schweinfurt, dem Softwareunternehmen AEB und den Kommunikationsberatern Hocke + Partner herausgegeben. Fachlicher Kopf des Projektes ist Prof. Dr. Christian Kille. Der ESD/ISD erschien erstmals im Oktober 2010. Die Auswertungen beruhen u. a. auf Daten des Statistischen Bundesamtes.


Informationen für Journalisten:


Ansprechpartner AEB:

Jens Verstaen
Corporate Communications
Tel. +49 (0)89 -1490267-16
Jens.Verstaen@aeb.com

Ansprechpartner Hochschule Würzburg

Prof. Dr. Christian Kille
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Institut für Angewandte Logistik
christian.kille@fhws.de

Über das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Das IAL ist als Forschungsinstitut eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und wurde am 01.10.2006 gegründet. Das Institut hat wie die FHWS Standorte in Würzburg und Schweinfurt. Das IAL bündelt interdisziplinär alle Forschungsaktivitäten der Hochschule Würzburg-Schweinfurt im Bereich Logistik.

Ähnliche Artikel

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen