Covid-19

Lieferengpässe durch Corona: Wer trägt die Kosten?

Flugverbindungen eingestellt, Containerschiffe stecken in Häfen fest, Exportverbote werden erlassen: Die Folgen im Warenverkehr sind Lieferengpässe und explodierende Frachtpreise. Wer kommt dafür auf? Und was gibt es in Sachen Corona & Logistik noch zu beachten? Eine Bestandsaufnahme.

 

Corona-Virus und Logistik: aktuelle Meldungen

Frachtkosten erhöhen sich

Die Reederei Maersk gab bereits einen schwachen Jahresstart aufgrund geschlossener Fabriken in China bekannt. Doch während Seefracht nicht geladen wird, bricht über die Hälfte des verfügbaren Frachtraums im Luftverkehr weg. Durch die aktuelle Streichung sämtlicher Passagierflüge der Lufthansa und weiterer Airlines nach China entfallen die Bellykapazitäten (Fracht im Passagierflugzeug). Nach Angaben des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) können deutsche Spediteure derzeit die Einschränkungen durch Umbuchungen und Neudispositionen der Luftfracht noch teilweise ausgleichen, allerdings zu höheren Frachtkosten für den Verlader.

Wer trägt die Kosten?

Grundsätzlich sind zunächst die Verträge zu prüfen, die mit dem Geschäftspartner abgeschlossen wurden. Üblicherweise wird im internationalen Recht eine Regel zur Höheren Gewalt aufgenommen (Force-Majeure-Klausel). Epidemien sind häufig unter dem Stichwort Krankheiten oder Seuchen inkludiert. Diese Klauseln regeln dann auch die Rechtsfolgen und Verhaltenspflichten. Zu den Pflichten können Bekanntmachungen gehören oder Fristen der Inanspruchnahme. 

In jedem Fall sollten sich die Vertragspartner frühzeitig kontaktieren und zu den Lieferverzögerungen austauschen. Werden Maßnahmen zur Schadensminimierung getroffen, sollten diese außerdem sorgfältig dokumentiert werden. 

Zur rechtlichen Beurteilung entstandener Zusatzkosten stellt der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) klar: Verwendet ein Unternehmen mit dem Spediteur die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp) als Regelwerk, können sich Spediteure in diesem Fall auf Höhere Gewalt berufen. Sofern der Spediteur zur ordnungsgemäßen Ausführung seiner Vertragspflichten entstehende, zusätzliche Aufwendungen nicht vermeiden kann, sind diese dann von dem beauftragenden Unternehmen zu tragen. Vor allem im Seeschiffsverkehr anfallende so genannte Detention-, Demurrage- und Storage-Charges, also Kosten für die Verzögerung der Seefracht, wird der Spediteur an den Auftraggeber weiterberechnen.

Infektion über importierte Waren unwahrscheinlich

Eine Infektion mit dem Coronavirus über importierte Waren schätzt das Robert Koch-Institut als sehr unwahrscheinlich ein. Dieses Szenario setzt voraus, dass im Vorfeld eine Kontamination stattgefunden habe und das Virus nach dem weiten Transportweg noch aktiv sein müsste. Die Überlebenschancen des Virus scheinen während des Transports auf Gegenständen gering zu sein. 

Vorerst keine Mitarbeiter nach China entsenden

Auslandsreisen nach China sollten verschoben werden – zumindest in die gefährdeten Provinzen. Die chinesischen Behörden haben seit 23. Januar 2020 für Wuhan und andere Städte der Provinz Hubei Reisebeschränkungen erlassen. Eine Ausreise mit Zug, Flug, Bus, Fähre oder Auto ist dort nicht möglich. Auch andere Provinzen Chinas haben Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit unterschiedlichen Ausmaßes verhängt, insbesondere in der Provinz Zhejiang. Allgemein ist derzeit mit erheblichen Einschränkungen der Mobilität innerhalb Chinas zu rechnen. Bei Ein- und Ausreise wie auch bei Reisen im Land sind Fieberkontrollen möglich; bei Symptomen ist mit Quarantänemaßnahmen zu rechnen.

Seminare: Zoll & Außenhandel auf den Punkt gebracht

Fachwissen und Best Practices: In AEB-Seminaren und kostenlosen Schnupperkursen fassen erfahrene Dozenten komplexe Themen verständlich zusammen. Online und vor Ort. Außerdem können Sie unsere Trainer für individuelle Online-Schulungen buchen.

Weitere Artikel zu diesem Thema

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen