Brexit

Binnenmarkt ohne Briten: die Folgen

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat gesprochen. Die Briten streben einen harten Brexit an – und nehmen somit den Abschied aus dem EU-Binnenmarkt in Kauf. Worauf sich EU-Unternehmen einstellen sollten.

Ein Austritt aus dem EU-Binnenmarkt hätte sowohl für die in der EU verbleibenden Staaten als auch für Großbritannien spürbare Folgen. Der Handel würde sich für beide Seiten verkomplizieren. Schlimmstenfalls würden in Großbritannien bis zum Ende des Jahrzehnts rund 950.000 Arbeitsplätze vernichtet, schätzt der Arbeitgeberverband CBI. Die wirtschaftlichen Kosten des Brexit könnten bis zu 100 Milliarden Pfund (knapp 130 Milliarden Euro) erreichen. Nach Erkenntnissen der OECD wird der Brexit jeden britischen Haushalt zukünftig mit bis zu 5.000 Pfund belasten.

Harter Brexit: Was bedeutet das für Unternehmen?

  • Auf beiden Seiten werden Zollschranken eingeführt. Laut einer Analyse des Londoner Thinktanks Civitas könnten die Zölle für britische Exporte in die EU durchschnittlich bei etwa 4,5 % liegen – bei einer hohen Varianz. Rund 15.000 Produkte wären von Zöllen betroffen.
  • Viele Regeln aus der EU-Zeit könnten in Großbritannien auch nach dem Brexit zunächst fortgelten. Aber auf lange Sicht ist von einer Deharmonisierung auszugehen.
  • Die Ökonomen gehen von einer deutlichen Abwertung des britischen Pfundes aus. „Großbritannien benötigt allerdings ein schwächeres Pfund, vor allem wenn es tatsächlich seine Industrie modernisieren und trotz Zöllen in einem der größten Märkte der Welt wettbewerbsfähig bleiben will. Deshalb ist die aktuelle Stärke des Pfundes als nicht nachhaltig anzusehen und die Volatilität wird zunehmen“, sagt Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG. Das macht Exporte aus dem Euroraum teurer und Einfuhren aus Großbritannien billiger. 
  • Auch Investitionen in Großbritannien würden sich verbilligen, wie die Beratungsgesellschaft KPMG anmerkt. Womöglich – so die KPMG-Experten – ließe sich durch Unternehmenskäufe oder dem Ausbau von Produktionsstätten der britische Markt in Zukunft kostengünstiger bedienen als aus der EU heraus.
  • Die Arbeitnehmerfreizügigkeit wird das erste Opfer des Brexits. Arbeitnehmer aus der EU brauchen dann eine Arbeitserlaubnis für Großbritannien – und umgekehrt.

Ringen um Freihandelsabkommen mit Großbritannien

Bereits vor dem eigentlichen Brexit könnten Gespräche zwischen London und Brüssel für ein Freihandelsabkommen beginnen, die sich voraussichtlich über Jahre hinwegziehen werden. Beispiel: Das Freihandelsabkommen mit Kanada (CETA) wurde sieben Jahre lang verhandelt. 

Auf den ersten Blick hat die EU eine bessere Verhandlungsposition als die Briten: Während 44 % der britischen Exporte 2014 in andere EU-Staaten gingen, entfielen umgekehrt nur rund 8 % der gesamten Exporte der anderen EU-Mitglieder auf Großbritannien. Ein weiteres Hindernis für einen schnellen Abschluss: Die EU muss darauf achten, die Briten nicht zu einem Präzedenzfall für weitere austrittsbereite EU-Mitglieder zu machen. Sie wird eine harte Verhandlungslinie fahren. 

„Good News“ für alle AEB-Kunden: Über das Zusammenspiel von AEB mit unserer britischen Tochtergesellschaft AEB (International) Ltd. werden wir die weitere Entwicklung eng begleiten und die Erkenntnisse in unsere Produkt- und Serviceentwicklung einfließen lassen. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gern an uns: redaktion@aeb.com

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