Interview

Migration auf SAP S/4HANA®: So gelingt die Umstellung

SAP S/4HANA bietet viele Innovationen, weist aber speziell im Außenhandel noch Lücken auf. Wie Umstellung und Migration trotzdem gelingen, erläutert AEB-Experte Markus Strohm im Interview und in Demo-Videos.

AnachB: Ohne Mehrkosten ist jetzt Zeit bis 2027 für die Umstellung auf SAP S/4HANA®. Lohnt es sich für die Migration abzuwarten, welche Neuerungen die weiteren Releases beinhalten?

Markus Strohm: Im Gegenteil. Die DSAG hat in einer ersten Reaktion empfohlen, die gewonnene Zeit umgehend zu nutzen. Schließlich ist die Migration zu SAP S/4HANA® mehr als ein IT-Projekt. Unternehmen haben durch die verlängerte Wartungsphase die Chance, bei der Umstellung bestehende Prozesse zu prüfen und anzupassen. Für solche Veränderungen fehlt oft die Zeit – mit Blick auf die Migration zu S/4HANA ist sie jetzt vorhanden. 

Wofür genau sollten Unternehmen die zusätzliche Zeit bei der Umstellung auf S/4HANA nutzen?

Ganz klar: Um rechtzeitig zu planen und die Migration zu einem gemeinsamen Projekt von IT und Fachbereichen zu machen. Ein Teilnehmer eines unserer Online-Meet-ups hat einen Greenfield-Ansatz beschrieben und berichtet, dass aus jedem Fachbereich eine Person involviert ist – als Process Owner und Sprachrohr zu den Anwendern während der Umstellung.

Seine Erfahrung: Auch langjährige User schlagen in diesem Kontext gerne Änderungen vor. Entscheidend ist, dass die Fachbereiche sich bei der Migration abgeholt fühlen. Ihre frühe und intensive Einbindung in die Umstellung auf SAP S/4HANA® ist aus meiner Sicht ein Schlüssel für eine erfolgreiche Migration. Darüber hinaus lautet die Maxime: Innovation vor Transformation.

Mehr Zeit für die Umstellung auf SAP S/4HANA®

  • 31.12.2027
    Ende der kostenlosen Mainstream-Wartung

  • 2028 bis 2030
    Extended Maintenance für den Support in einer längeren Umstellungsphase: Aufschlag von zwei Prozent auf die bestehende Wartungsbasis

  • ab 2028
    Customer Specific Maintenance zur Lösung bereits bekannter Probleme bei unveränderten Gebühren. Kein Ablaufdatum definiert.

"Vor der Migration auf S/4HANA die richtigen Fragen stellen" 

AEB-Experte Markus Strohm


Was ist damit gemeint?

Innovationen sollten vor der Migration zu SAP S/4HANA® erfolgen – weil danach oftmals wohl kein Budget und keine Ressourcen mehr vorhanden sein dürften für die Innovation. Mit Blick auf Eigenentwicklungen halte ich es aber mit der SAP®: Simplifizierung ist gefragt. Schließlich erhöht sich die Veränderungsgeschwindigkeit immer mehr. Der Brexit, neue Freihandelsabkommen und Embargolisten sind im Bereich Außenwirtschaft nur einige Beispiele. 

Ist eine komplexe Modifikation des SAP-Standards nach der Migration weiterhin die richtige Antwort? 

Viele Unternehmen haben beispielsweise die Präferenzabwicklung in SAP® ERP durch Eigenentwicklungen implementiert. Vor der Umstellung auf SAP S/4HANA® gilt es zu hinterfragen: Lohnt es sich, dieses Z-Coding mit in die neue SAP S/4HANA® Welt zu nehmen? Immerhin muss jede einzelne Erweiterung an die neuen Daten- und Tabellen-Strukturen angepasst werden. Wenn S/4HANA nach der Migration wirklich vieles flexibler machen soll, funktioniert das nur, wenn der neue SAP-Standard einen soliden Kern bildet, den die IT so wenig wie möglich anfassen muss. 

Vor der Migration: Materialstamm in SAP ERP®
Vor der Migration: Materialstamm in SAP ERP®
Screenshot aus dem Materialstamm in SAP ERP® vor der Umstellung auf S/4HANA

Vor der Umstellung : Materialstamm in SAP® ERP mit Feldern zu Warenursprung und Präferenzen

Nach der Migration: Materialstamm in SAP S/4HANA®
Nach der Migration: Materialstamm in SAP S/4HANA®
Screenshot aus dem Materialstamm von SAP S/4HANA®

Nach der Umstellung: Materialstamm in SAP S/4HANA® – hier fehlen die Felder und Funktionen zur Präferenzermittlung


"Plug-ins können die Akzeptanz für die Umstellung auf S/4HANA erhöhen" 

AEB-Experte Markus Strohm


Welche Alternativen zur Eigenentwicklung haben Unternehmen vor und nach der Umstellung auf S/4HANA?

Als Erweiterungen für individuelle Bedarfe können Subsysteme und Business Services zum Einsatz kommen, wie auch wir sie anbieten. Der große Vorteil: Wir stellen alle Funktionen über modifikationsfreie Standard Plug-ins zur Verfügung, die bereits für S/4HANA freigegeben sind. Im AEB-Kundenportal stehen dafür Basis- und Fachtransporte bereit, die bei der Migration lediglich eingespielt werden müssen. Für die Umstellung verlangen wir auch keine gesonderten Lizenzgebühren.

Plug-ins integrieren sich also einerseits nahtlos in ein heutiges SAP® ERP und liefern direkt einen Mehrwert durch spezifische Prozessunterstützung. Andererseits sorgen sie bei der Migration für Entlastung unterstützen auch in der neuen S/4HANA-Welt effektiv. Quasi nebenbei kann damit die Akzeptanz für die Umstellung erhöht werden – weil sowohl die IT als auch der Fachbereich sofort profitieren.

Können Sie ein Beispiel skizzieren?

Nach wie vor ist das Tarifieren von Waren für die Anwender sehr aufwändig. In SAP S/4HANA® ändert sich durch das Launchpad zwar der Ansatz, die Möglichkeiten sind aber weiterhin beschränkt. 8- und 11-Steller, AL-Nummer, ECCN unter Unterlagencodierungen und intelligente Prozesse für den Jahreswechsel sind im Standard nicht verfügbar. Gleiches gilt für das Hinterlegen von angepassten Warenbeschreibungen für den Zoll.

Unser Plug-in für die Tarifierung sorgt dafür, dass die aktuellen Zolltarifnummer von 150 Ländern einfach ermittelt werden können – schon heute in SAP® ERP und nach der Umstellung genauso in SAP S/4HANA®. Alle Außenwirtschaftsdaten stehen zentral zum Material zur Verfügung. Und in das Fiori Launchpad integriert sich unser Plug-in ebenfalls.

Quick-Check für die Umstellung: Außenhandel in SAP® ERP und S/4HANA im Vergleich

  • Export- und Import-Filing sowie Präferenzabwicklung nicht möglich
  • Pflege der Warennummer nicht automatisiert
  • Außenhandelsdaten stehen nicht in Belegen zur Verfügung, z.B. in Lieferungen und Faktura
  • Außenhandelsdaten fehlen dadurch auch in nachgelagerten Prozessen, z.B. im ID
  • Akkreditivabwicklung nicht mehr wie gehabt verfügbar

Was bedeutet das für die Fachanwender?

Die Anwender arbeiten einfach in der gewohnten SAP-Umgebung weiter und profitieren von automatisierten Recherchen. Die Genauigkeit der Vorschläge verbessert sich dank Machine Learning stetig. Weitere Vorteile für Fachbereich und IT sind der Datenservice und die Jahreswechselfunktion. Wenn die Kombinierte Nomenklatur oder das Harmonisierte System angepasst werden, lassen sich die Zolltarifnummern mit einem Klick aktualisieren. Der Prüfaufwand, ob der eigene Artikelstamm betroffen ist, entfällt.

Wie aufwändig ist die initiale Implementierung derartiger Plug-ins noch vor der Umstellung in SAP® ERP?

Unabhängig vom SAP-System sind die Plug-ins aus technischer Sicht als Self-Service-Lösungen konzipiert: Unternehmen können sie einfach selbst einführen. Die Integration der AEB Plug-ins erfolgt über die User- bzw. Customer-Exits des SAP®-Standards. Für die Implementierung bedeutet das: Transporte downloaden, einspielen und loslegen. Neben dieser Einfachheit schätzen unsere Kunden aber vor allem unsere Kompetenz sowohl im SAP-, als auch vor allem im Außenwirtschafts- und Logistikumfeld. Bei Bedarf findet sich unter den mehr als 500 AEB-Mitarbeitern für nahezu jedes Anliegen ein Experte.

Demo-Videos: Plug & Play für die Migration zu SAP S/4HANA®

Die Self Service Plug-ins für SAP® liefern bereits heute in SAP® ERP genau die Funktionen, die in Außenwirtschaft und Logistik benötigt werden – und im SAP S4/HANA®-Projekt bilden sie den ruhenden Pol. Erste Einblicke bieten unsere Demo-Videos.

Zollabwicklung mit SAP®

Compliance Screening mit SAP®