Brexit-Guide III: Brexit completed? Der Umgang mit den neuen Grenzen
Grenzfälle

Brexit-Guide III: Brexit completed? Der Umgang mit den neuen Grenzen

Seit dem 1.1.2021 ist das Vereinigte Königreich ein Drittland. Es gibt zwar weder Zölle noch Quoten, dennoch gibt es „Grenzfälle“. Lesen Sie mehr.

Im Eiltempo wurde nicht nur das Freihandelsabkommen verhandelt – auch der Warenverkehr soll weiter zügig möglich sein, obwohl das Vereinigte Königreich jetzt als Drittland zählt. Deshalb gibt es seit Januar weder Zölle noch Quoten. Lediglich Zollanmeldungen müssen bei Grenzübertritt abgegeben werden. Wir haben uns angeschaut, welche „Grenzfälle“ Sie dennoch beachten müssen.

Das Gute zuerst: Der Warenverkehr innerhalb der EU verändert sich für alle verbleibenden 27 Statten nicht. Dafür erhält Nordirland einen besonderen Status und wird handelspolitisch wie ein EU-Staat gehandhabt und erhält ebenfalls den Ländercode „XI“. Politisch betrachtet, gehört das kleine Nordirland aber weiterhin zum Vereinigten Königreich, das aus Großbritannien (England, Schottland und Wales) und Nordirland besteht. Für die drei Staaten Großbritanniens gilt der Ländercode „GB“.

Soweit so logisch. Schauen wir nun auf die verschiedenen Warenströme. Wir fassen zusammen, was Sie beachten müssen:

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Warenstrom zwischen der EU und Nordirland

Zwischen der EU und Nordirland ändert sich bei den Warenbewegungen nichts: Lieferungen werden weiterhin als innergemeinschaftliche Lieferungen behandelt. Die umsatzsteuerliche Handhabung bleibt wie gehabt, u.a. mit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Meldungen für die Intrastat erfolgen mit dem Code „XI“. Bei Speditionsaufträgen hingegen wird das Länderkürzel nicht unbedingt akzeptiert. Fragen Sie hier bei Ihrem Speditionsunternehmen nach.

Anders ist die Lage bei Lieferungen mit dem Ziel Irland oder Nordirland, die durch das Gebiet Großbritanniens transportiert werden. Hier wird das gemeinsame Versandverfahren für Unionswaren (T2) angewendet, das auch bei Lieferungen angewendet werden, die durch die Schweiz transportiert werden, wenn das Zielland in der EU ist. Das Verfahren wird durch den Transporteur abgewickelt.

Am unbürokratischsten erfolgen Lieferungen über direkte Fährverbindungen zwischen Cherbourg bzw. Dünkirchen nach Rosslare und Dublin. Für EU-Waren muss gegebenenfalls über ein T2L oder andere Handelspapiere der Gemeinschaftscharakter nachgewiesen werden.

AEB-Tipp: Identifizieren Sie Ihre Kunden in Nordirland einfach über die Postleitzahl. Diese beginnt grundsätzlich mit BT für Belfast.

Warenstrom zwischen Großbritannien und Nordirland

Sämtliche Warenbewegungen von Nordirland nach Großbritannien sollen mit Hilfe des Border Operating Model der britischen Regierung abgewickelt – und mit einem neuen IT-System auch beschleunigt – werden. Mit dem Goods Vehicle Movement Service (GVMS) sollen die britischen Behörden schon vor dem Check-in auf die Fähre alle notwendigen Informationen für eine papierlose Zollabfertigung erhalten.

Für die papierlose Zollabfertigung ist das jeweilige Speditionsunternehmen verantwortlich. Es muss GVMS verwenden, um alle Referenznummern des Versandbegleitdokuments für jeden Anhängertransport mit einer GMR (GMR - Warenversandnummer) zu verknüpfen. Ohne eine vollständige GMR können Fahrer nicht an Bord internationaler Fähren oder des Eurotunnels gehen. Seit 1. Januar 2021 wird es für alle Versandverfahren verwendet. Ab 1. Juli 2021 ist die Benutzung für alle Einfuhren in das Vereinigte Königreich vorgesehen.

Für den Transport von Nordirland nach Großbritannien muss beispielsweise bei Check HMRC: Trading and moving goods in and out of Northern Ireland kontrollierten Gütern eine Ausfuhranmeldung (CDS) gemacht werden. HMRC hilft mit Leitfäden und interaktivem Fragebogen weiter.

> Check HMRC: Trading and moving goods in and out of Northern Ireland

Ausfuhr aus der EU nach Großbritannien

Seit 1. Januar 2021 ist eine Ausfuhranmeldung notwendig. Im Freihandelsabkommen TCA ist zwar von Nullzollsätzen und Nullquoten die Rede. In der Praxis müssen sowohl einführende als auch ausführende Unternehmen zunächst einmal Bürokratie überwinden, um nachhaltig davon zu profitieren. Denn die Präferenzzollsätze können nur dann genutzt werden, wenn Sie mit „präferenziellen Ursprungswaren“ handeln und dies im Detail dokumentieren und nachweisen können. Eine präferenzberechtigte Ausfuhr von Waren über 6.000 Euro darf nur ein registrierter Ausführer (REX) nachweisen.

Wird Ware ohne nachgewiesenen EU-Ursprung gehandelt, gilt der neue UK Trade Tariff. Dieser ist auch in Access2Markets enthalten.

Üblicherweise werden für die Transporte vom europäischen Festland der Eurotunnel und die Fährverbindungen genutzt. Die französischen und niederländischen Häfen haben dafür elektronische Anmeldungen vorgesehen, die für Vereinfachungen sorgen. Von Frankreich gelangen Waren ab Calais, Dunkerque, Dieppe, Le Havre, Caen, Cherbourg, St. Malo und Roscoff mit dem System Smart Border nach Großbritannien. Von den Niederlanden werden die Überfahrten ab Rotterdam, Amsterdam und Hoek van Holland mit Portbase organisiert. Weitere Verbindungen vom europäischen Festland existieren ab Belgien (Antwerpen, Zeebrugge und Gent) und Spanien (Santander und Bilbao). Speditionen kennen in der Regel die korrekte Ausgangszollstelle für Ihre Zollanmeldung.

Sollte Ihr Geschäftspartner die Angabe eines Custom Procedure Code (CPC) und seiner VAT-Nummer oder GB-EORI wollen, so lassen Sie sich die Daten von ihm geben und vermerken Sie diese auf der Rechnung. Damit sorgen Sie neben einem reibungslosen Export auch für eine schnellere Importabwicklung.

Die Ankunft nicht-kontrollierter Güter in Großbritannien kann durch das Roll-on Roll-off-Verfahren erleichtert werden, das an diesen Häfen bzw. im Eurotunnel eingesetzt wird.

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Ausfuhr aus Großbritannien und Einfuhr in die EU

Wer Waren aus Großbritannien in die EU einführt, muss eine Importanmeldung abgeben. Gegebenenfalls werden bei Waren ohne nachgewiesenen GB-Ursprung Zölle fällig. Unabhängig vom Ursprung können auch Lizenzen, Zertifikate oder andere Dokumentationen erforderlich werden.

Bestimmen Sie vor dem Import unbedingt den Ort der Verzollung. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie führen die Verzollung am Ankunftshafen durch oder sie lassen die Ware im Rahmen des T1 Versandverfahrens zu sich bzw. Ihrem Zollamt liefern und verzollen dort. Das zweite Verfahren ist nur als zugelassener Empfänger möglich.

Ist der Ankunftshafen im europäischen Ausland und Sie wünschen eine Grenzverzollung, können Sie dafür das Verfahren 4200 nutzen. Im Anschluss kommt die Ware als innergemeinschaftliche Lieferung zu Ihnen. Für die Verzollung und die Intrastatmeldung benötigen Sie in der Regel. einen Fiskalvertreter.

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