Handelshemmnisse

Mehr Ärger mit dem Zoll in China

Bei den deutschen Industrie- und Handelskammern mehren sich die Hinweise auf neue, strengere Anforderungen der chinesischen Zollbehörden an Waren, Dokumente und Ursprungshinweise. Was steckt dahinter?

Björn Helmke 04.02.2019

Selbst die stets gut informierte IHK Region Stuttgart sucht nach Hinweisen: „Derzeit häufen sich die Anfragen zu neuen Anforderungen an Exportdokumente und Waren bei der Einfuhr in China. Dabei geht es vor allem um die Ursprungskennzeichnung (Etikettierung bzw. Markierung) der Ware sowie die Maße der Verpackungen und der Ware“, schreibt die Kammer in ihrem Newsletter und bittet ihre Mitglieder entsprechende Fälle präzise zu melden.

Nebenwirkung des Handelskonfliktes mit den USA

Hintergrund sei wohl der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China, heißt es in der Meldung weiter. Im Klartext: Der chinesische Zoll will unterbinden, dass von Strafzöllen betroffene US-Produkte über andere Staaten zu geringeren Zöllen ins Land kommen. 

„Wenn Einführer nicht in der Lage sind, die Anforderungen der chinesischen Zollvorschriften bezüglich des Ursprungslands zu erfüllen, wird ein deutlich höherer Einfuhrzoll festgesetzt“, schreibt die AWA Aussenwirtschaftsakademie, der ebenfalls Hinweise auf verschärfte Prüfungen des chinesischen Zolls vorliegen.

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China prüft Verrechnungspreise strenger

Bereits seit einigen Monaten sind die Zoll- und Steuerbehörden in China  überdies dazu übergegangen, Verrechnungspreise (transfer pricing) zwischen chinesischen Tochtergesellschaften und ihren ausländischen Muttergesellschaften strenger zu prüfen. Die Muttergesellschaften versuchen – oft auf Veranlassung ihrer Steuerbehörden – unter anderem durch Erhöhung der Verrechnungspreise für Warenlieferungen die Rentabilität ihrer China-Töchter zu senken und Gewinne teilweise ins Heimatland zu verlagern. 

Die Steuerbehörden in China überprüfen derartige Anpassungen besonders streng und erkennen sie steuerlich teilweise nicht an, warnt die in China tätige Steuerberatungsgesellschaft Rödl & Partner. Das kann dann zu einer Doppelbesteuerung von Gewinnen führen. Gleichzeitig steigt aufgrund der höheren Importpreise auch das Zollrisiko.

Erleichterungen im E-Commerce

Erleichterungen bei der Einfuhr nach China erhalten hingegen E-Commerce-Händler, die an chinesische Privatkunden verkaufen. Nach einer Meldung von German Trade & Invest ist für Exporteure aus Deutschland insbesondere relevant, dass die chinesischen Vorschriften im Hinblick auf Qualität, Sicherheit, Hygiene, Umweltschutz und Kennzeichnung nicht erfüllt werden müssen. Die Waren müssen jedoch den Vorschriften des Ursprungslandes entsprechen. 

Die Betreiber von Online-Shops und Handelsplattformen mit Sitz in China müssen alle zollrelevanten Daten dem chinesischen Zoll elektronisch zur Verfügung stellen – direkt oder über einen Zolldienstleister. Die Betreiber haften laut GTAI gegenüber der Zollverwaltung für die Eingangsabgaben und müssen dafür Sicherheiten leisten. 

Sie sind auch dafür verantwortlich, dass nur Waren gehandelt werden, die ausdrücklich für den grenzüberschreitenden E-Commerce zugelassen sind. Sofern die Waren keine chinesische Etikettierung haben, müssen die entsprechenden Angaben auf der Website des Online-Shops in Chinesisch verfügbar sein. Die Regeln gelten zunächst nur für 37 chinesische Städte, darunter Peking und Shanghai.

Praktische Tipps über das Thema Zoll in China finden Sie in einem aktuellen Beitrag aus unserer Kundenzeitschrift AnachB.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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