Interview

Singapur im Länderportrait: "Starker Stadtstaat"

Singapur zählt zu den besten Business-Umgebungen. Welche Rolle spielt dabei die Logistik? AEB Manager Frans Kok gibt Antworten im Interview.

Singapur ist unter den Top-5-Logistikländern im aktuellen Ranking der Weltbank. Welche Erfolgsfaktoren treiben die Logistik in Singapur an?

Frans Kok: Singapur ist ein weltweit beliebter Logistik- und SCM-Knotenpunkt für führende Hersteller aus allen Branchen. Rund 20 der 25 weltweit größten Logistikunternehmen sind derzeit im Stadtstaat aktiv, um von dort aus den asiatischen Markt zu erschließen. Erfolgsfaktor ist vor allem ein ganzheitlicher Ansatz und die permanente Weiterentwicklung von Dienstleistungen, Infrastruktur und Politik. Der Hafen ist beispielsweise der zweitgrößte weltweit und wird durch neue Technologien kontinuierlich weiterentwickelt. Am Pasir Panjang Container-Terminal etwa gibt es die derzeit größten modernen Containerbrücken. Sie können Schiffe mit bis zu 22 Containerreihen nebeneinander bedienen und sind einige der ersten ihrer Art in Asien. Außerdem ist Singapur bekannt für seinen effizienten Zollverkehr und unternehmensfreundliche Import- und Exportverfahren. Dadurch erhalten Unternehmen schnell Freigaben, Dokumente und Genehmigungen für die zu handelnde Ware.

Singapur verteidigt seit einigen Jahren die Spitze des Business Environment Rankings, das jährlich von der britischen Wochenzeitung The Economist veröffentlicht wird. Was macht Singapur zur besten Business-Umgebung?

Frans Kok: Der regulatorische Rahmen in Singapur ist einer der effizientesten der Welt. Das Rechtssystem ist stabil, die Steuerstruktur unternehmensfreundlich und Verwaltungs- und Rechtsverfahren sind relativ unkompliziert. Beispielsweise dauert es nur etwas mehr als sechs Arbeitstage, um ein neues Unternehmen anzumelden. Gleichzeitig sind Betriebsgründungskosten sehr gering. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern gibt es in Singapur auch keine gesetzlich festgelegten Mindestlöhne, da ein Lohnausgleich durch den Nationalen Lohnrat stattfindet. Mit diesem Ansatz will die Regierung einen hohen Lebensstandard in Singapur erschwinglich halten, ohne den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zu beeinflussen. Darüber hinaus öffnet die singapurische Regierung durch proaktive bilaterale und multilaterale Initiativen, wie zum Beispiel Freihandelsabkommen, viele Türen für Unternehmen. Und sie fördert die Anbindung der wichtigsten Handelszentren und Produktionsstandorte Singapurs an das restliche Asien.

Aber Singapur steht auch vor Herausforderungen, beispielsweise durch die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder in der Region. Was unternimmt Singapur, um konkurrenzfähig zu bleiben?

Frans Kok: Immer mehr kleine asiatische Länder wie Malaysia, Hong Kong oder Taiwan positionieren sich als Logistikplattformen. Angesichts dieses zunehmenden Wettbewerbs ist es wichtig, dass sich Singapur zu einer noch globaleren Logistikdrehscheibe entwickelt. So ist das Land gerade dabei, den kompletten Containerbetrieb in einem neu angelegten Hafen zusammenzulegen. Wenn dieser in zehn Jahren voll in Betrieb ist, können dort voraussichtlich bis zu 65 Millionen TEUs pro Jahr umgeschlagen werden. Bei Vollauslastung würde sich das Aufkommen also nahezu verdoppeln. Aber Singapur steht auch noch vor weiteren Herausforderungen. Beispielsweise ist der Binnenmarkt sehr klein und die Betriebskosten im Land relativ hoch.

Was sind Ihrer Einschätzung nach die derzeit wichtigsten Themen in der singapurischen Logistik?

Frans Kok: Immer mehr Firmen lagern ihre Logistik nach Asien aus und suchen dafür einen geeigneten Standort. Singapur profitiert dabei von seiner geographischen Lage und seiner Funktion als Handelsumschlagsplatz zwischen Europa und Asien und bietet umfassende SCM-Dienstleistungen für Verlader. Um diese Wettbewerbsposition zu halten, muss das Land sich allerdings an die aktuellen globalen Entwicklungen anpassen und diese vorantreiben. Die Digitalisierung und das Internet der Dinge, aber auch Kollaboration in der Supply Chain gehören hierbei zu den wichtigsten Themen in Singapur.

Singapur pflegt unter anderem enge Handelsbeziehungen zu China. Inwiefern wirkt sich die in letzter Zeit schwächelnde chinesische Wirtschaft auf den singapurischen Handel aus und wie gehen Unternehmen mit dieser Situation um?

Frans Kok: Die schwächelnde chinesische Wirtschaft beeinflusst nicht nur Singapur, sondern den ganzen globalen Handel. Allerdings ist Singapur als Mitglied der „Association of Southeast Asian Nations” (ASEAN) für diese Entwicklung gut aufgestellt. Denn der Handel der ASEAN-Länder soll in fünf Jahren zu 30 % innerhalb dieser Zone stattfinden. Zudem planen immer mehr Firmen, einen größeren Teil ihrer Produktion in ASEAN-Länder zu verlagern – teilweise sind sie bereits schon dabei. Singapurs Nähe und die engen Handelsverbindungen zu diesen Ländern wird die Stellung Singapurs als Logistikdrehscheibe zukünftig stärken. Und die immer stärkere Integration der Asean Economic Community (AEC) bringt die Vorteile eines regionalen Binnenmarktes mit sich, bei dem die Unternehmen von der Beseitigung der tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen profitieren.

Viele internationale Unternehmen steuern ihre Logistik von Singapur aus. Welche Rolle spielt für AEB die Niederlassung in Singapur?

Frans Kok: Die Niederlassung in Singapur ist für AEB der Zugang zum asiatisch-pazifischen Raum. Von hier aus betreuen wir zahlreiche Kunden, die in der Region aktiv sind. Zudem unterhalten wir Partnerschaften mit lokalen Behörden, Supply Chain Verbänden, Forschungsinstituten, Technologieanbietern und anderen Experten und haben somit eine Schlüsselfunktion erlangt, um aktuellen und zukünftigen Supply Chain Anforderungen zu entsprechen. Und natürlich wollen wir durch eine stetige Weiterentwicklung unserer Lösungen unsere Position hier festigen und ausbauen. Dazu werden wir auch Beziehungen zu wachsenden Märkten wie Indonesien oder den Philippinen knüpfen.

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