Kriminalität

Ladungsdiebstähle klettern auf Rekordniveau

Nach Angaben der Transportsicherheitsorganisation TAPA ereigneten sich in der EMEA-Region im vergangenen Jahr rund 4.000 Ladungsdiebstähle. Die Dunkelziffer ist enorm. Die häufig organisierten Täter haben dabei ein neues Ziel entdeckt: Pakettransporter.

Björn Helmke 14.03.2019

Die internationalen Transportketten rücken offenbar weiterhin in das Blickfeld des organisierten Verbrechens. Die Transportsicherheitsvereinigung TAPA hat für das Jahr 2018 die Rekordsumme von rund 4.000 Ladungsdiebstählen in 35 Ländern der Regionen Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) erfasst. Im Vorjahr waren es noch 2.900 gemeldete Ladungsdiebstähle. Allerdings sind Vorjahresvergleiche wegen der unsicheren Datenlage problematisch. Die Dunkelziffer ist enorm.

2,2 Mrd. EUR Diebstahlschäden allein in Deutschland

Das gilt auch für Deutschland, wo „nur“ 142 Fälle in die Statistik einflossen. Das Problem: In Deutschland werden in der Kriminalitätsstatistik Ladungsdiebstähle nicht gesondert erfasst. Eine Schätzung deutscher Wirtschaftsverbände um den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht von 29.000 Ladungsdiebstählen mit einem Ladungswert von 1,3 Mio. EUR und einer Gesamtschadenshöhe von 1,2. Mio. EUR aus. In Deutschland soll seit Juli 2018 eine Ermittlungsgruppe „Cargo“ unter der Federführung des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt die Zahl der Ladungsdiebstähle eindämmen.

E-Commerce-Boom bei den Ladungsdieben

Die durchschnittliche Schadenshöhe in der TAPA-Statistik liegt bei 54.000 EUR. Gestohlen wird alles, was sich zu Geld machen lässt: Zigaretten, Alkohol, Nahrungsmittel, Elektronikartikel und Bekleidung. 60 % der Diebstähle ereignen sich auf ungesicherten Parkplätzen. Ein neuer Trend: Vor allem in Südeuropa häufen sich die Fälle von Diebstählen aus Pakettransportern. Hier sorgen die Ladungsdiebe für ihren ganz eigenen E-Commerce-Boom.

Wirtschaft fordert bessere Koordination bei der Strafverfolgung

In Deutschland hat sich die „Arbeitsgemeinschaft Diebstahlprävention in Güterverkehr und Logistik“ etabliert, die neben der TAPA und dem GDV unter anderem der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV), der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Verband der Chemischen Industrie angehören. Sie fordert unter anderem die bundesweite Erhebung eines Lagebildes über Ladungsdiebstähle und eine verbesserte Strafverfolgung durch länderübergreifende Koordinierung innerhalb Deutschlands und Europas.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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