Supply-Chain-Collaboration

Supply Chain Management: Gemeinsam zum Erfolg

Die Kollaboration mit Partnern gehört im Supply Chain Management zum täglichen Geschäft. Doch was macht die Zusammenarbeit in der Praxis erfolgreich?

„Um wirklich effizient zu agieren, sind Kooperationen in der Lieferkette notwendig. Obwohl wir ein bedeutender Player am Markt sind, stoßen wir bei Optimierungen alleine schnell an Grenzen“, sagt Romald Heuvelmans, Market Supply Chain Director bei Mars Deutschland und einer der Vordenker in Sachen Collaboration im Supply Chain Management. Er ist der festen Überzeugung: „Wenn wir nicht kooperieren, werden wir letztendlich nicht mehr wettbewerbsfähig sein.“
  
Das Unternehmen hat daher das Thema Kollaboration bereits im Jahr 2007 in den Fokus seines Supply Chain Managements gestellt und eine „Agenda 2017“ ins Leben gerufen. Diese soll unternehmensübergreifend die Grundlage für eine Kooperationsinfrastruktur schaffen. Seit dem Start der Agenda hat Mars bereits viele Kollaborationsprojekte initiiert und Partnerschaften im Supply Chain Management vorangetrieben.

Mehr als ein Einzelfall im Supply Chain Management

Mars ist mit seinen Bemühungen sicherlich ein Vorreiter, aber längst kein Einzelfall mehr. Laut der Studie „Global Trade Management Agenda 2016“ der AEB GmbH und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart kollaboriert bereits ein Großteil der Unternehmen im Supply Chain Management. Für mehr als die Hälfte der über 300 befragten Experten ist Kollaboration mit Kunden und Lieferanten in ihren Unternehmen mittlerweile Realität (57 bzw. 55,4 %). Zudem findet im Supply Chain Management eine Zusammenarbeit auch häufig mit Spediteuren und Logistikdienstleistern statt.

Eine überragende Mehrheit (82,6 %) der Studienteilnehmer hält Kollaborationen im Supply Chain Management für einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. „Die von uns befragten Experten sehen als mögliche Vorteile optimierte Prozesse sowie einen Gewinn an Know-how und beschleunigte Abläufe entlang der Supply Chain“, sagt Prof. Dr. Dirk Hartel von der DHBW Stuttgart.

Mehr Transparenz im Supply Chain Management

Auch eine höhere Transparenz sowie Versorgungs- und Planungssicherheit erwarten die Studienteilnehmer. Gerade angesichts der seit Jahren zunehmenden Spezialisierung und Arbeitsteilung sowie immer umfassenderen, komplexeren Lieferketten scheint Zusammenarbeit das Mittel der Wahl, um das Supply Chain Management zu organisieren und optimieren.

„Wie weit diese Kooperationen gehen, hängt allerdings von den Unternehmen ab. Für manche bricht bereits eine neue Ära an, wenn geplante Transportbedarfe an den Logistik Dienstleister übermittelt werden“, sagt Dr. Volker Lange vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in einem Interview mit dem Magazin „Kooperationspotenziale und Logistik“. Andere Unternehmen hätten hingegen keine Scheu, über Kooperationen mit direkten Wettbewerbern nachzudenken.

Was Experten über Kollaboration denken: Für rund 92 % gewinnt das Thema generell an Bedeutung.
Was Experten über Kollaboration denken: Für rund 92 % gewinnt das Thema generell an Bedeutung.

Kollaboration mit dem Wettbewerb?

Ein Beispiel für eine Zusammenarbeit mit einem Konkurrenten liefern die beiden Lebensmittel-Großkonzerne Nestlé und PepsiCo. Die beiden Wettbewerber kollaborieren im Supply Chain Management in Belgien seit dem Jahr 2012. Vor der Kooperation lieferten sie in der Distributionslogistik gekühlte Artikel an ihre Handelskunden in eigenen Lkw. Diese waren teilweise nur wenig ausgelastet, der Füllgrad ließ zu wünschen übrig. Inzwischen konsolidieren PepsiCo und Nestlé ihre Lieferungen über einen gemeinsamen Dienstleister und erreichen eine Füllrate von etwa 90 %, die Transportkosten sanken um etwa 30 %. Zudem reduzierte sich der CO2-Ausstoß deutlich – bei gleichzeitig verbessertem Service für die Kunden.

Chancen im Supply Chain Management durch Kollaboration: 88 % der Experten halten es für (sehr) wahrscheinlich, dass durch Kollaboration Prozesse optimiert werden können.
Chancen im Supply Chain Management durch Kollaboration: 88 % der Experten halten es für (sehr) wahrscheinlich, dass durch Kollaboration Prozesse optimiert werden können.

Ähnlich überzeugende Ergebnisse brachte auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Süßwaren-Anbietern Ferrero und Mars Deutschland. Unter dem Motto „Konkurrenz im Regal, nicht auf dem Lkw“ bündelten die beiden Unternehmen im Jahr 2008 das Warehousing und die Distribution mithilfe eines Dienstleisters. Die Lager- und Transportkosten sanken um 20 %. Durch die Definition gemeinsamer Liefertage und vereinheitlichte Bestellsysteme reduzierte sich zudem die Zahl der jährlichen Rampenkontakte beim Handel um 4.000, die zurückgelegten Lkw Kilometer gingen pro Jahr um 720.000 km zurück.

Im Jahr 2011 änderte sich allerdings die Zusammenarbeit aufgrund einer Neustrukturierung der Liefergebiete. Ferrero fährt seitdem vom Lager in Minden aus nach Nord-, Mars nach Westdeutschland, sodass keine gemeinsamen Transporte mehr möglich sind. In der Lagerhaltung kooperieren beide Unternehmen aber weiterhin erfolgreich.

Kollaboration im Supply Chain Management: Erfolgsfaktor IT

Doch was müssen Unternehmen grundsätzlich tun, um die Potenziale von Kollaborationen im Supply Chain Management zu heben? „Zunächst müssen sie überhaupt bereit sein, Kooperationen einzugehen“, schildert Dr. Lange im bereits genannten Interview. „Im nächsten Schritt müssen technische und operative Hürden beseitigt werden. Häufig stimmen Datenformate nicht überein, die notwendigen Informationen sind nicht automatisch verfügbar oder der Austausch spricht gegen die unternehmenseigene Datensicherheit. Außerdem gibt es in jedem Unternehmen unterschiedliche Abläufe, die für eine Kooperation an den Schnittpunkten harmonisiert werden müssen.“

Insgesamt ist die Informationstechnologie ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wenn Unternehmen im Supply Chain Management eng mit anderen zusammenarbeiten. So nutzen laut der Studie von AEB und DHBW Stuttgart rund sechs von zehn Unternehmen für Kollaboration in der Lieferkette IT-Plattformen. Vor allem Firmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern erweisen sich als IT-affin: 80 % von ihnen setzen auf IT-Plattformen –unter den Betrieben mit bis zu 200 Mitarbeitern tun dies nur knapp 48 %.

Nicht selten treffen bei Kollaborationsvorhaben zwei Unternehmen mit unterschiedlichen IT-Systemen aufeinander. „Trotz allem Willen zur engen Zusammenarbeit lässt die Studie für diese Fälle wenig Bereitschaft erkennen, sich einseitig auf den Partner einzustellen“, sagt Prof. Hartel. Nur 14,7 % der Befragten passen ihre Systeme an die des Gegenübers an. Mehrheitlich setzen Unternehmen auf symmetrische Strategien: Sie nutzen Meta-Plattformen (27,2 %) oder einigen sich auf Standards (38 %). 

Methoden und Werkzeuge im Supply Chain Management: Knapp 60 % nutzen IT-Plattformen für die Kollaboration mit Partner
Methoden und Werkzeuge im Supply Chain Management: Knapp 60 % nutzen IT-Plattformen für die Kollaboration mit Partner

Sind die IT-Herausforderungen gemeistert und funktioniert der Informationstransfer zwischen den Partnern, tauschen diese vor allem Bewegungsdaten im Supply Chain Management aus, um sich enger zu vernetzen. Dies machen etwas mehr als zwei Drittel der Befragten. Beim Austausch von Stammdaten ergibt sich ein anderes Bild: Nur ein Drittel arbeitet hier mit den Partnern im Supply Chain Management zusammen – und das obwohl fast alle Befragten den Austausch dieser Daten für wichtig erachten.

Supply Chain Management: Kommunikation entscheidend

Noch wichtiger als eine geeignete IT-Unterstützung ist laut der Studie eine offene und regelmäßige Kommunikation. „Vor allem zu Beginn einer Kollaboration ist dieser Aspekt von besonderer Bedeutung, weil erst eine Vertrauensbasis und passende Kommunikationsstrukturen zwischen den Partnern geschaffen werden müssen“, sagt Prof. Hartel.

Und auch im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit bleibe dieser Faktor wesentlich. „Man muss Vertrauen aufbauen. Wenn man kein Vertrauen aufbauen kann, dann steht so ein Projekt von vornherein unter keinem guten Stern“, bestätigt auch Mars-Manager Heuvelmans. Bei Kollaborationsprojekten im Supply Chain Management gelte daher prinzipiell: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“

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