Transportmanagement

Corona: Wie die Transportlogistik beeinflusst wird

Die Corona-Krise hält die Logistiker in Industrie- und Handelsunternehmen in Atem. Wegbrechende Transportkapazitäten, Beschränkungen im Warenverkehr, sich ändernde Lieferzeiten und -preise sowie Kunden, die keine Waren mehr annehmen – gefragt ist eine aktive, kontinuierliche Steuerung des Transportmanagements.

Es passiert in Deutschland, in der EU, auf der ganzen Welt: Geschäfte und Unternehmen müssen wegen der Corona-Pandemie schließen – mit oftmals massiven Auswirkungen in den Lieferketten. Seit dem 17. März 2020 nehmen beispielsweise in Deutschland Auto-, Fahrrad- oder Elektrohändler keine Waren mehr an. Auch Einzelhändler, die nicht den täglichen Bedarf decken, sind mittlerweile geschlossen. 

Italien hat am 23. März einen vollständigen Stopp seiner Produktionsindustrie bis zum 3. April 2020 beschlossen. In mehreren europäischen Ländern wie in Dänemark, Belgien, Frankreich, Österreich, Slowakei, Spanien, Tschechien wurden alle Geschäfte, die nicht für die Grundversorgung notwendig sind, mittlerweile geschlossen. 

Zustellbarkeit prüfen

Für Unternehmen ist es daher wichtig vor einem (internationalen) Transportauftrag zu prüfen, ob der jeweilige Warenempfänger überhaupt Ware entgegennehmen kann. Grundsätzlich empfiehlt es sich, vor dem Transportauftrag Kontakt mit Ihrem Kunden aufzunehmen. Er kann Ihnen Auskunft zum geänderten Warenempfang geben. 

Auch große Logistik- oder Mediendienstleister können als Informationsquelle dienen. Diese bieten auf ihren Websites in der Regel tagesaktuelle Updates zu einzelnen Ländervorschriften an. Über die nationalen Hinweise hinaus finden sich dort oft Informationen zu postleitzahlgenauen Quarantäne-Gebieten, Gesundheitsvorschriften an den Grenzen oder eingeschränkten Warehousing- und Lagerdienstleistungen.

Sollten Sendungen nicht zustellbar sein, können diese meist auch nicht in den Empfangsländern eingelagert werden, da die Kapazitäten dort häufig bereits ausgereizt sind. Um Beschädigungen und lange Liegezeiten zu vermeiden, werden nicht angenommene Sendungen zu Lasten des Versenders wieder retourniert. Das belastet die Lieferketten zusätzlich und treibt die Kosten in die Höhe.

Angepasst: Proof of Delivery

Vor allem bei Paketzustellungen verweigern Empfänger zunehmend die Unterschrift auf den Ablieferbelegen (POD – Proof of Delivery), um ihren persönlichen Sicherheitsabstand einzuhalten. Hier setzen die Transportdienstleister auf unterschiedliche Alternativen. Möglich ist zum Beispiel, dass der Name des Empfängers festgehalten wird und zusätzlich ein Bild von der Sendung vor Ort erstellt wird oder auf der Empfänger auf der zugestellten Sendung unterschreibt und diese abfotografiert wird. 

Warenverkehr massiv beeinträchtigt

In großen Teilen Europas fließt der Warenverkehr bislang weiter, durch einzelne Grenzschließungen und verschärfte Kontrollen kommt es allerdings zu erheblichen Wartezeiten bei der Grenzabfertigung. Der Softwareanbieter Sixfold bietet auf seiner Website eine interaktive Karte zu den Grenzwartezeiten für Lkw in Europa.

Im Flugverkehr führen die stark eingeschränkten Passagierflüge zu mangelnden Belly-Kapazitäten. Je nach Land fahren einzelne Airlines die Menge ihrer Frachtflüge insgesamt herunter. Ausnahme in diesem Bereich ist Lufthansa, die nach eigenen Angaben an einem Ausbau ihrer Flotte arbeitet, sodass derzeit ungenutzte Passagierflugzeuge auch für Frachttransporte genutzt werden können. Auch im Bereich Luftfracht gilt: Unternehmen sollten sich auf den Internetseiten der jeweiligen Carrier informieren. 

Weniger Kapazitäten in der Seefracht

Eine Verknappung zeigt sich auch in der Seefracht. Die Produktion in China, wo das Coronavirus zuerst ausbrach und sich rasant ausbreitete, wird sukzessive wieder hochgefahren. Das überlastet nun die Häfen, die durch wochenlange Blank Sailings der Reedereien belastet sind. 

Reedereien erhöhen den Zuschlag für Standardcontainer, was zum Auftraggeber durchgereicht wird. Da die Preise teilweise tagesabhängig schwanken können, lohnt sich eine Prüfung vor Beauftragung – auch ob abhängig von Preis und Lieferzeit eventuell ein Wechsel auf Bahntransporte sinnvoll ist.

Aus dem Bereich Schiene gibt es auch erste Signale einer Normalisierung der Situation. Wie das Magazin Eurailpress berichtet, soll diese Woche der erste Güterzug aus dem chinesischen, krisengebeutelten Wuhan nach Europa aufs Gleis kommen.

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