Essenzielle Infos zum Brexit in Sachen Export und Import
Aussenhandel

Essenzielle Infos zum Brexit in Sachen Export und Import

Ende Januar scheidet das Vereinigte Königreich aus der EU aus. Was sind die Folgen für Aussenwirtschaft und Logistik? Und wie geht es weiter?

Nach mehr als drei Jahren Verhandlungen scheint der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs Wirklichkeit zu werden. Alle Zeichen deuten auf einen geregelten Brexit zum 31. Januar 2020 hin. 

Nachdem im Vereinigten Königreich (VK) bereits die Abgeordneten im Unterhaus dem Austrittsabkommen zugestimmt hatten, gaben am 22. Januar auch die Lords im Oberhaus ihre Zustimmung zum Ratifizierungsgesetz für den Brexit-Deal. Ausstehend ist jetzt nur noch die Ratifizierung durch das Europäische Parlament am 29. Januar. 

Unsicherheit: Was passiert am 1. Februar?

Doch welche Änderungen treten mit dem VK-Austritt am 1. Februar in Kraft? Vielerorts herrscht dazu noch Unsicherheit. Fakt ist: Mit einem ratifizierten Austrittsabkommen startet zum 1. Februar eine Übergangsphase. Diese dauert mindestens bis 31. Dezember 2020. An einer Verlängerung, die theoretisch einmalig bis Ende 2022 möglich wäre, hat Boris Johnson kein Interesse, wie er mehrmals betonte. 

Während der Übergangsphase bleibt das VK Teil der Zollunion und des EU-Binnenmarktes. Das bedeutet: In diesem Zeitraum gibt es aus zollrechtlicher Sicht im Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU-27 keine Änderungen. Es müssen beispielsweise für den Warenverkehr zwischen EU und dem VK noch keine Zollanmeldungen getätigt werden. Auch im exportrechtlichen Sinne ist das VK in dieser Phase kein Drittland, sodass es noch keine Änderungen etwa beim Handel von Dual-Use-Gütern gibt.  

Das Brexit-Toolkit

Was ändert sich in Sachen Global Trade Management, wenn Grossbritannien zum Drittland wird? Und wo besteht Handlungsbedarf? Das Brexit-Toolkit von AEB gibt Antworten.


Unklarheit in Sachen Präferenzmanagement

Anders sieht die Sache beim Thema Präferenzmanagement aus. Auch bei einem Brexit mit Austrittsabkommen ist das Vereinigte Königreich bereits während der Übergangsfrist nicht mehr Mitglied der EU. Damit ist es auch nicht mehr Vertragspartner der Handelsabkommen der EU. 

Die Europäische Kommission hat angekündigt, die Partnerstaaten darum zu bitten, das Vereinigte Königreich während der Übergangsfrist weiterhin wie ein EU-Mitglied zu behandeln. Über das Ergebnis dieser Notifizierungen liegen der Generalzolldirektion jedoch keine aktuellen Informationen vor. 

Für Unternehmen bedeutet dies unter anderem, dass Produkte evtl. die EU-Ursprungseigenschaft verlieren bzw. dass neu kalkuliert werden muss. Entsprechend müssen Langzeit-Lieferantenerklärungen für Waren mit Ursprung aus dem Vereinigten Königreich widerrufen werden.

Abkommen prüfen

Einige Freihandelspartnerländer der EU haben aber bereits signalisiert, dass sie Waren mit britischem Ursprung während der Übergangsphase weiterhin als EU-Waren akzeptieren. Hierzu müssten die jeweiligen Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Drittland geprüft werden.

Für alle anderen Länder gilt das Vorgehen wie ohne ein Abkommen. Ursprungsware des Vereinigten Königreichs ist für diese Freihandelspartnerländer der EU nach dem Brexit ein Vormaterial aus einem Drittland. Ein Leitfaden der EU-Kommission gibt dazu nähere Informationen.

Vorbereitungen vorantreiben

Unklar ist, wie ein zukünftiges Handelsabkommen und die Beziehungen zwischen EU und dem VK nach der Übergangsfrist gestaltet werden. Fest steht: Nach dieser Phase müssen im Handel mit dem VK Zollanmeldungen abgegeben werden und es gibt unter anderem Auswirkungen im Bereich Exportkontrolle und Präferenzmanagement.

Experten empfehlen, dass Unternehmen aktiv die Zeit der Übergangsphase nutzen und ihre Organisation und Prozesse im Bereich Logistik und Aussenwirtschaft vorbereiten sollten.

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