Wichtig für 2022: Änderungen in Zoll und Aussenwirtschaft
Ausblick

Wichtig für 2022: Änderungen in Zoll und Aussenwirtschaft

Neue Zollanwendungen, ATLAS Releases, spürbare Auswirkungen des Lieferkettengesetzes und erste Änderungen beim Schweizer Zoll - auf Unternehmen rollen 2022 viele Umstellungen zu.

Die anhaltenden Lieferschwierigkeiten und die jüngsten Preissteigerungen haben bereits vielfach zu Änderungen in der Lieferkette bei Unternehmen geführt. Schon das benötigt eine sorgfältige Planung und kann in der Folge auch eine sorgfältige Präferenzkalkulation durcheinanderbringen. Höchste Zeit die übrigen Herausforderungen 2022 anzupacken.

Neue Arten des Geschäfts

Aus 11 mach 12 und 32 im Sinn... so oder ähnlich sehen gerade die Umrechnungen für die Arten des Geschäfts in Unternehmen aus. Höchste Zeit Vorsysteme auf Stand zu bringen, Geschäftsvorfälle zu prüfen und sich mit den Änderungen vertraut zu machen. Neue europäische Rechtsgrundlagen zur Aussenhandelsstatistik brachten Änderungen in den deutschen Gesetzgebungen mit sich. Ziel ist eine bessere intraeuropäische Vergleichbarkeit von Unternehmens- und Handelsstatistiken. Der deutsche Zoll hat angekündigt die neuen Codes zur Art des Geschäfts ab dem 15. Januar 2022 anzuwenden. Die kniffligen Fragen beantwortet Ihnen AEB-Experte Dr. Thomas Hartinger im Seminar. 

 Zum Online-Seminar: Art des Geschäfts - richtig codieren 2022 am 11. Januar, 9 bis 10:30 Uhr

Intrastatmeldungen

Ebenfalls in der Folge der neuen europäischen Rechtsgrundlagen zur Aussenhandelsstatistik, werden in den Meldungen zur Intrastat-Versendung zwei Angaben verpflichtend: Das Ursprungsland der Ware und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr) des Empfängers. Insbesondere letzteres kann bei Reihengeschäften oder privaten Empfängern zu Schwierigkeiten führen. Ausserdem führt die Angabe der USt-IdNr zu Mehraufwand. Dadurch ist keine Zusammenfassung der Meldung über verschiedene Geschäftspartner hinweg mehr möglich. 

Zum Leitfaden von DESTATIS: Änderungen bei den Anmeldungen zur Aussenhandelsstatistik

Neue Zolltarifnummern

Alle fünf Jahre wird das Harmonisierte System an den technischen Fortschritt, Änderungen im Handel oder Umweltaspekte angepasst. 2022 ist so ein Jahr. Aktualisierungen an der Basis haben weitreichende Folgen und schlagen auf die statistischen Warennummern durch, die Sie für Ihre Exporte und Intrastatmeldungen verwenden, und die elfstellige Zolltarifnummer für Importanmeldungen. 

Zum Artikel: Zolltarifnummern 2022 - Änderungen im Überblick

Tarifieren und Klassifizieren mit System. Und den passenden Zollstammdaten

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Meldung von Sammelwarennummern

Hier ändern sich die Bedingungen für die Vergabe und die Nutzung in einzelnen Fällen. 

Die Wertgrenze bis zu der Unternehmen eine Genehmigung für die Verwendung einer Sammelwarennummer beim Statistischen Bundesamt erhalten, ist gleich geblieben. Neu ist allerdings, dass diese Wertgrenze auch für Sortimente aus Kraft- bzw. Luftfahrzeugteilen gilt. Zudem dürfen zukünftig so eingereihte Sortimente bei Kraftfahrzeugteilen nur Waren des Kapitels 87 enthalten und bei Luftfahrzeugteilen nur Waren des Kapitels 88. 

Zum Artikel: Meldungen von Sammelwarennummern 2022

ATLAS-Releases vor der Umsetzung

Für ATLAS AES 3.0 für die Ausfuhr und ATLAS 9.1 für die Einfuhr hat der Zoll das Ende der Umstellung im Jahr 2022 verschoben. Erwartet wird ausserdem die zollseitige Umsetzung von ZELOS und IMPOST. 

  • ATLAS-IMPOST: Ab dem 17. Januar 2022 wird die neue Zollanwendung ATLAS-IMPOST zur Verfügung stehen und AEB ist direkt mit am Start. Für Kleinsendungen aus einem Drittland muss seit dem 1. Juli 2021 bei der Einfuhr eine Anmeldung beim Zoll abgegeben werden. Dafür darf dann mit dem ATLAS Release 10.0 in ATLAS-IMPOST ein verringerter Datenkranz gemeldet werden.
    Zum Artikel: Meldepflicht für importierte Kleinsendungen

  • Export: ATLAS 3.0: Neue Anmeldearten, Änderungen bei der Beteiligtenkonstellation und Negativcodierungen, die in zusätzlichen Vermerken eingetragen werden – mit ATLAS 3.0 für Ihre Ausfuhren stehen Neuerungen bei Zollanmeldungen an. Der Zoll hat das Ende der weichen Migrationsphase ins Jahr 2023 verschoben. 

  • Import: ATLAS 9.1 und NCTS: Am 6. März 2021 ist das ATLAS-Release 9.1 zollseitig in den Echtbetrieb überführt worden. Bis zum Ende der weichen Migrationsphase dürfen die Nachrichten noch im bisherigen Format ATLAS 9.0 ausgetauscht werden. Diese Phase der weichen Migration endet für Import ATLAS 9.1 nach derzeitigen Planungen spätestens im vierten Quartal 2022, für NCTS erst später. AEB strebt die zeitgleiche Umstellung aller Verfahrensbereiche in Importanwendungen 2022 an.

  • Zelos: Ach richtig, da war ja noch was. Zunächst wird im nächsten Jahr der zentrale Austausch von Unterlagen, Anfragen oder Stellungnahmen in ATLAS Import ermöglicht. Für die Anmeldungen im Versandverfahren (NCTS) wird Zelos erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Wann diese Möglichkeit auch für Exportanmeldungen dann zollseitig zur Verfügung stehen wird, ist nicht bekannt gegeben worden.

Zum Artikel über die zollseitigen Releasetermine

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eCarnet

Bereits 2019 wurden erste Carnet ATAs in einer Testphase elektronisch ausgestellt. Jetzt zeichnen sich erste Schritte in Richtung einer digitalisierten Abwicklung auch in Deutschland ab. Ab Ende 2022 ist zunächst eine elektronische Antragsstellung vorgesehen. Bis zu einer vollständigen Ablösung ist es allerdings noch ein weiter Weg, da alle beteiligten Institutionen wie IHKen, Bürgen und nationale Zollbehörden in den digitalisierten Prozess eingebunden werden müssen.

Sorgfaltspflichten in der Lieferkette

Das Gesetz wird ab 2023 in Kraft treten, zunächst für Unternehmen ab einer Grösse von mehr als 3.000 Mitarbeitern gelten. Für diese gilt: Es muss ein unternehmensinternes Risikomanagement aufgestellt werden. Im Fokus steht der eigene Geschäftsbereich, z.B. Tochterunternehmen oder unmittelbare Zulieferer. Doch auch kleinere Unternehmen werden in der Folge betroffen sein. Insbesondere Zuliefererfirmen sollten mit Anfragen Ihrer Geschäftspartner rechnen und sich vorbereiten. Das BAFA als kontrollierende Behörde steckt bereits mitten in den Vorbereitungen. Derzeit wird eine gesonderte Abteilung mit 65 Stellen aufgebaut und Anfang 2022 werden Vorgaben zur regelmässigen Berichterstattung veröffentlicht. 

Zum Artikel: Neue Lieferkettengesetze - das sollten Sie wissen

Blick in die Schweiz - aus EZV wird BAZG

Bis Warenanmeldungen die Telematik-Software in einem LKW an der Deutsch-Schweizer-Grenze aktiviert und damit eine Zollanmeldung einem Bezahlvorgang an einer Self-Check-out-Kasse eines Supermarktes gleicht, vergeht sicher noch einige Zeit – aber die Digitalisierung schreitet strikt voran. Das Digitalisierungs- und Transformationsprogramm DaziT soll in den nächsten Jahren die EZV zum Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BZAG) umstrukturieren. Erst spürbare Auswirkung: Seit dem 1. Januar 2022 nennt sich die EZV neu "Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit" (kurz BAZG) und zum 3. Januar wurden die Websites zu BAZG umbenannt. 

Zum Artikel: Fenster zur Zukunft - DaziT modernisiert den Schweizer Zolltarif

DaziT – das Transformationsprogramm des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit

Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) sorgt für umfassende Sicherheit an der Schweizer Grenze. Um dies zu ermöglichen, möchte das BAZG die Organisation von Grund auf erneuern und die Chancen der Digitalisierung nutzen.
Was bedeutet DaziT und PASSAR 2023 für Ihr Unternehmen?

Änderungen im Warenverkehr mit Grossbritannien

Auch wenn EU-Unternehmen die meisten Hürden, die der Brexit gebracht hat, mittlerweile gemeistert haben, sollte man die zollseitigen Änderungen in UK nicht aus dem Blick verlieren. Im Border Operation Model des britischen Zolls wurden unlängst die neuen Zeitpläne veröffentlicht. Einfuhranmeldungen für Standardwaren müssen durch den Importeur ab 1. Januar 2022 vollständig an den Zoll gemeldet werden. Ausserdem werden Waren, die sanitären und phytosanitären (SPS) Kontrollen unterliegen, ab 2022 kontrolliert und bedürfen einer Voranmeldung. Diese physischen Kontrollen und Probeentnahmen werden nach dem neuen Zeitplan ab Juli 2022 an britischen Grenzkontrollstellen erfolgen. Daher sollten EU-Unternehmen in diesen Fällen mit Rückfragen von Geschäftspartnern rechnen. 

Zum Artikel: Übergangsfristen nach Brexit