Versand und Transportmanagement: Den CO2-Footprint meistern
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Versand und Transportmanagement: Den CO2-Footprint meistern

Erfahren Sie, wie Logistikabteilungen das Reporting und Management ihres CO2-Footprints meistern: Staatliche Regulierungen, Green Deal und CSRD-Richtlinie prägen die Anforderungen.

Staatliche Regulierungen, zunehmender Klimawandel, steigende Energiepreise und wachsende Kundenanforderungen: Der Carbon Footprint rückt in den Logistikabteilungen verladender Unternehmen immer mehr in den Fokus. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gilt es zu berücksichtigen, was sind die größten Herausforderungen und welche Lösungsansätze gibt es?

Europa strebt mit dem europäischen Green Deal bis 2050 Klimaneutralität und verstärkte Nachhaltigkeit an. Daraus resultiert eine Fülle an Vorschriften und Richtlinien, die auch die Logistik-Praxis verladender Unternehmen entscheidend beeinflussen wird.

Ein wesentliches Element des Green Deals ist die 2023 in Kraft getretene europäische Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive). „Die CSRD stellt das Nachhaltigkeits-Berichterstattung mit dem finanziellen Reporting gleich“, erklärt Talia Baxmann, Sustainability Managerin bei Gryn, einem IT-Anbieter für Carbon-Footprint-Management in der Logistik. So müssen Sustainability-Berichte künftig nach einheitlichen Standards angefertigt und im Lagebericht veröffentlicht werden. „Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sowohl CO2-Emissionen berechnen als auch klare Reduktionsziele in ihren Berichten angeben müssen.“

Erste Reportings bereits für das Jahr 2024

Wann Unternehmen nach der CSRD berichten müssen, hängt von mehreren Faktoren wie Umsatz oder Mitarbeiterzahl ab, die u. a. die IHK Schleswig-Holstein auf ihrer Seite zusammenfasst. Pauschal gesagt müssen größere Unternehmen früher starten wie kleinere – die ersten CSRD-Berichte müssen 2025 für das Jahr 2024 erstellt werden.

Allerdings dürften dann auch bereits viele kleinere Unternehmen betroffen sein. „Am Ende des Tages ist es wie ein Schneeballsystem: Größere Unternehmen müssen früher mit dem CSRD-Reporting beginnen, benötigen für den eigenen Footprint aber auch vor- und nachgelagerte Emissionen. Das heißt, sie werden die Informationen zu CO2-Emissionen für eingekaufte Güter von ihren Zulieferern verlangen“, schildert Oliver Ritzmann, Gründer und CEO von Gryn. Insofern müssen sich auch kleinere Unternehmen frühzeitig mit dem Thema Carbon Footprint beschäftigen.

Logistikabteilungen müssen liefern

In der Praxis gehen die Corporate-Sustainability-Abteilungen bzw. -Verantwortlichen auf die jeweiligen Teams zu, um den Teil-Footprint der unterschiedlichen Fachabteilungen einzufordern. Das stellt auch die Logistik oftmals vor Herausforderungen: Wie können wir den Fußabdruck in unserem Bereich erfassen? Welche Daten benötigen wir dazu, woher bekommen wir diese und wie berechnen wir daraus den Footprint?

„Es gibt so viele Vorgehensweisen, Methodiken, Standards und Tools – und jeder berechnet den Footprint anders. Hier die richtigen und passenden auszuwählen, ist oftmals nicht einfach“, berichtet Talia Baxmann von ihren Praxiserfahrungen.

Datenqualität entscheidend

So verwendet etwa ein Teil der verladenden Unternehmen, die ja in der Regel keinen eigenen Fuhrpark haben, in der Transportlogistik die Daten, die von den Transportdienstleistern bereitgestellt werden. Diese fallen dann im Footprint in den sogenannten Scope 3, zu dem sowohl die vorgelagerten als auch nachgelagerten Transporte zählen.

Ein anderer Teil der Verlader berechnet die Emissionen in der Transportlogistik eigenständig auf Basis der erhaltenen und verschickten Lieferungen. Dazu kommen oftmals Durchschnittsdaten in Abhängigkeit von Faktoren wie Transportmodus, Gewicht und Entfernung zum Einsatz. „Hier fängt das Problem schon an: Jeder berechnet beispielsweise die Distanzen anders“, schildert Talia Baxmann.

„Entscheidend ist, dass die Daten trustworthy erfasst werden – also in hoher Qualität und entsprechend den regulatorischen Anforderungen“, sagt Oliver Ritzmann. „Schließlich müssen Wirtschaftsprüfer die CSRD-Berichte der Unternehmen auditieren.“

Und hier kommen dann auch Tools wie die Gryn-Plattform ins Spiel: Einerseits gibt diese präzise vor, welche Daten überhaupt notwendig sind. Andererseits hilft sie auch, die Qualität der Daten von Transportdienstleistern zu bewerten. „Wir zeigen beispielsweise ganz genau auf, welcher Transportdienstleister auf welcher Grundlage und in welcher Qualität berichtet“, so Oliver Ritzmann.

Neue ISO-Norm schafft Klarheit

Eine besondere Rolle beim Thema Datenqualität könnte die im März 2023 veröffentlichte Norm ISO 14083 spielen, die einen umfassenden Ansatz zur Berechnung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen aus Transportvorgängen liefert. „Diesen Standard sollten alle Logistiker im Blick haben“, meint Talia Baxmann. „Er gewährleistet nicht nur Compliance hinsichtlich der CSRD-Anforderungen, sondern ermöglicht auch eine gute Vergleichbarkeit – etwa, wenn im Versand Transportdienstleister hinsichtlich Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden.“

Die ISO 14083 löst die europäische Norm EN 16258 ab und steht im Einklang mit anerkannten Standards wie dem GHG Protocol, der ISO 14064 sowie dem GLEC-Framework. Und vor allem: Sie konzentriert sich nicht (nur) auf die Quantifizierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen einzelner Transporte, sondern in ganzen multimodalen und globalen Transportketten – inklusive der Emissionen in Umschlagspunkten und Verteilzentren (Häfen, Hubs, etc.) sowie für Transportverpackung.

Mit KI zum Dekarbonisierungsplan

Hat ein Unternehmen die Logistik-Emissionen erfasst, folgt der nächste notwendige Schritt: Das Aufstellen eines Planes, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Denn Unternehmen müssen nach der CSRD nicht nur ihren Footprint, sondern eben auch einen Reduktionsplan berichten.

Auch hier hilft Software. Oliver Ritzmann: „Angenommen, du willst deine Emissionen innerhalb der nächsten 12 Monate um zehn Prozent reduzieren. Dann erstellt der Gryn AI Manager auf Basis historischer Sendungsdaten und weiterer Informationen einen individuellen Dekarbonisierungs-Fahrplan. Dieser enthält konkrete Vorschläge für Maßnahmen, um das Reduktionsziel zu erreichen.“

Das schöne dabei, so der Gryn-CEO: Der Weg dahin müsse kein umfangreiches Projekt sein. Vieles funktioniere Plug & Play, man könne einfach anfangen und erzielt kurzfristig bereits Transparenz. „Unternehmen sollten daher früher als später handeln und mit ihrem Carbon Footprint Management einfach starten.“

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