Pressemitteilung

Export- / Import-Seismograf: Brexit-Depression setzt sich fort

  • Deutsche Exporte nach Großbritannien gehen im 3. Quartal 2017 deutlich zurück
  • Exportmengen in die USA wachsen um 18 %: America-First-Politik bisher ohne Auswirkungen auf den deutschen Außenhandel
  • Freihandelsabkommen der EU mit Japan bringt langfristig Belebung – aber kein Wirtschaftswunder

Stuttgart / Würzburg, 19. Februar 2018 – Das Tief des deutsch-britischen Handels hat auch im 3. Quartal 2017 angehalten. Die deutschen Unternehmen führten mit 20,7 Mrd. Euro 3,6 % weniger Waren nach Großbritannien aus als im Vorjahresquartal – betroffen sind auch deutsche Schlüsselindustrien wie Automotive, Chemie und Maschinenbau. Das geht aus dem heute veröffentlichten Export- und Importseismografen Deutschland (ESD/ISD) hervor, den das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, das auf Außenwirtschaft und Logistik spezialisierte Softwarehaus AEB sowie die Agentur Hocke + Partner gemeinsam herausgeben. Der Effekt auf die Transportmengen zwischen Deutschland und Großbritannien ist hingegen weniger dramatisch. Bezogen auf das Gewicht wuchsen die Warenströme in Richtung UK sogar um 1,6 % auf 4,7 Mio. t.

Export- / Import-Seismograf
Export- / Import-Seismograf

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Christian Kille vom IAL und dem AEB-Außenwirtschaftsexperten Dr. Ulrich Lison hat die Negativentwicklung zwei Gründe: Erstens die schwache britische Konjunktur, die seit der Ankündigung des Brexits unter der Unsicherheit von Unternehmen und Verbrauchern leidet. Zweitens das schwache britische Pfund und die relativ hohe Inflation in Großbritannien, die laut dem Herbstgutachten der EU-Kommission mit 2,7 % im Jahr 2017 deutlich über dem Wert der Eurozone (1,5 %) lag.

Insgesamt 6,6% mehr deutsche Exporte im dritten Quartal
Das relativ schwache britische Pfund macht für deutsche Unternehmen und Verbraucher den Kauf britischer Waren attraktiver“, nennt Kille eine weitere Auswirkung. Dies lässt sich auch im ESD/ISD ablesen. Deutschland importierte im 3. Quartal 2017 britische Waren im Wert von 9,2 Mrd. Euro – 5,3 % mehr als im Vorjahresquartal.

Insgesamt war der schwächelnde Export nach Großbritannien jedoch einer von wenigen Bremsklötzen der deutschen Außenhandelslokomotive. Gemessen am Wert stiegen die deutschen Exporte gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,6 % auf 317 Mrd. Euro, wobei die Exportmenge mit 100,9 Mio. t stagnierte. Ganz im Gegensatz zum Brexit hat die Ankündigung einer America-First-Politik durch US-Präsident Donald Trump der deutschen Exportwirtschaft nicht geschadet. Im Gegenteil: Die deutschen Exportmengen in die USA wuchsen um 18,2 % auf 2,5 Mio. t. Allerdings bleibt abzuwarten, wie der Außenhandel reagiert, wenn Trump seine Drohung wahrmacht und Maßnahmen zur Verteuerung von Importen ergreift.

Indirekt profitieren Deutschland und die EU übrigens von der Wirtschaftspolitik Trumps. So gelang es der EU, im Dezember ein Freihandelsabkommen mit Japan unter Dach und Fach zu bringen. Beide Seiten werteten dieses auch als Zeichen gegen den weltweit aufkommenden Protektionismus. In früheren Jahren hatte sich Japan auf die Transpazifische Partnerschaft (TPP) fokussiert, aus der die USA unter Trump trotz Unterzeichnung ausscherten.

Exportwachstum in Richtung Japan könnte Einbrüche im US-Geschäft nicht ausgleichen
Das Abkommen zwischen der EU und Japan wird frühestens 2019 in Kraft treten und die EU-Unternehmen voraussichtlich um rund eine Milliarde Euro an Zöllen entlasten. In der EU dürften die Hersteller von Arzneimitteln, Medizinprodukten, Kraftfahrzeugen, Beförderungsmitteln sowie die Agrar- und Lebensmittelbranche besonders profitieren. „Ein Blick in den ESD/ISD zeigt, dass die deutsche Exportwirtschaft von dem Abkommen mit Japan keine Wunderdinge erwarten sollte. Der Wert der deutschen Exporte nach Japan lag im 3. Quartal 2017 bei 5,2 Mrd. Euro. Das sind nicht einmal 20 % des Wertes der Ausfuhren in die USA. Intensivere wirtschaftliche Verflechtungen mit Japan können weder einen Einbruch der US-Exporte noch des Handels mit Großbritannien kompensieren“, sagt Dr. Ulrich Lison.

Hinweis für Redaktionen: Angaben zu weiteren Ländern und Branchen sowie Grafiken finden Sie im beigefügten Grafikmaterial.

Pressekontakt:

  • Prof. Dr. Christian Kille
    Hochschule für angewandte Wissenschaften
    Würzburg-Schweinfurt
    Institut für Angewandte Logistik IAL
    Tel. + 49 (0)151 11231233
    chrstnkllfhwsd
  • fischerAppelt, relations GmbH
    Gerrit Vorjans
    PR-Beratung
    Tel. +49 (0)40 - 899 699 - 581
    gvfschrppltd

Über den ESD/ISD

Der Export- und Importseismograf Deutschland (ESD/ISD) erscheint als vierteljährliche Analyse und beleuchtet die Außenhandelsströme von und nach Deutschland. Er wird gemeinsam von dem Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaft Würzburg-Schweinfurt, dem Softwareunternehmen AEB und den Kommunikationsberatern Hocke + Partner herausgegeben. Fachlicher Kopf des Projektes ist Prof. Dr. Christian Kille. Der ESD/ISD erschien erstmals im Oktober 2010. Die Auswertungen beruhen u. a. auf Daten des Statistischen Bundesamtes.


Über AEB

(www.aeb.de)
Seit mehr als 35 Jahren unterstützt die AEB GmbH mit ihrer Software die Logistik- und Außenwirtschaftsprozesse von Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Mehr als 5.000 Kunden aus über 35 Ländern nutzen die Lösungen beispielsweise für das Transport- und Lagermanagement, die Import- und Exportabwicklung sowie das Präferenzmanagement. Sie profitieren von höherer Effizienz, Rechtssicherheit und Transparenz – auch international. Möglich machen dies beispielsweise automatisierte Zoll- und Embargoprüfungen, die verbesserte Zusammenarbeit mit Partnern in der Lieferkette sowie automatisierte Versandprozesse. Das AEBPortfolio reicht von schnell einsetzbaren Online-Lösungen bis hin zur umfassenden Logistiksoftware.

AEB hat ihren Hauptsitz sowie eigene Rechenzentren in Stuttgart und deutsche Standorte in Hamburg, Düsseldorf, München, Soest, Mainz und Lübeck. International vertreten ist AEB in Großbritannien (Leamington Spa), Singapur, in der Schweiz (Zürich), Schweden (Malmö), in den Niederlanden (Rotterdam), in Tschechien (Prag), Frankreich (Paris) und in den USA.

Über das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Das IAL ist als Forschungsinstitut eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und wurde am 01.10.2006 gegründet. Das Institut hat wie die FHWS Standorte in Würzburg und Schweinfurt. Das IAL bündelt interdisziplinär alle Forschungsaktivitäten der Hochschule Würzburg-Schweinfurt im Bereich Logistik.

Tätigkeitsschwerpunkte aus der anwendungsorientierten Forschung sind Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens und der Waren- und Personenmobilität, die systematische Aufbereitung von Daten für unternehmerische Entscheidungen im Rahmen von Studien oder Geschäftspotenzialerhebungen sowie die Diagnose, Analyse, Gestaltung und Steuerung logistischer Geschäftsprozesse.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen