Supply Chain Management

Harter Brexit gefährdet Lieferketten

Ein harter Brexit würde die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals stark treffen, so eine aktuelle Studie – obwohl sich der Handel mit Großbritannien bereits heute deutlich abschwächt.

Die Produktion von Gütern wird immer internationaler: Einzelteile für Flugzeuge oder Autos überschreiten häufig zahlreiche Landesgrenzen, bis sie zu einem fertigen Produkt zusammengesetzt werden. Viele deutsche Industrieunternehmen sind auf solche Vorleistungen aus dem Ausland angewiesen – und nicht selten sitzen die Partner in Großbritannien. 

Harter Brexit gefährdet Lieferketten

Ein harter Brexit gefährdet diese enge Zusammenarbeit oder macht sie durch Zölle und andere Kosten zumindest teurer, sollten sich die Partner nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen. Allein die Chemieunternehmen und die Automobilindustrie erhalten jährlich Vorleistungen in Milliardenhöhe aus Großbritannien. 

In die Gegenrichtung fließen ebenfalls Waren und Leistungen in Milliardenhöhe. Schon geringe Zölle würden die Preise nach oben treiben. „Die komplexen Lieferketten könnten durch den Brexit schlimmstenfalls gesprengt werden“, warnt Berthold Busch, Wissenschaftler beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Ein harter Brexit könnte so massive Schäden anrichten.

Wie kann ein harter Brexit abgemildert werden?

Wie eine Studie des IW zeigt, sind vor allem die Branchen des sonstigen Fahrzeugbaus – beispielsweise Luft- und Raumfahrzeuge –, der Metallbearbeitung und die Chemieindustrie auf Vorleistungen von der Insel angewiesen. Doch auch im Fahrzeugbau haben britische Zulieferer großen Einfluss auf die deutschen Partner.

„Die deutsche Industrie würde ohne ein Freihandelsabkommen empfindlich getroffen werden“, sagt Busch. Auch auf der anderen Seite des Kanals sieht es in den Lieferketten nicht besser aus. Ein harter Brexit? Diesen müssen dort vor allem die Dienstleistungsunternehmen fürchten, die viele Geschäfte mit Deutschland und der EU machen.

Harter Brexit: Preise könnten steigen

Einigen sich die Partner nicht auf zollfreien Handel und möglichst geringe nichttarifäre Handelshemmnisse, könnten die Kosten für die Industrie nachhaltig steigen. Dann könnten auch die Preise anziehen. „Am Ende würden dann auch die deutschen Verbraucher die Zeche zahlen“, sagt Busch für den Worst-Case "harter Brexit". 

Vor einem harten Brexit: Der Handel schwächelt

Die Warnung des IW kommt zu einer Zeit, in der der deutsche Außenhandel mit Großbritannien vor einem Harter-Brexit-Szenario bereits deutliche Bremsspuren aufweist. So ging in den ersten drei Monaten des Jahres 2017 der Wert der deutschen Exporte nach Großbritannien gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,6 % auf 22,2 Mrd. Euro zurück. 

Zum Vergleich: Im Durchschnitt wuchsen die deutschen Ausfuhren in die EU-Staaten um 6,5 %. Das geht aus dem Export- / Import-Seismograf Deutschland hervor, den das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und das auf Außenwirtschaft sowie Logistik spezialisierte Softwarehaus AEB gemeinsam herausgeben. 

Welche Konsequenzen ein harter Brexit mit sich bringen könnte, erläutert beispielsweise der Beitrag "Harter Brexit - das wären die Folgen" auf Tagesschau.de oder das Interview "Ein harter Brexit würde Deutschland erheblich treffen" mit Volkswirt Stefan Bielmeier auf capital.de.

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