Unionszollkodex

Neubewertung von Bewilligungen: Zoll prüft in zwei Schritten

Der Zoll startet mit der Neubewertung aller vor dem 1. Mai 2016 erteilten unbefristeten Bewilligungen - beispielsweise für AEO oder Zugelassener Ausführer.

Björn Helmke 21.03.2017

Die Inhaber von Bewilligungen werden ab dem 1. Quartal bis Mitte des 2. Quartals 2017 vom zuständigen Hauptzollamt angeschrieben. Mit dem Schreiben werden sie über den Ablauf der Neubewertung sowie über die Mitwirkungspflichten und einzureichenden Unterlagen informiert. Unternehmen, die mehrere Bewilligungen innehaben, werden in aller Regel nur einmal angeschrieben. Der Zoll hat die neu zu bewertenden Bewilligungen in zwei Gruppen aufgeteilt.

Gruppe 1: Bewilligungen, die im ersten Schritt neubewertet werden

Es handelt sich um unbefristet erteilte Bestandsbewilligungen, bei denen der UZK  geänderte Bewilligungskriterien vorsieht. Die Neubewertung dieser Bewilligungen führt jedoch grundsätzlich nicht zu einem Nachteil für die Unternehmen. 

In diese Gruppe ordnet der Zoll unter anderem folgende Bewilligungen ein: 

  • AEO C, AEO S und AEO F
  • Zugelassener Ausführer (ZA) gem. Art. 285 ZK-DVO
  • Zugelassener Empfänger (ZE) und TIR (ZT) sowie Zugelassener Versender (ZV)
  • Gesamtsicherheit (GE) Versand und Befreiung von der Sicherheitsleistung (BE)
  • Zahlungsaufschub (AK).

AEO: Zollrechtliche Vereinfachungen inklusive

Der AEO wurde zur Verbesserung der Absicherung der internationalen Lieferkette vom Hersteller bis zum Endverbraucher einer Ware eingeführt. Dies schließt Ein - und Ausfuhr natürlich ein. Ziel des AE-Status ist es, den weltweiten legalen Handel durch Sicherheitsmaßnahmen so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Ein AEO kommt in den Genuss von Sicherheits- und/oder Handelserleichterungen. Dabei wird unterschieden zwischen drei verschiedenen Arten eines AEO. Dies sind AEOC – AEO Customs (Zollrechtliche Vereinfachungen), AEOS - AEO Security (Sicherheit) und AEOF - AEO Full (Zollrechtliche Vereinfachungen und Sicherheit).

Zugelassener Ausführer: Exportieren im Vereinfachten Verfahren

Als zugelassener Ausführer (ZA) kann ein Unternehmen im vereinfachten Verfahren ZA Waren ausführen. Dabei entfällt die Abfertigung bei der Ausfuhrzollstelle. Die Abfertigung beinhaltet die Vorlage der Ausfuhranmeldung und die Gestellung der Waren vor dem Abgang der Waren. Voraussetzung ist die Bewilligung als zugelassener Ausführer (ZA).

Zugelassener Empfänger (ZE): Befördern ohne Gestellung

Waren dürfen im Versandverfahren ohne Gestellung direkt zum Betrieb des Empfängers befördert werden. Von dort aus beendet der ZE das Versandverfahren. Er erstellt anschließend die elektronische Zollanmeldung und sendet sie an das zuständige Zollamt.

Zugelassener Versender (ZV): Versenden ohne Gestellung

Ein ZV darf Versandvorgänge ohne Gestellung durchführen. Er meldet die Waren elektronisch im NCTS-Verfahren an und darf nach Überlassung den Versandvorgang starten.


Gruppe 2: Bewilligungen werden ab 1. Mai 2019 neubewertet

In der Gruppe 2 werden unbefristet erteilte Bestandsbewilligungen erfasst, die strengeren Anforderungen nach dem UZK unterliegen. Oder Bewilligungen die in ihrer bisherigen Form ganz wegfallen. Die Neubewertung von Bewilligungen dieser Gruppe wird bundesweit einheitlich zum Stichtag 1. Mai 2019 wirksam. 

In diese Gruppe ordnet der Zoll folgende Bewilligungen ein: 

  • Anschreibeverfahren in eigenem Namen bzw. in eigenem Namen aber für fremde Rechnung (A1): Typ C: „mit Wirkung im Zeitpunkt der Anschreibung"
  • Vereinfachte Überführung in die Aktive Veredelung/Nichterhebungsverfahren und in das Umwandlungsverfahren im Anschreibeverfahren in eigenem Namen (A3) Typ C: „mit Wirkung im Zeitpunkt der Anschreibung"
  • Vereinfachte Überführung in das Zolllagerverfahren im Anschreibeverfahren in eigenem Namen (A9) Typ C: „mit Wirkung im Zeitpunkt der Anschreibung"
  • Anschreibeverfahren in fremdem Namen (A2)
  • Einzige Bewilligung für vereinfachte Verfahren
  • Anschreibeverfahren mit Gestellungsbefreiung in eigenem Namen bzw. in eigenem Namen, aber für fremde Rechnung (G1)
  • Anschreibeverfahren mit Gestellungsbefreiung in fremdem Namen (G2)
  • Zugelassener Ausführer (ZA) gem. Art. 285a Abs. 1a ZK-DVO (Abgabe einer nachträglichen Sammelausfuhranmeldung)
  • Zolllager Typ A, B, C, D und E
  • Vorübergehende Verwahrung (VL)


Aufgrund der hohen Zahl der Bewilligungen ist mit einer Bekanntgabe der Ergebnisse der Neubewertung nicht vor Ende 2018 zu rechnen. Das Ergebnis der Neubewertung wird den Bewilligungsinhabern schriftlich durch das zuständige Hauptzollamt mitgeteilt. 

Befristete Bewilligungen sind nicht in die Neubewertung eingeschlossen. Ihre Inhaber müssen sie vor Ende ihrer Geltungsdauer neu beantragen. Wenn befristete Bewilligungen über den 30. April 2019 hinaus gültig sind, widerruft sie der Zoll zum 1. Mai 2019. 

Die Website des Zolls enthält umfangreiche Informationen zum Inhalt und Ablauf der Neubewertung. Besonders interessant sind die Fragenkataloge, die für die Neubewertung von den Unternehmen auszufüllen und abzugeben sind.

Schlau machen durch ein Seminar

Falls Sie sich vorab mit der Neubewertung beschäftigen wollen,  besuchen Sie eines unserer Seminare. Eine erwähnenswerte Alternative: Gezielte Vorbereitung durch ein Inhouse-Seminar in ihrem Haus – gehalten von AEB-Experten. Nehmen Sie hierzu per E-Mail Kontakt mit uns auf: seminare@aeb.com.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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