Weihnachtliche Zollabwicklung

Wie Weihnachtsgeschenke Zollschranken überwinden

Der Weihnachtsmann ist dieses Jahr noch mehr im Stress als sonst. Auf Empfehlung der Unternehmensberatung McChristmas hat er seine Prozesse reorganisiert und steht nun vor gravierenden Supply-Chain-Fragen: Was muss er beim Outsourcing der Geschenkeproduktion beachten? Darf er Kindern in Embargoländern Geschenke bringen? Und wie kann er seine Zollkosten senken? Ein Gespräch mit den Außenwirtschaftsexperten von AEB hilft ihm weiter.

Björn Helmke 17.12.2018

Weihnachtsmann: Durch Outsourcing der Geschenkeproduktion beziehe ich die Präsente nicht mehr aus der eigenen Wichtelfabrik am Nordpol, sondern von Lieferanten aus aller Welt. Aber es sind ja Geschenke – dafür muss ich doch keinen Zoll zahlen, oder?

AEB: Wir befürchten, dass der deutsche Zoll das anders sieht. Deine Lieferanten sind jetzt Unternehmer. Und aufgrund des Umfangs Deiner Geschäftstätigkeit wirst Du ziemlich sicher auch als Unternehmer eingestuft. Du kannst natürlich zum Zoll gehen und erklären, dass Du der Weihnachtsmann bist und eine Sonderbehandlung willst. Aber erstens gibt es keine gesonderte gesetzliche Grundlage für Weihnachtsmänner und ein Insistieren auf diesen Sonderstatus könnte nicht das Humorzentrum der Beamten treffen. Schlimmstenfalls musst Du sogar negative Konsequenzen fürchten – bis hin zur Aberkennung der Geschäftsfähigkeit.

Weihnachtsmann: Laut meinem Oberzollwichtel muss ich für jede Sendung für Kinder außerhalb der EU eine elektronische Ausfuhranmeldung abgeben. Bei Millionen Geschenken sind das Millionen Anmeldungen in kürzester Zeit!

AEB: Eventuell ist die Kleinsendungsregelung für Dich interessant. Für Ausfuhrsendungen mit Warenwert bis 1.000 Euro müssen Exporteure keine elektronische Ausfuhranmeldung abgeben. Die Dienstvorschrift des Zolls zum Ausfuhrverfahren definiert „Ausfuhrsendung“ folgendermaßen: „Eine Ausfuhrsendung umfasst die Waren, die ein Ausführer auf Grundlage eines Ausfuhrvertrags an einen Empfänger ausführt.“ In diesem Fall könntest Du den Wunschzettel als Ausfuhrvertrag interpretieren. Sofern der Warenwert unter den 1.000 Euro bleibt, könnten Deine Wichtel die Ausfuhr bei der Ausgangszollstelle mündlich oder konkludent anmelden. Ob dies angesichts der Geschenkemassen das schlankere Verfahren ist, lassen wir mal dahingestellt. 

Auch der Weihnachtsmann kann sich nicht vor der Zollbeschau drücken (Quelle: Eli Nasser)
Auch der Weihnachtsmann kann sich nicht vor der Zollbeschau drücken (Quelle: Eli Nasser)

Weihnachtsmann: Ich habe mein Zentrallager zwecks Kundennähe vom Nordpol nach Hamburg verlegt. Über 70 % der Waren, die ich von meinen internationalen Lieferanten dorthin geliefert bekomme und dort verzolle, führe ich am Heiligen Abend in alle Welt aus. Ein Wahnsinnsaufwand! Geht das nicht einfacher?

AEB: Doch. Versuch mal, für Dein Lager den Status eines privaten Zolllagers zu bekommen. Dort verzollst Du die Ware erst, wenn Du Sie entnimmst. Bei einer Wiederausfuhr aus der EU musst Du gar keine Abgaben entrichten. Die schlechte Nachricht: Vor Weihnachten kriegst Du das Zolllager mit Sicherheit nicht mehr bewilligt.

Weihnachtsmann: Muss ich meinen Schlitten und die Rentiere eigentlich auch verzollen, wenn ich mit Ihnen in ein anderes Land fahre?

AEB: Nein, nicht wenn Du sie nach der Bescherung wieder ausführst. Allerdings: Wir sind da keine Experten, aber in vielen Ländern gibt es restriktive veterinärmedizinische Vorschriften für die Einfuhr von lebenden Tieren. Wenn Du Deine Rentiere nicht monatelang in Quarantäne stecken willst, solltest Du die nationale Feinverteilung lieber mit ortsansässigen Tieren durchführen. In den USA und Kanada ist das kein Problem, da gibt es Karibus. In Südamerika könnten beispielsweise Lamas oder Tapire den Schlitten ziehen, in Afrika Zebras oder Strauße, die auch flott unterwegs sind.

Zitat Weihnachtsmann
Zitat Weihnachtsmann
,,„Natürlich kannst Du zum Zoll gehen und erklären, dass Du der Weihnachtsmann bist. Schlimmstenfalls musst Du aber die Aberkennung der Geschäftsfähigkeit fürchten.“

Weihnachtsmann: Was ist mit den Exportkontrollvorschriften? Muss ich die Kinder etwa gegen die Sanktionslisten screenen?

AEB: Soweit wir wissen, führst Du selber eine umfangreiche Sanktionsliste für unartige Kinder. Da macht der Abgleich mit den Terrorlisten den Kohl auch nicht mehr fett. Im Rahmen eines IT-Projektes können wir Deine Sanktionsliste übrigens als manuelle Beschränkung in unserer Compliance-Software anlegen. Noch ein kleiner Tipp: Dort wo es möglich ist, solltest Du für Deine Rute, die für Dich ja Berufsausrüstung ist, ein Carnet ATA eröffnen. Dann gibt es bei der Einfuhr und späteren Wiederausfuhr keinen Ärger. 

Weihnachtsmann: Und darf ich Kindern in Embargoländern Geschenke bringen?

AEB: Ja, die meisten restriktiven Maßnahmen zielen auf Waffen, Dual-Use-­Güter und Finanzströme und nicht auf Waren des täglichen Bedarfs. Wenn sich allerdings ein nordkoreanisches Kind eine kleine Raketenabschuss­basis wünscht, solltest Du natürlich schon die Augen offenhalten. Und Du solltest auch mal prüfen, ob Chemiekästen, Computerzubehör oder andere Präsente auf den einschlägigen Güterlisten zu finden sind.

Weihnachtsmann: Nochmal zu den Importen. Die Zölle kosten mich noch meine letzte Zipfelmütze! Kann ich die Abgabenlast nicht irgendwie senken? 

AEB: Du kannst Freihandelsabkommen nutzen. Die EU hat mehr als 40 Freihandelsabkommen mit weit über 100 Staaten abgeschlossen. Für Waren, die ihren Ursprung in diesen Ländern haben, kannst Du Zollpräferenzen nutzen. Das erfordert allerdings Ursprungsnachweise. Aufgrund Deiner Globalisierungsstrategie könnte sich der Aufwand aber lohnen. Anders herum kannst Du übrigens auch Zollpräferenzen für in der EU hergestellte Waren nutzen, wenn Du sie in ein Land exportierst, mit dem es ein bilaterales Abkommen gibt.

Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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