Lieferverkehr

Streit um konsolidierte Paketzustellung

Was bringt es für Umwelt und Zustellkosten, wenn die Paketdienste in Innenstädten ihre Sendungen nicht mehr getrennt, sondern konsolidiert zustellen? Keine oder sogar negative Effekte sieht der KEP-Verband BIEK und beruft sich auf eine Untersuchung. Der BdKEP und ein Beratungsunternehmen halten dagegen.

In manchen innerstädtischen Straßen halten täglich die Fahrzeuge von vier oder mehr KEP-Dienstleistern, die Pakete an die Anwohner zustellen. Umweltschützer und einige Kommunalpolitiker halten das für Verschwendung und eine unnötige Belastung der Umwelt. Sie plädieren für eine Konsolidierung der Paketzustellung. Nur noch ein Zustellfahrzeug pro Tag sollte eine Lieferadresse anfahren.

BIEK warnt vor höheren Transportkosten und längeren Paketlaufzeiten

Die großen Paketdienste sind von diesem Vorschlag nicht begeistert. Der Branchenverband BIEK (Bundesverband Paket und Expresslogistik), in dem unter anderen Hermes, UPS, DPD und GLS organisiert sind, hat die Auswirkungen einer Konsolidierung am Beispiel zweier KEP-Unternehmen in Nürnberg und München untersucht. „Eine Gebietskonsolidierung erhöht die Transportkosten, generiert Schwerlastverkehre, verlängert die Paketlaufzeiten des jeweils abgebenden KEP-Unternehmens und bringt im Zustellgebiet nur minimale verkehrliche Entlastungen, die durch die Inter-Depot-Verkehre je nach geographischer Lage der Depots teils erheblich konterkariert werden“, heißt es in einem entsprechenden BIEK-Positionspapier. „Ein sehr deutliches Ergebnis der Simulationen ist die Tatsache, dass die zulässige Tourendauer und damit die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit des Paketzustellers die eigentliche Restriktion einer Gebietskonsolidierung darstellt; für eine nachhaltige Stadtlogistik sind also andere Konzepte zielführend“, so der BIEK weiter.

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Transcare sieht keine Notwendigkeit für Interdepotverkehre

Der Transportunternehmer Verband BdKEP (Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste), der insbesondere die Interessen kleinerer Kurierunternehmen und der Subunternehmer vertritt, und die Verkehrsberatung Transcare halten dagegen. Sie werfen dem BIEK „mathematischen Unsinn“ und methodische Unzulänglichkeiten vor. Ralf Jahncke, geschäftsführender Gesellschafter von Transcare, kritisiert, dass der BIEK die Auswirkung der Konsolidierung auf den sogenannten Stoppfaktor vernachlässigt habe. Bisher stellt ein Zusteller pro Stopp 1,85 Pakete zu. Liefert er für alle Paketdienste aus, steige der Stoppfaktor auf 8 bis 10. Jahncke kritisiert außerdem, dass der BIEK mit sogenannten Interdepotverkehren kalkuliere. Das heißt, dass die Pakete zunächst dezentral in die Depots der einzelnen Paketdienste angeliefert werden und dann in das Zustelldepot gebracht werden. Das sei Logistik aus den 80er Jahren. Die Pakete müssten stattdessen direkt in das für die Zustellung zuständige Depot angeliefert werden.

BdKEP: Für eine Stadt wie München lassen sich 3 Mio. Fahrkilometer einsparen

BdKEP-Vorsitzender Andreas Schuhmann betont, dass laut einer früheren Berechnung des BIEK eine Ersparnis von 26 % bei der Tourenlänge für die Stadt München rund 3 Mio. gefahrene Kilometer weniger im Jahr bedeuten würde. Und das sei für eine Stadt und seine Bewohner nicht zu missachten. Schuhmann sieht aus Sicht der Subunternehmer durch eine Konsolidierung zudem eine erhebliche Kosteneinsparung der Subunternehmer.

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