ESD/ISD

Außenhandel: Handelskonflikt mit USA würde massiv schaden

Maschinenbau, Chemie und Autoindustrie erwirtschaften hohe Exportüberschüsse im US-Geschäft. Ein Handelskonflikt gefährdet im Außenhandel jeweils rund 10 % der deutschen Exporte.

Björn Helmke 07.05.2018

Ein Handelskonflikt im Außenhandel zwischen der EU und den USA mit einer Spirale von gegenseitigen Strafzöllen und Handelsbeschränkungen würde die drei wichtigsten deutschen Industriebranchen besonders hart treffen. Darauf weisen die Verfasser des Export-/Import-Seismograf Deutschland (ESD/ISD) nach einer Außenhandel-Analyse der Mengen und Werte hin, die im Jahr 2017 zwischen Deutschland und den USA gehandelt werden. „Die Automotivebranche, die Chemieindustrie und der Maschinenbau stehen wertmäßig für 61 % und mengenmäßig für fast 50 % der deutschen Exporte in die USA“, sagt Prof. Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, das den ESD/ISD gemeinsam mit dem Softwarehaus AEB herausgibt.

„Für alle drei deutschen Schlüsselindustrien liegt der Anteil der Ausfuhren in die USA an ihren weltweiten Ausfuhren bei mehr als 10 %“, ergänzt Dr. Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte bei AEB. Eine Eskalation des Handelskonfliktes mit den USA würde den deutschen Industrieunternehmen massiv schaden. Insgesamt führte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2017 Güter mit einem Gewicht von 9,6 Millionen Tonnen (+12,8 % vs. 2016) und einem Wert von 111,5 Milliarden Euro (+4,4 % vs. 2016) in die USA aus. Die US-Wirtschaft exportierte Güter mit einem Gewicht von 17,4 Millionen Tonnen (-0,6 % vs. 2016) und einem Wert von 61,1 Milliarden Euro (+5,3 % vs. 2016) nach Deutschland. „Insbesondere der deutsche Maschinenbau und die Automotivebranche erwirtschaften im Handel mit den USA hohe Überschüsse und sind daher besonders exponiert“, warnt Lison.

Bisher hat der deutsche Außenhandel noch nicht unter Trump gelitten

Deutschland hat wertmäßig einen hohen Überschuss im Außenhandel, logistisch betrachtet aber ein Handelsdefizit mit den USA. Deutschland exportiert Güter mit einer erheblich höheren Wertdichte in die USA als umgekehrt. „Der hohe Exportüberschuss macht Deutschland besonders empfindlich für protektionistische Maßnahmen der USA. Es ist aber auch klar zu sehen, dass die Wirtschaftsbeziehungen im ersten Jahr der Präsidentschaft von US-Präsident Trump nicht gelitten haben, sondern sogar intensiver geworden sind“, zieht Lison eine erste Bilanz im Außenhandel.

Die USA sind sowohl bezogen auf die Menge als auch auf den Wert zweitwichtigster Exportmarkt für deutsche Unternehmen nach den EU-Staaten, die es zusammen auf einen Anteil von 59,4 % am Wert und 77,2 % an der Menge der deutschen Exporte bringen. Bezogen auf die Menge bringt es die USA auf einen Anteil von 2,3 % und bezogen auf den Exportwert auf 8,8 % Anteil an den deutschen Exporten. Damit liegt die USA in beiden Kategorien noch vor China.

Außenhandel: Boom belebt auch die Logistik

Global gesehen entwickelte sich der deutsche Außenhandel im Jahr 2017 sowohl bezogen auf die Menge als auch bezogen auf den Wert durchgehend positiv. Die Exportmengen stiegen gegenüber 2016 um 3 % auf 411 Millionen Tonnen. Der Exportwert schnellte sogar um 6,9 % auf 1.279 Milliarden Euro hoch. Bei den Importen stieg der Wert mit einem Plus von 8,3 % auf 1.034 Milliarden Euro – und damit deutlich dynamischer als die Importmengen, die lediglich um 1,1 % auf 656 Millionen Tonnen wuchsen. 

Die Zahlen zeigen, dass Deutschland wertmäßig betrachtet im Außenhandel hohe Überschüsse erwirtschaftet, aber logistisch ein deutliches „Handelsdefizit“ einfährt. Das liegt an der Struktur des deutschen Außenhandels: Deutschland importiert in starkem Maße Rohstoffe und Vorprodukte mit hohem Gewicht und relativ geringen Wert und führt vor allem Industriegüter mit einer hohen Wertdichte aus.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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