International Customs Integration im Fokus

Sprechen Sie Zoll?

01.11.2016 | Was der zentralisierten Zollabwicklung in Europa im Wege steht. Und welche Lösung schon heute funktioniert.

von Asma Alazeib

Einsprachig? Mehrsprachig?

„Saluton!“ …Pardon, das ist Esperanto und bedeutet „Hallo!“. Falls Sie noch nie etwas von Esperanto gehört haben: Die vermeintliche Weltsprache, deren Sprecher als exotische Weltverbesserer gelten und häufig belächelt werden, wird bald 130 Jahre alt. Und wird noch immer gesprochen: Der Esperanto-Weltbund (UEA) zählte im August 2016 rund 1.000 Muttersprachler. Sprich: Einer unter 7,4 Millionen Menschen. Nicht gerade überwältigend, wo doch das System der Sprache ziemlich leicht ist (schauen Sie selbst). Was das mit Zollmanagement zu tun hat? Ganz einfach: Da wäre eine gemeinsame Sprache äußerst hilfreich.

Und beim Zollmanagement? Jede Menge Sprachprobleme

Was die internationale Zollabwicklung angeht, so MÜSSEN international agierende Unternehmen heute mehrere Sprachen (bzw. IT-Lösungen) beherrschen. Denn sobald Waren über die EU-Außengrenzen im- oder exportiert werden, wird es komplizier. Jede nationale Zollbehörde hat sich auf unterschiedliche IT-Verfahren festgelegt. Deutschland nutzt ATLAS, Großbritannien CHIEF und die Niederlande AGS. Mit anderen Worten: Esperanto, ade!

Jedes Land hat in Sachen Zoll seine nationalen Eigenheiten und voneinander abweichende Verfahren.

Richard Groenendijk, Geschäftsführer von AEB Nederland

Alle sprechen alles. Problem erledigt, oder?

Unternehmen begegnen dem Problem, indem sie an jedem im- oder exportierenden Standort eine eigene Zollabteilung mit Spezialisten unterhalten, die ein eigenständiges lokales Zollsystem nutzt (oder sie beauftragen für viel Geld einen Dienstleister mit den Zollangelegenheiten). Fakt ist: Statt einer gemeinsamen Plattform – einem Zoll-Management-Esperanto sozusagen – spricht man alle „Sprachen“. Groenendijk erinnert sich an eine Zeit, als er es mit 13 (!) unterschiedlichen Systemen zu tun hatte: „Das war, ehrlich gesagt, ein Albtraum. Ich hätte einiges für eine zentrale Plattform gegeben.“

Auch aus IT-Sicht ist das eine mittlere Katastrophe: Denn alle nationalen Einzellösungen im Außenwirtschaftsumfeld müssen implementiert und betrieben werden. Support obendrein. „Eine unternehmensweit einheitliche Tarifierung und Klassifizierung ist unter diesen Voraussetzungen ebenso schwierig wie eine zentrale Archivierung relevanter Unterlagen“, meint Dr. Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte und Mitglied der Geschäftsleitung von AEB.

Die Rettung naht! …oder doch nicht? Der Artikel 179 UZK

Doch, siehe da: Der europäische Gesetzgeber ist dem Wunsch nach Zentralisierung nachgekommen. Seit dem Inkrafttreten des UZK am 1. Mai 2016 gibt es laut Artikel 179 UZK einen Rechtsanspruch auf eine zentralisierte Zollabwicklung für bestimmte Zollverfahren. Inhaber einer entsprechenden Bewilligung können eine Zoll- oder Ausfuhranmeldung mit ihrem Zollsystem beim Zollamt abgeben, das für ihren Firmensitz zuständig ist – selbst wenn die Ware im Zuständigkeitsbereich einer anderen Zollbehörde im EU-Ausland gestellt wird. Klingt eigentlich gut, oder?

Problem gelöst? Pustekuchen!

Voilà, das nächste Sprachenproblem: Für einen reibungslosen Datenaustausch zwischen den Unternehmen ist ein Datenaustausch zwischen den Zollsystemen der Mitgliedstaaten nötig. Sprich: Alle IT-Systeme müssen eine gemeinsame Sprache sprechen. Aber welche? Und wer spricht schon von heute auf morgen eine neue Sprache? Nicht genug, dass die Zollverwaltungen bis etwa 2020 an einer effizienten Lösung für den Datentausch arbeiten. Parallel tauchen bei der Umsetzung des Artikels 179 UZK rechtliche und organisatorische Fragen auf. Da orakelt die IHK Stuttgart: „Moderne Zollverfahren, wie zentrale Zollabwicklung und Eigenkontrolle sind nicht absehbar“. Na dann, gute Nacht! Oder auf Esperanto: „Bonan nokton!“

Eine einheitliche Zoll-IT-Lösung

Die rettende Idee zur internationalen Zollabwicklung: Anstatt mehrere lokale Systeme zu betreiben, lässt sich eine einheitliche internationale Zollplattform an mehreren Standorten in unterschiedlichen Ländern aufbauen. Natürlich muss diese die rechtlichen Voraussetzungen für die angeschlossenen Länder erfüllen und von den jeweiligen Zollbehörden zertifiziert, getestet und freigegeben sein. Selbiges gilt für die Schnittstellen zu den elektronischen Systemen der Zollverwaltung. ICI (International Customs Integration) von AEB ist eine solche Plattform. Mit ihr lassen sich Ein- und Ausfuhrverfahren abwickeln. Sie vervollständigt automatisiert die Zollanmeldung, kommuniziert mit den nationalen Zollbehörden als Empfänger der Zollanmeldung und überträgt die Daten. Im Gegenzug verarbeitet die Lösung eingehende Nachrichten vom Zoll – wodurch der Status der Zollanmeldungen aktuell gehalten wird. Auch die IT kann sich über schlankere Prozesse freuen.

Die weiteren Aussichten: unklar

Natürlich ist die grundsätzliche Frage nicht vom Tisch: Wann wird es eine zentrale Zollabwicklung geben? Klar, das liegt nicht in der Hand der Unternehmen. Aber sie können ihr Schicksal in die Hand nehmen und sich eine einheitliche IT-Lösung für alle Standorte beschaffen. So ließe sich zumindest ein Teil der Probleme schon heute lösen. Ohne 130 Jahre darauf warten zu müssen, dass endlich alle Beteiligten eine gemeinsame Sprache sprechen.

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