Testen Sie Ihr Wissen rund um Warenursprung und Präferenzen

 

Sie beschäftigen sich schon seit Längerem mit dem Thema Warenursprung und Präferenzen (WuP)? Dann bereiten Ihnen die nachfolgenden Fragen sowie die Aufgabe aus der Praxis sicherlich keine große Schwierigkeit. Oder etwa doch? 

Testen Sie jetzt Ihr WuP-Wissen. AEB liefert Ihnen die richtige Lösung auf die gestellten Fragen auf dieser Seite gleich mit. Los geht's.

 
Ausfuhr einer Armatur in die Schweiz
 

Frage 1: Was bedeutet im Hinblick auf die Ursprungsregeln der Zusatz "ex" vor einem Kapitel in der Verarbeitungsliste?

 

Lösung: Die Kennzeichnung "ex" vor der Kapitelangabe weist darauf hin, dass die in dieser Zeile aufgeführte Listenbedingung nicht für alle Waren dieses Kapitels gilt und dass für einzelne Waren dieses Kapitels eigene Listenbedingungen erfasst sind. Es muss also geprüft werden, welche Listenbedingung anzuwenden ist. 

 

Frage 2: Was versteht man unter dem Begriff des Ab-Werk-Preises?

 

Lösung: Unter dem Ab-Werk-Preis versteht man den Preis der Ware ab Werk, also ohne Transportkosten. Bei Präferenzen ist es der dem Hersteller, in dessen Unternehmen die letzte Be- oder Verarbeitung durchgeführt worden ist, gezahlte Preis. Dieser Preis umfasst den Wert aller verwendeten Vormaterialien, abzüglich aller inländischen Abgaben, die erstattet werden oder erstattet werden können, wenn das hergestellte Erzeugnis ausgeführt wird. 

 

Frage 3: Was ist eine Warenverkehrsbescheinigung und welcher Vorteil kann dadurch bei der Einfuhr erzielt werden?

 

Lösung: Warenverkehrsbescheinigungen sind die auf einem amtlichen Formular erstellten und i.d.R. von den Zollbehörden per Stempel bestätigten Präferenznachweise EUR.1, EUR-MED und A.TR. Der im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems verwendete Präferenznachweis „Form A“ wird dagegen als „Ursprungszeugnis“ bezeichnet.
Bei der Einfuhrverzollung kann mit einer Warenverkehrsbescheinigung eine Befreiung oder Verminderung der Einfuhrzölle erreicht werden.

 

Aufgabe: Prüfen Sie, ob für die Ausfuhr der Armatur in die Schweiz ein Präferenznachweis ausgestellt werden kann.

 
 
 
 

Hintergrund zur Lösung: Zur Ermittlung der präferenziellen Ursprungseigenschaft der Ware stehen Ihnen die Spalten 3 und 4 der Verarbeitungsliste alternativ zur Verfügung. Es empfiehlt sich, die Prüfung mit den Regeln in Spalte 4 zu beginnen, da diese meist eine Wertregel ohne weitere Bedingungen enthalten. Spalte 3 enthält zwar zumeist eine höhere Wertregel, ist aber in vielen Fällen noch an eine Verarbeitungsregel, zum Beispiel den Positionswechsel, gekoppelt. 

 

Lösungsschritt 1: Für dieses Beispiel findet die Listenregel ex Kap. 84 Anwendung, da es für Armaturen der Position 8481 keine speziellen Regeln gibt.

 

Lösungsschritt 2: Prüfen Sie zunächst also die Spalte 4 der Listenregel. Die darin definierte Regel beschränkt den Wert der verwendeten Vormaterialien ohne Ursprung (VoU) auf 30 % des Ab-Werk-Preises. In diesem Kalkulationsbeispiel beträgt der Ab-Werk-Preis 1000 €, damit ergibt sich ein zulässiger Anteil an Vormaterialien ohne Ursprung von 300 € (30 % von 1000 €). Der Gesamtwert aller Vormaterialien ohne Ursprung beträgt 370 €, damit ist die Regel der Spalte 4 nicht erfüllt. 

 

Lösungsschritt 3: Prüfen Sie nun die Spalte 3 der Listenregel. Spalte 3 fordert einen Positionswechsel. Gleichzeitig darf der Wert der verwendeten Vormaterialien ohne Ursprung 40 % des Ab-Werk-Preises nicht überschreiten. Bei einem Ab-Werk-Preis von 1000 € beträgt der zulässige Anteil der Vormaterialien ohne Ursprung 400 €. Diesen Teil der Listenregel können Sie mit einem Gesamtwert der Vormaterialien ohne Ursprung von 370 € erfüllen. Zusätzlich müssen Sie noch prüfen, ob ein Positionswechsel gegeben ist. Dabei müssen sich die ersten vier Stellen der Zolltarifnummer aller Vormaterialien ohne Ursprung von der des Enderzeugnisses unterscheiden. Die Klappenscheibe hat dieselbe Position wie die Armatur (8481), sodass der Positionswechsel durch die Klappenscheibe nicht erfüllt ist. 

 

Lösungsschritt 4: Die Listenregeln in Spalte 3 und 4 können zunächst nicht eingehalten werden. Nun können Sie versuchen, durch die Anwendung der Allgemeinen Toleranz doch noch einen Präferenznachweis für die Schweiz ausstellen zu können. Das Abkommen zwischen der EU und der Schweiz sieht eine Allgemeine Toleranz in Höhe von 10 % des Ab-Werk-Preises für Vormaterialien ohne Ursprung, die die Verarbeitungsregeln nicht erfüllen, vor. Somit ergibt sich hier ein zulässiger Wert für die Vormaterialien ohne Ursprung, die den Positionswechsel nicht erfüllen, von 100 €. Demnach kann unter zu Hilfenahme der Allgemeinen Toleranz die Listenregel der Spalte 3 doch noch erfüllt werden, da der Positionswechsel für Vormaterialien ohne Ursprung im Wert von maximal 100 € nicht zwingend erfüllt sein muss.

 

Ergebnis: Für die Armatur kann für die Ausfuhr in die Schweiz ein Präferenznachweis ausgestellt werden. 

 
 
 
Carsten Bente: AEB-Außenwirtschaftsexperte

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Vor welchen Fragen und Herausforderungen stehen Sie im Bereich Warenursprung und Präferenzen? Schildern Sie unserem Experten Ihre Situation. Ermitteln Sie gemeinsam Potenziale für die Optimierung. An welchen Stellen Software Sie dabei unterstützen kann, darüber unterhält sich Carsten Bente gerne persönlich mit Ihnen.

Carsten Bente, Außenwirtschaftsexperte, Warenursprung und Präferenzen

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