E-Commerce

Zoll und Post genervt von Kleinsendungsboom

Briefe aus China nach Deutschland kosten nur wenige Cent. Chinesische Internet-Händler nutzen das, um den deutschen Markt günstig mit Kleinsendungen zu fluten. Doch diese Strategie wird nicht mehr lange funktionieren.

Björn Helmke 10.07.2019

Die Paketzusteller von DHL haben bei der Zustellung von E-Commerce-Sendungen an Privatkunden neue Konkurrenz bekommen. Neben GLS, UPS, Hermes und DPD müssen sie sich den nach wie vor steigenden Markt mit einem hausinternen Wettbewerber teilen – den Briefzustellern der Deutschen Post. Dies legt zumindest ein Artikel der Tageszeitung „Die Welt“ nahe, der sich auf eine Analyse der Hamburger Logistikberatung MRU und des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel beruft.

Das Kuriosum: Die braven Postboten liefern unfreiwillig zu Dumpingkonditionen aus. Ihre Auftraggeber in den meisten Fällen: chinesische Internet-Händler. Sie bezahlen für das Briefporto von China nach Deutschland nur wenige Cent und beliefern die deutschen Verbraucher mit Ladekabeln, Fitnessarmbändern und ähnlichen kleinformatigen Waren. Möglich macht das die derzeit geltende Regelung des Weltpostverbandes, die China noch als Entwicklungsland behandelt.

70 Mio. Kleinsendungen aus dem Reich der Mitte

Laut dem WELT-Artikel, der in diesem Punkt vage bei seinen Quellenangaben bleibt, kommen jährlich 70 Mio. Briefe mit Kleinsendungen aus dem Reich der Mitte. Aus dem Rest der Welt kommen noch einmal 30 Mio. solcher Sendungen dazu.

Dieser Boom schmeckt weder der Deutschen Post noch dem inländischen Internethandel. Derzeit laufen Verhandlungen im Weltpostverein mit dem Ziel, die Preisstrukturen im Briefbereich den Erfordernissen des E-Commerce-Zeitalter anzupassen.

EU plant neue Einfuhr-Regelung für Warensendungen an EU-Endkunden

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum das goldene Zeitalter wohl demnächst für Internethändler aus China und anderen Drittstaaten vorbeigehen wird. Denn auch die Privilegien bei der Entrichtung von Einfuhrzöllen und der Einfuhrumsatzsteuer für Kleinsendungen bis zu einem Warenwert von maximal 22 EUR stehen derzeit auf dem Prüfstand. Im Rahmen der Modernisierung der Mehrwertsteuer für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel wird nach aktuellem Stand im Januar 2021 eine Einfuhr-Regelung für Fernverkäufe von aus Drittgebieten oder Drittländern eingeführten Gegenständen an Endkunden in der EU eingeführt. Sie soll für Waren bis zu einem Wert von 150 EUR gelten.

Macht der Verkäufer von der Einfuhr-Regelung Gebrauch, stellt er die Mehrwertsteuer zum Zeitpunkt des Verkaufs an EU-Endkunden in Rechnung, und entrichtet sie an den jeweiligen Mitgliedstaat der Identifizierung. Diese Waren sind bei der Einfuhr von der Mehrwertsteuer befreit, was für eine rasche Zollabfertigung sorgt. Die Einführung der Einfuhr-Regelung geht Hand in Hand mit der Abschaffung der derzeit geltenden Mehrwertsteuerbefreiung für Waren in Kleinsendungen mit einem Wert bis zu 22 EUR. 

Wird die Einfuhr-Regelung nicht in Anspruch genommen, steht eine zweite Vereinfachung für die Einfuhr zur Verfügung. Die Einfuhr-MwSt. wird durch den Zollanmelder (z. B. Post, Kurierunternehmern, Zollagent) vom Endkunden eingehoben und monatlich an die Zollbehörde entrichtet.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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