Welthandel

WTO sieht Delle im Welthandel

Nach dem Bericht der Welthandelsorganisation WTO hat der Welthandel im Jahr 2016 eine Schwächeperiode durchschritten. Die Perspektiven für 2017 sind etwas besser. Interessant: Die Bedeutung des Welthandels für das Bruttosozialprodukt nimmt global betrachtet immer mehr ab.

Björn Helmke 27.11.2017

Der Welthandel ist im Jahr 2016 arg ins Stocken gekommen, befindet sich aber inzwischen wieder auf dem Weg der Erholung. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Welthandelsorganisation WTO hervor, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Demnach wuchs der Welthandel bezogen auf die Mengen um gerade mal 1,3 % (2015: 2,7 %). Das langjährige Mittel liegt bei 4,7 %. Für das 1. Quartal 2017 errechnete die WTO ein Wachstum von 2,4 %.

Bezogen auf den Wert ging der Welthandel mit Gütern sogar um 3,3 % zurück, was die WTO vor allem mit niedrigen Rohstoffpreisen begründet. Der Dienstleistungssektor wuchs durchschnittlich gerade mal um 0,1 %. Interessanterweise blieb im Vergleich der Regionen Europa noch am stabilsten – mit Werten nahe 0 % für Warenhandel und Dienstleistungen.

Top-10-Handelsnationen stehen für mehr als 50 Prozent des Welthandels

Nach wie vor weist die Verteilung des Welthandels große Ungleichheiten auf. Die Top-10-Nationen, darunter Deutschland, haben einen mengenmäßigen Anteil von 53 % am gesamten Warenhandel. Der Anteil der Entwicklungsländer liegt insgesamt bei 41 %, wobei die Gruppe der ärmsten Länder (LDC) zusammen auf einen Anteil von gerade mal 1 % kommt.

Bezogen auf die letzten zehn Jahre wuchs der grenzüberschreitende Warenhandel um 32 %, während die Dienstleistungen (u. a. Transport, Finanzierung, Reisen) um 64 % zulegten. Wachstumsmotor im Warenhandel waren die landwirtschaftlichen Produkte mit einem Plus von 70 %. Industrieprodukte wuchsen um 37,5 %, während der Handel mit Rohstoffen um 10 % zurückging.

Welthandel hat viel von seiner Rolle als Wachstumslokomotive eingebüßt

Sorgen bereitet WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo ein weiterer langfristiger Trend: Das Wachstum des Welthandels fällt gegenüber dem Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsproduktes zurück. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wuchs der Welthandel jahrzehntelang um 1,5 % pro 1 % BIP-Wachstum. Zu den Hochzeiten der Globalisierung in den 90er Jahren lag das Verhältnis teilweise bei 3:1, um nach der weltweiten Wirtschaftskrise 2008/2009 auf 1:1 zurückzufallen. Im Jahr 2016 lag das Verhältnis bei 0,6:1. Mit anderen Worten: Der internationale Handel hat viel von seiner Rolle als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft eingebüßt.

Unspektakulär fällt die WTO-Bilanz bei den Handelshemmnissen für die vergangenen 12 Monate aus. Mit 11 neuen Hemmnissen pro Monat wurde der niedrigste Wert der letzten Jahre erreicht. Demgegenüber wurden ebenfalls 11 Handelshemmnisse pro Monat beseitigt. Der Wert der beseitigten Hemmnisse lag mit 183 Mrd. USD deutlich über dem der neuen Hemmnisse (49 Mrd. USD). Die WTO bilanziert klassische Handelshemmnisse wie neue Zölle, Erhöhung von Zöllen, mengen- oder wertmäßige Einfuhrbeschränkungen oder Verkomplizierung der Zollerhebung. Die von den deutschen Industrie- und Handelskammern beklagten Hemmnisse durch nationale und regionale Sicherheits- bzw. Qualitätszertifikate sind von der WTO-Statistik nicht erfasst.

TFA kann Handelskosten um bis zu 14 % senken

Große Hoffnungen setzt die WTO auf die Auswirkungen des Trade Facilitation Agreements (TFA), das im Februar in Kraft trat und dem bis März 115 Länder beitraten. Inhalt des Abkommens ist die Vereinfachung und Angleichung der weltweiten Zollabfertigung mit dem Ziel, Außenhandelsprozesse zu beschleunigen. Laut WTO könnte das Abkommen bei voller Umsetzung die Handelskosten der WTO-Mitglieder um 14,3 % senken.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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