Digitalisierung

Investitionen in Logistik-Start-ups wachsen kräftig

In der Logistik fließt immer mehr Geld in eine rasch wachsende Zahl an Start-ups, die ihr Handlungsfeld zunehmend ausweiten. Laut einer Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman wurden im Jahr 2017 rund 3,5 Mrd. US-Dollar in Logistik-Start-ups investiert.

Jens Verstaen 06.03.2018

Die Untersuchung listet auf internationaler Ebene allein 30 Start-ups auf, die in den letzten zehn Jahren bereits jeweils mehr als 100 Mio. US-Dollar, zum Teil aber auch erheblich höhere Investitionen erhalten haben. Rund 90 % der im letzten Jahr investierten 3,5 Mrd. US-Dollar gingen dabei an amerikanische und asiatische Start-ups. Spitzenreiter sind zwei chinesische Unternehmen, die sogar Milliardenbeträge für die Entwicklung ihrer Konzepte zur Verfügung hatten. 

Investitionen in Deutsche Start-ups hinken hinterher

„Davon sind wir im deutschsprachigen Raum weit entfernt”, erläutert Max-Alexander Borreck, Principal bei Oliver Wyman. Jedoch sei die Zahl der für die Branche interessanten Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz allein 2017 von zuvor knapp 40 auf mittlerweile über 60 gestiegen. 

Laut Borreck entwickeln sich einige der deutschen Gründungen aus der Start-up-Phase hinaus und werden zu ernstzunehmenden Logistikern. „Das Interesse von Investoren, Industrie und Politik steigt: Wir sehen stärkere Aktivität von Venture Capital Firmen im deutschsprachigen Raum – zugleich engagieren sich etablierte Logistikanbieter und öffentliche Einrichtungen zum Beispiel in Form von Inkubatoren”, sagt Borreck.

„Organische“ Digitalisierung rückt in den Fokus der etablierten Anbieter

Auf digitale Lösungen durch Start-ups setzen bisher überwiegend Risikokapitalgeber. Finanzierungen fließen – wie schon in den vergangenen Jahren – zum großen Teil aus deren Kassen. Es zeichnet sich laut dem Beratungsunternehmen ab, dass Logistikunternehmen immer mehr von sich aus die Digitalisierung ihres Kerngeschäfts in Angriff nehmen oder eigene Start-ups für diese Aufgaben ins Rennen schicken. 

Beispielsweise hat Maersk mit Twill eine eigene Digitalspedition ins Leben gerufen. DB Schenker nutzt für seine digitale Frachtbörse Drive4Schenker Technologie vom US-Start-up UShip, an dem sich der Konzern beteiligt hat. Fiege kooperiert mit der Münchener Gründung Magazino in der Entwicklung von wahrnehmungsgesteuerten Kommissionier-Robotern.

Borreck unterstreicht den Handlungsdruck für Logistiker: „Der Wettbewerb in der Logistik ordnet sich neu: Onlinehändler und Technologiegiganten besetzen zunehmend wichtige Schaltzentralen der Logistikkette. Und viele dieser Player haben es in ihrer DNA, datengetriebene Geschäftsmodelle schnell zu skalieren und zu perfektionieren. Die Logistiker haben 2017 einen großen Sprung in der Digitalisierung ihres Kerngeschäfts gemacht. Um neue Geschäftsmodelle schnell zur Marktreife zu bringen, sind Partnerschaften mit Start-ups ein sinnvoller Schritt.“

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