Get Connected

Fit für den „Clash of Ages”

Get Connected 2018. Wenn Keynote-Speaker Prof. Dr. Henning Vöpel recht behält, stehen den in der Außenwirtschaft aktiven Unternehmen turbulente Zeiten bevor. Und auch bei der IT wird es spannend. Die Besucher des AEB-Kundentags in Böblingen und Hamburg wurden mit einem anspruchsvollen, aber unterhaltsamen Programm auf beides eingestimmt.

Björn Helmke 16.10.2018

„Clash of Ages“: Was sich wie der Titel eines Computerspiels anhört, ist in Wirklichkeit ein Szenario der Gegenwart. Prof. Dr. Henning Vöpel, Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstitutes, nutzte die plakative Umschreibung, um für die Teilnehmer an Get Connected 2018 die gegenwärtige Zunahme von politischen und wirtschaftlichen Konflikten einzuordnen. Seine These: Wir stehen vor einer Ablösung der Nachkriegsordnung und dadurch vor einer Neuordnung der globalen Governance. „Der Weg in die multipolare Welt erzeugt Fragmentierung, die alten Regeln gelten nicht mehr uneingeschränkt“, sagte der renommierte Wirtschaftswissenschaftler.

Vöpel: Die Globalisierung wird gebremst

Politisch äußere sich die Neuordnung durch die Ablösung der US-amerikanischen Hegemonie durch China und den Bedeutungsverlust von „alten“ Institutionen wie der UNO und der WTO. In diesem Szenario belasten aufkeimender Protektionismus und Steuerdumping die Wirtschaftsbeziehungen. Die Globalisierung, so Vöpel, wird gebremst wenn nicht sogar zurückgedrängt. Die Krise der Globalisierung wird laut dem HWWI-Chef auch dadurch begünstigt, das die „ökonomische Rendite der weltweiten Integration abnimmt“. Einfacher gesagt: Die niedrig hängenden Früchte der Globalisierung sind bereits geerntet.

„Trump und der Brexit sind keine zufällige Koinzidenz“, sagte Vöpel, „sondern positiv gedeutet ein Warnsignal für Konflikte und Widersprüche der alten Globalisierung“. Er verwies auf das Auseinanderdriften von hohen und niedrigen Einkommen in vielen westlichen Industriestaaten – aber auch auf „unterschiedliche Geschwindigkeiten“ bei der wirtschaftlichen Entwicklungen einzelner Länder und Regionen.

Zölle werden als protektionistisches Instrument wiederentdeckt

Für die Get-Connected-Besucher besonders interessant: In den „Strafzöllen“ der USA sieht der Wirtschaftswissenschaftler keine vorübergehende Erscheinung. Anhand von WTO-Zahlen zeigte er auf, dass die Zahl der nichttarifären Handelshemmnisse bereits seit 2005 wieder zunimmt. Nun würden auch die Zölle als protektionistisches Instrument wiederentdeckt.

Software aus der Cloud ist inzwischen Standard

Nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in der Informationstechnik (IT) geht es derzeit scheinbar hoch her. Steffen Frey, Mitglied der Geschäftsleitung bei AEB, konnte allerdings die Wogen glätten. „Wenn die IT mal wieder Wellen schlägt, bleiben Sie am besten entspannt“, schlug Frey vor und beleuchtete einige Trends. Die Diskussion um Software aus der Cloud ist seiner Meinung nach entschieden. „Wo die Software betrieben wird, ist ziemlich irrelevant“, sagte er.

Die immer bessere Verfügbarkeit des Internets und das wachsende Vertrauen in Cloud-Lösungen, hätten die Vorbehalte gegen Software aus der Wolke gemildert. Der Ressourcenmangel in den IT-Abteilungen der Unternehmen sorgt ebenfalls dafür, dass die Cloud im Kommen ist. Zumal die modernen API (Programmierschnittstellen) sicherstellen, dass sich die Unternehmen relativ einfach und kostengünstig mit der Cloud verbinden können.

Agiles Vorgehen in Projekten: Der Einkauf ist nicht begeistert

Für Zündstoff sorgt laut Frey die Frage, ob IT-Projekte nach der gängigen Wasserfallmethode von vornherein durchgeplant werden – oder ob ein iteratives Vorgehen nach agilen Methoden mehr Erfolg verspricht. Fachlich spricht viel für ein agiles Vorgehen, allerdings gibt es Widerstände des Einkaufs, denn agiles Vorgehen bedeutet auch ein Stück weit den Verzicht auf fixe Vereinbarungen zum Projektstart. Als wenig Erfolg versprechend sieht Frey die Mischung von agilen und klassischen Vorgehensweisen an.

Viele Greenfield-Projekte enden im Brownfield

Und noch ein Glaubensstreit: Projekte als Greenfield aussetzen – also Prozesse komplett neu aufbauen? Oder als Brownfield auf dem bisherigen Bestand aufsetzend? Frey dazu: „Viele Greenfield-Projekte enden als Brownfield. Der Grund: Für ein erfolgreiches Greenfield-Projekt brauchen Sie die Top-Experten in ihren Unternehmen.“ Diese seien aber oft nicht für ein größeres Projekt über einen längeren Zeitraum abkömmlich. Auch hier der Tipp: Vorher entscheiden, ob Green- oder Brownfield – und den dann eingeschlagenen Weg konsequent verfolgen.

Aber ob Green- oder Brownfield: Viele Unternehmen gehen mit dem Ziel in ein Softwareprojekt, über ihre künftige Lösung konkrete Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Voraussetzung dafür: Die für eine Differenzierung entscheidenden Prozesse müssen passgenau in der Softwarelösung abgebildet werden. Mit einer Standardsoftware ist das nur schwer zu erreichen - eine Individualsoftware ist teuer und aufwändig zu warten.

nEXt: Die Lösung wird maßgeschneidert entlang der Prozesse aufgebaut

AEB-Geschäftsführer Matthias Kieß stellte die Antwort von AEB auf dieses Dilemma vor: Auf der Plattform nEXt definieren und modellieren Experten von AEB und des Anwenders gemeinsam die Prozesse. Die Lösung wird Schritt für Schritt maßgeschneidert entlang der Prozesse aufgebaut. Dabei können sich die Softwareentwickler aus einem Baukasten bestehender Templates bedienen. Diese werden mit wenig Aufwand an die Anforderungen angepasst. Die erste nEXt-Projekte gemeinsam mit AEB-Kunden verliefen erfolgreich. Bei Get Connected gab die Firma Hauff Technik aus Hermaringen in einem Videoeinspieler Auskunft über ihr gelungenes nEXt-Projekt.

Mit Broker Integration schneller und billiger durch den Zoll

Eine weitere Innovation stellten AEB-Zollexperte Dr. Ulrich Lison und Festo-Manager Reinhard Fengler vor. Festo will über die AEB-Plattform Customs Broker Integration seine chinesischen Zollagenten an seine Zolllösung anbinden und hat ein entsprechendes Pilotprojekt angestoßen. Bisher erfassen die Mitarbeiter des Brokers die für die Zollanmeldung in China erforderlichen Daten manuell aus Unterlagen, die ihnen von der chinesischen Festo-Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Das sorgt nicht nur für hohe Kosten, sondern auch für mehrtägige zeitliche Verzögerungen, da die Verzollung erst dann angestoßen wird, wenn die Sendungen am Hafen oder am Flughafen eintreffen. Wir erhoffen uns neben Prozessbeschleunigung und Kosteneinsparungen auch mehr Rechtssicherheit und Transparenz. Schließlich ist Festo als Anmelder für die Korrektheit der Zollanmeldungen verantwortlich“, betont Reinhard Fengler.

Weiteres Highlight von Get Connected waren 10 interaktive Stationen, an denen die Teilnehmer die Inhalte der Keynotes vertiefen konnten oder sich über aktuelle Themen wie den Brexit, die Ergebnisse der aktuellen Global Trade Management Studie oder Blockchain informierten. Krönender Abschluss war der Vortrag des Speakers und Motivationstrainers Tobias Beck, der daran erinnerte, dass Erfolg nicht allein eine Sache der richtigen IT ist, sondern auch der richtigen Einstellung gegenüber der Arbeit und anderen Menschen. Becks Credo: Wir brauchen in den Unternehmen weniger ewig nörgelnde „Bewohner“ oder mitlaufende „Ameisen“, sondern mehr Superstars, die nur eine Mission haben: Andere Menschen groß zu machen.

Impressionen aus Hamburg

Impressionen aus Böblingen

Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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