Online-Handel

EU-Kommission will internationale Pakete günstiger machen

Bis zu fünfmal höher sind die Preise für einen grenzüberschreitenden Paketversand in der EU im Vergleich zu einer inländischen Zustellung. Das will die EU-Kommission jetzt ändern – unter anderem durch ein harmonisiertes Label.

Franziska Widmaier 27.06.2017

Nur 15 % der Verbraucher im europäischen Ausland. Kein Wunder – schließlich muss man für das Porto tief in die Tasche greifen. Rund 17 Euro verlangt die Deutsche Post mit ihrer Tochterfirma DHL für den Versand eines Paketes von Deutschland nach Italien. Die britische Royal Mail nimmt dafür 20 Euro, die belgische Post über 30 Euro. Jede Postgesellschaft hat ein eigenes Tarifsytem und die Portopreise sind so unterschiedlich wie undurchsichtig.

Nach der Abschaffung horrender Roaming-Gebühren nimmt die EU-Kommission sich nun also den Paketversand vor. Das Ziel: Den Versand zwischen den einzelnen europäischen Staaten günstiger machen und dadurch die Bedingungen für die Verbraucher verbessern. Stimmt das Europäische Parlament am 11. Juli der Verordnung der Kommission zu, könnte das wesentliche Verbesserungen für den innereuropäischen Onlinehandel bedeuten.

Mehr Transparenz für Verbraucher, mehr Aufwand für die Paketlieferanten

Um mehr Transparenz zu schaffen, möchte die EU nationale Postgesellschaften und private Paketzusteller mit mehr als 50 Mitarbeitern verpflichten, ihre Tarife den nationalen Regulierungsbehörden zu übermitteln. Die Daten sollen jährlich aktualisiert und auf einer Webseite veröffentlicht werden. Dies soll den Anbietervergleich gravierend vereinfachen und den Wettbewerb ankurbeln.

Außerdem sollen Paketlieferanten zukünftig nationalen Aufsichtsbehörden wie beispielsweise der Bundesnetzagentur eine Reihe von Informationen übermitteln. Dazu zählen Jahresumsatz, Mitarbeiterzahl, Angaben zu den Subunternehmen sowie die Zahl der transportierten Pakete – und ob die Pakete im In- oder Ausland zugestellt wurden.

Versandinformationen trotz Grenzüberschreitung

Darüber hinaus soll die Kommunikation zwischen den Paketdiensten und dem Empfänger verbessert werden. Heute gehen die Informationen zu einer Paketsendung häufig auf dem Versandweg verloren, und für den Kunden sind aktueller Aufenthaltsort und die erwartete Zustellzeit nicht ersichtlich. Grund dafür ist, dass jedes Zustellunternehmen ein eigenes Barcode-System verwendet, die gerade bei grenzüberschreitenden Sendungen nicht miteinander harmonisieren. 

Deshalb will die europäische Kommission nun ein „harmonisiertes Label“ entwickeln. Dabei kann sie auf ein abgeschlossenes Normungsverfahren zurückgreifen. Das Europäische Komitee für Standardisierung (CEN) stimmte bereits im April dieses Jahres der Technischen Spezifikation (TS 17073) für Postdienst-Schnittstellen für grenzüberschreitende Pakete zu. Dieses macht den Weg für ein EU-weit einheitliches Label für die Lieferung von Waren an Endkunden frei.

Franziska Widmaier
Über die Autorin
Franziska Widmaier
Franziska Widmaier ist Redakteurin und im Bereich Corporate Communications tätig. Als #twitterperle betreut sie außerdem die Social-Media-Kanäle bei AEB. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit 2013 bei AEB und schreibt am liebsten über die neuesten Trends in Logistik und IT.

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