Luftfracht

E-Freight-Quote weltweit unter 50 %

Seit vielen Jahren versuchen, insbesondere die Airlines, die Prozesse in der Luftfrachtkette zu digitalisieren. Doch der Fortschritt ist eher zäh. Wer ist schuld daran, dass Europa mit einer E-Freight Penetration von 34 % Schlusslicht ist?

Franziska Widmaier 09.03.2017

In seiner Zeit als Chef von Lufthansa Cargo berief Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Jahr 2010 die erste E-Freight-Konferenz ein. Spohrs Vision: Eine papierlose, schlanke und kostengünstige Supply Chain in der Luftfracht. Davon ist die Branche sieben Jahre später noch meilenweit entfernt. Nach Zahlen der Airline-Organisation IATA liegt der E-Freight-Anteil weltweit unter 50 %. Und Lufthansa Cargo mit einem E-Freight-Anteil von 40,4 % gehört ebenso zu den Nachzüglern, wie die gesamte europäische Luftfracht, die mit 34 % E-Freight sogar hinter Afrika (58 %) zurückhängt.

Die Schuld an der zögerlichen Digitalisierung sehen viele Airliner bei den Speditionen. Diese, so hört man in der Branche, verdienen gut an der Papierdokumentation und haben wenig Interesse an Investitionen in die Luftfracht. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele: Das US-Unternehmen Expeditors hat eine E-Freight-Quote von 65 %, gefolgt von Panalpina (64 %) und dem Integrator UPS (61,5 %). Auch die deutschen Riesen Schenker (60,3 %) und DHL (55 %) sind gut dabei. Lediglich Kühne + Nagel (26,2 %) gehört zu den Nachzüglern

Die europäische Luftfracht hinkt in Sachen E-Freight hinterher.
Die europäische Luftfracht hinkt in Sachen E-Freight hinterher.

40 Papiere für eine Sendung

Bei den Airlines ist Cathay Pacific mit 78 % Weltmarktführer. Air France/KLM ist mit 61,9 % beste europäische Airline und liegt klar vor Lufthansa (40,4 %) und dem Cargo-Riesen Emirates (39,9 %). E-Freight scheitert aus Sicht der Airlines an den Behörden in den Empfangsländern, wenn diese auf Papierdokumente bestehen. Deshalb sind schlechte Zahlen der Airlines nicht unbedingt mit mangelndem Innovationswillen zu erklären.

Auf die Airports bezogen liegt Dubai an der Spitze: 89,5 % der Sendungen dort werden papierlos abgefertigt. Es folgen Singapur und Hongkong mit E-Freight-Anteilen von mehr als 70 %. Zum Vergleich: Frankfurt als europäisches Frachtdrehkreuz liegt lediglich bei knapp oberhalb von 30 %. Für Luftfrachtverlader bedeutet das enormen Aufwand. „2017 liegt der erstaunliche Durchschnitt für eine einzige Sendung von A nach B immer noch bei 40 Papieren“, sagte Drew Crawley, Chef der Frachtairline IAG Cargo gegenüber der Fachzeitschrift DVZ.

Franziska Widmaier
Über die Autorin
Franziska Widmaier
Franziska Widmaier ist Redakteurin und im Bereich Corporate Communications tätig. Als #twitterperle betreut sie außerdem die Social-Media-Kanäle bei AEB. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit 2013 bei AEB und schreibt am liebsten über die neuesten Trends in Logistik und IT.

Ähnliche Artikel

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen