Supply-Chain-Management

Studie: Digitalisierung verstärkt Fachkräftemangel

Kaum ein Unternehmen kämpft nicht damit: Die Suche nach kompetentem Personal im Supply-Chain-Management. Eine neue DHL-Studie gibt Auskunft über die Gründe für den akuten Mangel an Fachkräften und offeriert Lösungen.

Franziska Widmaier 13.08.2017

Der Fachkräftemangel in der Logistik wird zunehmend größer. Nach Schätzung des U.S. Bureau of Labor Statistics wird sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Logistikindustrie von 2010 bis 2020 um 26 Prozent erhöhen. Dabei übersteigt die Nachfrage nach Supply-Chain-Fachkräften das Angebot um das Sechsfache, wie eine weltweite Untersuchung festgestellt hat. Einige Prognosen gehen von einer Ausweitung dieser Angebotslücke auf ein Verhältnis von 9:1 aus.

Die DHL-Studie „The Supply Chain Talent Shortage: From Gap to Crisis“, für die mehr als 350 Supply-Chain- und Logistikexperten aus fünf globalen Regionen befragt wurden, zeigt die wichtigsten aktuellen Herausforderungen der Nachwuchssicherung im Supply-Chain-Management und identifiziert Ansätze, mit denen sich Firmen im weltweiten Talente-Wettbewerb besser aufstellen können.

Die wichtigsten Gründe für den Nachwuchskräftemangel

  • Hohe Anforderungen: Der ideale Mitarbeiter verfügt heute sowohl über operative Expertise als auch über professionelle Kompetenzen wie Analysefähigkeiten. 58 Prozent der Unternehmen geben an, dass diese Kombination nur schwer zu finden ist. Die Nachwuchskräfte von morgen müssen aber auch erstklassige Führungskompetenzen, strategisches Denken, Innovationsstärke und allgemeine analytische und technische Qualifikationen mitbringen.
  • Alternde Belegschaft: Bis zu ein Drittel der derzeit in der Branche beschäftigten Fachkräfte steht kurz vor dem Rentenalter oder hat dieses bereits erreicht. 
  • Fehlende Mitarbeiterentwicklung: Ein Drittel der befragten Unternehmen hat keine Schritte unternommen, um einen Talent-Pool aufzubauen oder seine künftige Talent-Pipeline zu füllen.
  • Verbesserungswürdiges Image von Supply-Chain-Berufen: Die Branche hat weiter damit zu kämpfen, dass andere Bereiche ein höheres Ansehen genießen und vermeintlich bessere Karrierechancen bieten. Dadurch zeigen viele Jobsuchenden kaum Interesse an Supply-Chain-Berufen.

„Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, Nachwuchskräfte zu finden, die über die nötigen Kompetenzen verfügen, um diese hochkomplexen Prozesse zu steuern. Das gilt insbesondere für die mittleren und höheren Führungsebenen. Marktteilnehmer, die dieses Problem nicht erfolgreich adressieren, riskieren ihre globale Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Lisa Harrington, Autorin der Studie und Präsidentin der lharrington group LLC.

Schwer zu finden: Nachwuchskräfte, die sowohl operative als auch professionelle Skills für die Arbeit im Supply-Chain-Management mitbringen
Schwer zu finden: Nachwuchskräfte, die sowohl operative als auch professionelle Skills für die Arbeit im Supply-Chain-Management mitbringen

Talent-Management ist kritischer Wettbewerbsfaktor

Dabei hat die strategische Mitarbeitergewinnung wesentliche Auswirkungen auf das Ergebnis und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen: Einer aktuellen Untersuchung zufolge haben Unternehmen mit einem herausragenden Talent-Management ihren Umsatz und Ertrag 2,2 bzw. 1,5 Mal so schnell gesteigert wie Unternehmen, die in punkto Nachwuchsförderung unterdurchschnittlich abschneiden. 

Doch Fachkräfte zu finden ist heutzutage eine echte Herausforderung. „Neue Technologien und grundlegende Veränderungen der Supply-Chain-Prozesse stellen heutige Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Wer heute eine Karriere im Supply-Chain-Management anstrebt, muss andere und deutlich mehr Kompetenzen mitbringen als die Mehrheit der heutigen Beschäftigten bei ihrem Berufseinstieg“, sagt Harrington und spricht damit auch das Thema Digitalisierung an.

Lösungsansätze für Unternehmen

Doch wie können Unternehmen es schaffen, die Talentlücke zu schließen? Die Studie zählt verschiedene Lösungsansätze auf:

  • Um Nachwuchskräfte im Unternehmen zu halten, müssten Unternehmen die Karrierepfade klar strukturieren und sich zur professionellen Weiterentwicklung der eigenen Supply-Chain-Mitarbeiter bekennen – und eine konkurrenzfähige Vergütung anbieten.
  • Um Talente zu gewinnen, müsse die Branche deutlicher machen, dass die Supply-Chain-Fachkräfte von morgen im Umgang mit Robotern, künstlicher Intelligenz und audiovisuellen Technologien vertraut sein müssen – Jobaspekte, die attraktiv für die jüngere Generation sind und helfen können, das Image der Branche zu verbessern.

Die Studie empfiehlt Unternehmen, als erstes die Entwicklung ihres bestehenden Talent-Pools in Angriff zu nehmen und Schulungen zu den sich wandelnden Anforderungen an die Beschäftigten durchzuführen. Als zweites sollten sie klare Karrierepfade aufzeigen, um Nachwuchskräfte im Unternehmen zu halten. Die Branche müsse falsche Vorstellungen von Supply-Chain-Berufen bekämpfen, indem Unternehmen auf technologische Entwicklungen und die Digitalisierung der Branche hinweisen, die gerade für jüngere Erwerbstätige attraktiv sind.

Franziska Widmaier
Über die Autorin
Franziska Widmaier
Franziska Widmaier ist Redakteurin und im Bereich Corporate Communications tätig. Als #twitterperle betreut sie außerdem die Social-Media-Kanäle bei AEB. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit 2013 bei AEB und schreibt am liebsten über die neuesten Trends in Logistik und IT.

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