IT-Trends

Digitalisierung verändert den Speditionsmarkt

Die 7. Nationale Konferenz Güterverkehr und Logistik drehte sich um ein heißes Thema: Hat die klassische Spedition in Zeiten der Digitalisierung noch eine Zukunft?

Jens Verstaen 13.06.2017

„Wer nicht komplett digitalisiert, der verliert. Das gilt auch für Güterverkehr und Logistik.“ Mit diesen Worten warnte Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur während der 7. Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik in München davor, die Auswirkungen der Digilisierung auf den Wirtschaftszweig zu unterschätzen. Eine Expertendiskussion im Rahmen der Konferenz zeigte, dass derzeit insbesondere der Speditionsmarkt im Fokus von Start-ups aus der digitalen Wirtschaft steht. „Wir konzentrieren uns mit unserem Geschäftsmodell auf interkontinentale Verkehre“, sagte Ferry Heilemann, Mitgründer und CEO der Frachtplattform FreightHub. Heilemann und sein Team attackieren mit ihrer Plattform einige Schwächen klassischer Speditionen, die sie während einer Analyse- und Validierungsphase ausgemacht haben. Dazu zählen das nicht transparente Pricing der Speditionen, die lange Dauer eines verbindlichen Angebotes, die fehlende Auskunftsfähigkeit in der Transportphase und die mangelnde Bereitstellung von Daten für Analysezwecke.

Frachttransport wie einen Passagierflug buchen

FreightHub hat ein Frontend entwickelt, über das Verlader ähnlich wie bei einer Flugbuchung Preise und Verbindungen für Containertransporte, aber auch Luftfracht abfragen können. Die Preisauskunft wird innerhalb von drei Sekunden berechnet. Gebucht werden kann ebenfalls online – Nebenleistungen wie Verzollung inklusive. Strategie ist es, möglichst viele Abläufe zu automatisieren und den Kundenservice gering zu halten. 

Allerdings sind gerade die großen Spediteure nicht gewillt, sich von den Newcomern aus der digitalen Welt ohne weiteres die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Markus Sontheimer, Chief Digital Officer bei der DB-Tochter Schenker AG, zeigte auf, dass sein Unternehmen bei der Digitalisierung ebenfalls Vollgas gibt – das Entwickeln leistungsfähiger Optimierungsalgorithmen inklusive. Als wesentliches Ziel bezeichnete es Sontheimer, die Schnittstelle zum Kunden zu kontrollieren und zu entwickeln. „Wer den Kunden hat, der hat den Lead“, betonte der Schenker-Manager. Sontheimer erwartet, dass sich langfristig drei Speditionstypen herausbilden: Der E-Forwarder, der einfache Transporte bedient, der Solution Forwarder für die Bedienung individualisierter Kundenbedürfnisse und der teildigitalisierte Forwarder als Mischform.“ 

Auch Carrier und E-Commerce-Riesen greifen an

Größere Verschiebungen in der Speditionswelt erwartet auch Joris D’Inca, Leiter Transportation Practise Zentraleuropa bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Der Anteil traditioneller Geschäftsmodelle werde sich von 95 Prozent im Jahr 2015 auf 15 Prozent im Jahr 2030 reduzieren. Den volldigitalen Anbieter traut der Berater einen Anteil von 30 Prozent im Jahr 20130 zu. Daraus folgt: Wer als Spedition am Ball bleiben will, muss sich intensiv mit Digitalisierungsthemen befassen. D’Inca macht zudem auf eine weitere Gefahr für die Speditionen aufmerksam: Zum einen die E-Commerce-Giganten wie Amazon, die ihre Wertschöpfung auf die Transportkette ausdehnen wollen. Zum anderen die großen Containerreedereien und Frachtairlines, die digitale Technik nutzen könnten, um den Spediteuren die Schnittstelle zu den Kunden streitig zu machen. 

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Jens Verstaen
Mehrwert für die Leser kreieren, die Geschichten hinter den Themen finden und die wesentlichen Informationen unterhaltsam aufbereiten – das treibt ihn an. So berichtet Jens Verstaen seit mehr als 15 Jahren vor allem über Supply-Chain- und IT-Themen.

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