Deutscher Logistik-Kongress

Digitale Geschäftsmodelle sind die Königsdisziplin

Digitalisierung war das Kernthema des Deutschen Logistik-Kongress in Berlin. Dabei geht es um weit mehr als um die Automatisierung von Prozessen. Begriffe wie Customer Experience halten in der Logistik Einzug. Am schwersten fällt die Transformation von Geschäftsmodellen.

Björn Helmke 30.10.2017

„Ein neues Geschäftsmodell setzt an dem Punkt an, an dem die Menschen genervt sind“. Das sagte Christoph Keese, CEO von Axel Springer Hy auf dem 34. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin – und warf damit ein neues Licht auf das Thema „Digitalisierung in der Logistik“. Fazit der von der Bundesvereinigung Logistik organisierten Großveranstaltung: Die Zeiten, in denen das Thema Digitalisierung ausschließlich als Prozessautomatisierung betrachtet wurden, gehen in der Logistik zu Ende.

Kundenerwartungen gehen über die Kernleistung hinaus

Boris Winkelmann, Chef des Paketdienstes DPD, nannte eines der neuen Kernthemen – die Customer Experience – gemeint ist die die umfassende Erfüllung von Kundenerwartungen auch um die logistische Kernleistung herum. Es reicht also nicht mehr, wenn ein Paket pünktlich, in einer kurzen Laufzeit und unbeschädigt ankommt. Kommunikationsfähigkeit mit dem Kunden und dem Empfänger, individualisierte Zustellalternativen und selbst einfache Beauftragungsmöglichkeiten über elektronische Medien gehören dazu. Entsprechende Anforderungen, so Winkelmann kommen aus der B2C-Logistik, erreichen inzwischen aber auch den B2B-Bereich.
Entsprechend dynamisch entwickelt sich die Art, wie IT für die Logistik gemacht wird. Agiles Vorgehen und eine Fast-Failure-Kultur halten Einzug. Aber, so warnt Lufthansa-Cargo-Chef Peter Gerber, nicht jedes Feld eignet sich für den agilen Methodenkoffer. In den Bereichen Sicherheit und Operations ist nach wie vor klassisches Projekt- und Qualitätsmanagement gefragt.

Neue Geschäftsmodelle werden ausgebremst

Was aber ist mit den neuen Geschäftsmodellen in der Logistik? Sie kommen nur mühsam voran, resümierte Dr. Torsten Mallée, Direktor International Business Development bei AEB und Mitglied des BVL-Vorstandes, in einer von ihm moderierten Sequenz zum Thema „Transformation der Geschäftsmodelle“. Eine Bremse liegt laut Mallée in der Unternehmenskultur vieler Unternehmen. Dort dominieren die Stakeholder alter, (noch) erfolgreicher Geschäftsmodelle, die ihre Ressourcen gegen unternehmensinterne Start-ups verteidigen. „Die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle dauert zu lange, Partikularinteressen in den Unternehmen müssen überwunden werden“, so Mallée.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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