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Darf ich eine Zollanmeldung nach Australien für unseren deutschen Kunden erstellen?

Wir (A) fertigen für einen deutschen Kunden. Die Rechnung geht an den Kunden in Deutschland (B). Dieser möchte, dass wir direkt an seinen Kunden in Australien (C) liefern. Können wir für den deutschen Kunden die Zollanmeldung übernehmen? Und wenn ja, in welcher Form? Benötigen wir dafür eine Vollmacht? Wer ist für die Exportkontrolle zuständig?

Björn Helmke 14.03.2019

Zollanmeldung in direkter Vertretung

Ein Experte aus der Community empfiehlt, diese Fälle in direkter Vertretung und als Subunternehmer abzuwickeln. „Dies ist so in unserer Bewilligung hinterlegt, mit der Beteiligtenkonstellation 0110“, erläutert er. Dies ist eine gebräuchliche Vorgehensweise für diese Fallkonstellation, zu der es jedoch auch Alternativen gibt. 

In dieser Fallkonstellation gilt: Der deutsche Kunde ist Ausführer und sollte der produzierenden Firma auch die Zollrechnung zur Verfügung stellen – natürlich auch eine Vollmacht zur Zollabwicklung. Das ist wichtig: Ohne Vollmacht würde Firma A die Zollanmeldung im eigenen Namen und für eigene Rechnung abgeben. Ein Problem, das auftauchen könnte: Firma B will nicht, dass Firma A die Preise kennt, zu dem die Ware an Firma C verkauft wird. In der Praxis wird die Pro-Forma-Rechnung dann an den Spediteur übergeben, der sie zur Importverzollung vorlegt.

Exportkontrolle: B bleibt in der Verantwortung

Exportkontrollrechtlich bleibt Firma B als Ausführer und Vertragspartner des Drittlandkunden in der Verantwortung. 

Was ist zu beachten bei Ausfuhren nach Australien? Ein Mietglied der AEB Community fragt nach.
Was ist zu beachten bei Ausfuhren nach Australien? Ein Mietglied der AEB Community fragt nach.
Was ist zu beachten bei Ausfuhren nach Australien? Ein Mietglied der AEB Community fragt nach.

Umsatzsteuer: Steuerbar? Steuerpflichtig?

Außerdem ist das Geschäft umsatzsteuerlich sauber abzuwickeln. Bei Reihengeschäften wird zwischen der Beförderungslieferung auf der einen und der ruhenden Lieferung auf der anderen Seite unterschieden. Befördert (wie in diesem Fall) der erste Lieferer in der Reihe den Gegenstand, dann ist seine Lieferung die Beförderungslieferung. Die Beförderungslieferung am Abgangsort der Ware – und somit in Deutschland – ausgeführt. Die Lieferung ist damit im Inland steuerbar.

Allerdings handelt es sich um eine steuerfreie Ausfuhrlieferung, da Ware nach Australien und somit in ein Drittland befördert wird. Die Steuerbefreiung wird aber nur dann gewährt, wenn die Ausfuhr gemäß den steuerrechtlichen Vorschriften nachgewiesen werden kann. Außerdem muss die Rechnung von A an B einen expliziten Hinweis auf die Umsatzsteuerfreiheit der Lieferung beinhalten.

Die Lieferung von B an den australischen Kunden C ist nicht steuerbar. Sie gilt als ruhende Lieferung, die nach der bewegten Lieferung erfolgt. Der Lieferort bei der ruhenden Lieferung ist der Bestimmungort der Lieferung – dieser liegt in Australien.

Sie haben Hinweise zu diesem Fall? Lassen Sie uns teilhaben und schreiben Sie uns an redaktion@aeb.com. Oder Sie haben Fragen, die Sie in der Community stellen möchten: Melden Sie sich gleich dort an.

Björn Helmke
Über den Autor
Björn Helmke
Björn Helmke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachredakteur in den Themenbereichen Transport und Logistik. Seit zwei Jahren schreibt der Betriebswirt (WA) mit wachsender Begeisterung über praxisbezogene Themen in der Außenwirtschaft. Sein Anspruch: Auch bei Fachthemen Lesespaß und Nutzen unter einen Hut bekommen.

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